Ideologisch verblendet

Was ist es, was die Bevölkerung von Politiker/innen trennt? Fragt man Letztere, schwafeln sie davon, dass man volksnäher sein müsse. Was, echt jetzt? DAS hab ich jetzt aber nicht erwartet. Nur was das ist, darüber scheiden sich die Geister. Für Strache’s Wählerschaft genügen Diskobesuche, Anti-Ausländer-Gejaule und die Botox-Visage an der Spitze. Alle anderen tun sich etwas schwerer, versuchen sich teilweise an Strache’s “Politik” und helfen damit am Ende nur ihm, niemandem sonst.

Was die Damen und Herren nicht verstehen und oft gar nicht mehr verstehen können, ist, dass nicht die Kommunikation mit den Wähler/innen das Problem ist, sondern der Umgang mit den politischen Gegner/innen und dem, was sie sagen.

Wenige wissen das, aber fast alle Gesetze werden einstimmig und ohne nennenswerte Diskussion beschlossen. Konflikte gibt es nur selten, und selbst dann wird die Diskussion oft nur für die Medien inszeniert. (Oder kann sich jemand an ein von den Regierungsparteien eingereichtes Gesetz erinnern, das gescheitet ist?)

Liest oder hört man aber Interviews, kriegt man den Eindruck, dass alles, bis ins letzte Detail, was vom politischen Gegner kommt, falsch, schlecht und böse ist und alles, aber auch wirklich alles, was die eigene Partei sagt, richtig und gut ist. Selbst, wenn die Unterschiede nur marginal sind. Selbst, wenn man vor einigen Monaten das Gegenteil gesagt hat. Selbst, wenn man den Gegner für einen ähnlichen Vorschlag als weltfremd bezeichnen würde.
Menschen, die sich in einem kritikfreien Umfeld befinden (oder die Kritik als wertlos abtun), verlieren den Bezug zur Realität. So ist das zum Beispiel in Parteien. Innerparteiliche Kritik ist selten, Kritik von anderen Parteien wird als Bestätigung der eigenen Ansichten gewertet.

Was entsteht, sind Aussagen wie “Dieser Vorschlag ist [weltfremd/unmenschlich/stalinistisch/naiv]!”, anstatt einem ehrlicheren “Der Vorschlag geht in die richtige Richtung, wir würden aber Schwachstelle X ausbessern, Schlupfloch Y stopfen. Und dieser Teil Z, Leute, widerstrebt meinen politischen Vorstellungen völlig. Dem kann ich nicht zustimmen.”.
Solche Aussagen sind nicht immer möglich. Aber oft wären sie es. Dann wird eine Radikalopposition zu einzelnen Gesetzen, wenn sie einmal passiert, viel besser verstanden und akzeptiert.

Die Menschen sind nicht dumm. Abgesehen von den Botox-Fans wissen unterbewusst fast alle, dass diese Wadlbeißerei nur selten notwendig ist. Und es widert Menschen an, wenn sie für dumm verkauft werden. Selbst, wenn das nicht absichtlich passiert sondern nur, weil Politiker/innen nach einiger Zeit ideologisch völlig verblendet werden.

Drei Generationen

Ein bisschen bin ich ein Masochist. Ich interessiere mich für sehr viel, was auf dieser Welt falsch läuft oder gelaufen ist. Wenn ich nicht Arbeits-bezogene Texte lese, haben die meist mit dem Holocaust, Kriegen oder Menschenrechtsverletzungen zu tun. Nordkorea, das Land, aus dem nur wenig bekannt ist, wenn man davon absieht, dass es ein riesiges Militär, ein Atomprogramm und einen unberechenbaren Führer gibt, ist ein perfektes, verstörendes Thema.

Ich wusste ja nicht so viel. Kommunistisch, Kim Jong-Il, Atomprogramm. Das sollte noch jede/r wissen. Wer ins Detail geht kennt den Koreakrieg, die zehntausenden US-Soldaten, die noch immer an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea stationiert sind und weiß, dass Nordkorea stalinistisch organisiert ist.

Aber es geht weiter. Viel weiter. Da wären zum Beispiel die Konzentrationslager, in denen zumindest 200.000 Menschen interniert sind, von denen tausende bis zu einem Viertel (je nachdem, welchen Zahlen man glaubt) jährlich verhungern, verunfallen, erschossen werden. Verhaftungs-Quoten garantieren, dass dieser Strom an billigen Arbeitskräften (mehr als 100 Gramm Reis täglich gibt es nicht) nicht versiegt, der für die nordkoreanische Wirtschaft und das Militär nicht unwichtig ist. Die Häftlinge bewirtschaften Felder, bauen Gebäude und graben Tunnelsysteme.

