Was ist es, was die Bevölkerung von Politiker/innen trennt? Fragt man Letztere, schwafeln sie davon, dass man volksnäher sein müsse. Was, echt jetzt? DAS hab ich jetzt aber nicht erwartet. Nur was das ist, darüber scheiden sich die Geister. Für Strache’s Wählerschaft genügen Diskobesuche, Anti-Ausländer-Gejaule und die Botox-Visage an der Spitze. Alle anderen tun sich etwas schwerer, versuchen sich teilweise an Strache’s “Politik” und helfen damit am Ende nur ihm, niemandem sonst.
Was die Damen und Herren nicht verstehen und oft gar nicht mehr verstehen können, ist, dass nicht die Kommunikation mit den Wähler/innen das Problem ist, sondern der Umgang mit den politischen Gegner/innen und dem, was sie sagen.
Wenige wissen das, aber fast alle Gesetze werden einstimmig und ohne nennenswerte Diskussion beschlossen. Konflikte gibt es nur selten, und selbst dann wird die Diskussion oft nur für die Medien inszeniert. (Oder kann sich jemand an ein von den Regierungsparteien eingereichtes Gesetz erinnern, das gescheitet ist?)
Liest oder hört man aber Interviews, kriegt man den Eindruck, dass alles, bis ins letzte Detail, was vom politischen Gegner kommt, falsch, schlecht und böse ist und alles, aber auch wirklich alles, was die eigene Partei sagt, richtig und gut ist. Selbst, wenn die Unterschiede nur marginal sind. Selbst, wenn man vor einigen Monaten das Gegenteil gesagt hat. Selbst, wenn man den Gegner für einen ähnlichen Vorschlag als weltfremd bezeichnen würde.
Menschen, die sich in einem kritikfreien Umfeld befinden (oder die Kritik als wertlos abtun), verlieren den Bezug zur Realität. So ist das zum Beispiel in Parteien. Innerparteiliche Kritik ist selten, Kritik von anderen Parteien wird als Bestätigung der eigenen Ansichten gewertet.
Was entsteht, sind Aussagen wie “Dieser Vorschlag ist [weltfremd/unmenschlich/stalinistisch/naiv]!”, anstatt einem ehrlicheren “Der Vorschlag geht in die richtige Richtung, wir würden aber Schwachstelle X ausbessern, Schlupfloch Y stopfen. Und dieser Teil Z, Leute, widerstrebt meinen politischen Vorstellungen völlig. Dem kann ich nicht zustimmen.”.
Solche Aussagen sind nicht immer möglich. Aber oft wären sie es. Dann wird eine Radikalopposition zu einzelnen Gesetzen, wenn sie einmal passiert, viel besser verstanden und akzeptiert.
Die Menschen sind nicht dumm. Abgesehen von den Botox-Fans wissen unterbewusst fast alle, dass diese Wadlbeißerei nur selten notwendig ist. Und es widert Menschen an, wenn sie für dumm verkauft werden. Selbst, wenn das nicht absichtlich passiert sondern nur, weil Politiker/innen nach einiger Zeit ideologisch völlig verblendet werden.