Es gibt zwei Typen an Lagern. Aus dem einen Typ hat man wenigstens die Chance, entlassen zu werden, sollte man so lange überleben. Da kommen zum Beispiel gewöhnliche Verbrecher hin, und Leute, von denen man glaubt, sie umerziehen zu können. Aus den anderen Lagern kommt man nicht lebendig heraus. “Rückkehr unerwünscht” haben die Nazis das genannt. Hier kommen selbst Kinder hin.

Aber wäre es doch nur die grausame Behandlung, die es am nordkoreanischen Gulag-System auszusätzen gäbe. Es geht noch viel schlimmer. Denn während in normalen Diktaturen öffentliche Kritik ab einem bestimmten Grad zur Verhaftung führt, geht das in Nordkorea noch viel “einfacher”. Denn einer von Kim Il-Sungs Richtlinie zufolge haben bei Dissidenten drei Generationen ausgelöscht zu werden. Enkelkinder müssen beispielsweise für ungeschickte Äußerungen ihrer Großeltern sterben, oder wenigstens unmenschlich leiden. Wahrscheinlich beides. Und das geht dann auch in die Breite, bis zu den Cousins/Cousinen.

Mach mal ein kleines Gedankenexperiment: Findest du unter deinen Großeltern, Onkeln, Tanten, Cousins und Cousinen auch nur eine Person, die politisch anders denkt? Oder eine große Klappe hat?

Wieder einmal frage ich mich, warum ich das eigentlich schreibe. Aber doch, diesmal kann ich einen vernünftigen Grund nennen: Fast niemand weiß Bescheid. Und es wäre gut, wenn mehr Menschen Bescheid wüssten. Dann würde hier die Kärntner Politik vielleicht nicht mehr mit Nordkorea verglichen werden.

Quellenangaben

Ich habe mir nicht die Arbeit gemacht, alles, die ich in den letzten Monaten gelesen habe, hier zu referenzieren. Wer via Google sucht, findest die notwendigen Informationen. Amnesty International hat eine Karte der größten Gulags, verschiedene Zeitungen haben Interviews mit Flüchtlingen und Überlebenden abgedruckt. Ich habe fast überall die harmlosesten Zahlen genommen, die ich gefunden habe. Ein ehemaliger Gulag-Wächter hat von bis zu 25% gesprochen, die jährlich zugrunde gehen.
Wer findet, dass ich mich wo getäuscht habe, darf mich gern darauf hinweisen. Nichts wäre mir lieber, als falsch zu liegen.

Dieser Blog…

Irgendwie irre, wie wenig ich heutzutage für diesen Blog schreibe. Und das, obwohl er eigentlich ganz gut läuft, einige Artikel nach wie vor gelesen werden. Aber eigentlich ist es genau dieser moderate Erfolg, der mich dazu veranlasst hat, nicht mehr zu schreiben. Ich wurde anspruchsvoll und brauche seither viel zu viel Zeit für meine Artikel. Momentan sind in meiner WordPress-Administration neun Entwürfe gespeichert. Manche nur Ideen mit Stichwörtern, manche warten seit Monaten auf das letzte Mal Korrekturlesen.

Aber ich gelobe Besserung. Weil es mir ja immer Spaß gemacht hat, zu bloggen, und weil mir das Bloggen so viel gutes gebracht hat. Das Resultat werden manchmal Blog Posts wie dieser hier sein: Kurz, ein bisschen sinnlos, ichbezogen. Aber es werden vielleicht auch neue Gustostückerl heraus kommen. Mal schauen.

Ohne korrekturgelesen zu werden, geht dieser Artikel jetzt mal raus. Gar nicht so einfach. Dieser Absatz ist gerade nur eine Aufschiebe-Taktik. So. Jetzt aus.

Notizen zum neuen Facebook-Design

Allgemein

Ich find das Design-Upgrade gut. Es ist nicht notwendigerweise eine Vereinfachung als der Versuch, die bestimmte Facebook-Features (Suche, Chat) sichtbarer zu machen, Spiele von anderen Anwendungen visuell zu trennen und die Anzahl der Seiten-Bereiche zu reduzieren. (Es gibt jetzt im Endeffekt die Profile, was Gruppen und Seiten beinhaltet, die Einstellungen und alles andere, also eine Zusammenfassung von News Feed, Nachrichten, Veranstaltungen, etc.)

Facebook - Neues Design - Screenshot

Spiele vs. Anwendungen

Die visuelle Separierung ist aus zwei Gründen klug: Einerseits wird es so einfacher, die tatsächlich nützlichen Anwendungen in der Flut der Spiele und Quizze zu identifizieren. Andererseits kann Facebook damit Werbeanzeigen für Spiele maximieren, die angeblich schon jetzt einen wesentlichen Anteil am Werbeumsatz haben.

Ich wäre nicht überrascht, wenn die Spiele-Seite in Zukunft bunter würde und grafische Werbung beinhaltet.

Übrigens hat Facebook still und leise die virtuelle Währung (bisher nur für die hauseigene Gifts-Anwendung) für Spiele aktiviert. Ich bin gespannt, wie viel Geld sich hier für Facebook verdienen lässt.

Status-Leiste ade

Die eigene Status-Leiste, in der rechts der Chat und links das Anwendungs-Menü zu finden waren, ist weitgehend weg. Es ist jetzt nur noch im rechten Eck der Chat zu finden. Das macht Sinn – niemand schaut ins linke untere Bildschirm-Eck.

Das ist insofern relevant, als Facebook damit wieder von einer Computer-Desktop-Metapher weg geht (Anwendungs-Menü oben links, Status-/Task-Leiste unten, Inhalte dazwischen). Die direkten Auswirkungen für die User/innen sind natürlich relativ gering.

Sichtbarere Chat-Integration

Ich verwende den Facebook-Chat immer wieder, bisher leidet er aber darunter, dass er nicht besonders auffällig ist. Es ist auch nicht wahnsinnig bequem, dass man das Chat-Fenster öffnen muss, dass den meisten Leuten mit normalen Bildschirmen im Weg ist, um zu sehen, wer online ist.

Das neue Design zeigt einige der Freund/innen, die gerade online sind, auf der Startseite an. Leider ist ziemlich undurchsichtig, welche Leute es konkret sind, die hier angezeigt werden.

Vielleicht könnte Facebook dabei eines Tages die Nutzungsdaten verwenden, die ja zweifellos gesammelt werden und wenn möglich die Leute anzeigen, mit denen ich am öftesten chatte (oder allgemein in Kontakt bin).

Ich bin gespannt, ob ich jetzt öfter via Chat kontaktiert werde. Leider veröffentlicht Facebook so wenige Daten darüber, ob und wie die Design-Updates funktionieren bzw. welche Ziele mit verschiedenen Updates verfolgt werden.

Gegen die Zentralmatura

Heute in der Mathe-Vorlesung hat der Professor in die Gruppe gefragt, wer schon von der Eulerschen Zahl e gehört hätte. Die meisten haben aufgezeigt, es wusste aber niemand, wie das jetzt für das besprochene Thema relevant gewesen wäre. (Ist jetzt auch egal.)

Da bin ich auf die Zentralmatura zu denken gekommen, die mittlerweile wenigstens teilweise eingeführt wurde und hab überlegt, wie gut das wäre, wenn alle Studienanfänger/innen in bestimmten Kapiteln in (bspw.) Mathematik mit dem gleichen Wissensstand einsteigen würden.

Nur: Das funktioniert nicht. Auch nicht mit Zentralmatura. Die funktioniert nämlich nur in der Theorie.

Was ist die Idee hinter der Zentralmatura? Das Stoffgebiet wird fix festgelegt, die Matura (in Zukunft auch Schularbeiten, Tests, etc.?) wird zentral vom Ministerium erstellt und von allen Maturant/innen gleichzeitig durchgeführt. (Oder, falls das nicht möglich ist, werden verschiedene Versionen erstellt, die “gleich schwer” sind.)
Dadurch sollen die Lehrkräfte dazu gebracht werden, bestimmte Stoffgebiete “richtig” zu erklären – die Schüler/innen sollen sich alle gleich gut auskennen.

Nur: Das funktioniert nicht, weil nicht alle Lehrkräfte gleich gut sind. Nehmen wir das Beispiel des Webdesign-Unterrichts an Handelsakademien. Aus meiner Schulzeit weiß ich, dass mein Vater hier fachlich sehr gut (und aktuell) gebildet ist und die didaktischen Fähigkeiten besitzt, die Inhalte in kürzester Zeit verständlich zu machen. Auf der anderen Seite gibt es Lehrkräfte, denen das grundsätzliche Verständnis fehlt, sei es, weil die Lehrerfortbildung nicht intensiv genug ist, oder, weil ihnen das Fach einfach nicht liegt.

Was passiert jetzt bei einer Zentralmatura? Offensichtlich kann sich die Matura nicht am besten Unterricht orientieren – die Hälfte der Schüler/innen an anderen HAKs würde wahrscheinlich durchfallen. Also wird ein Mittelmaß hergenommen. Das führt dazu, dass fähige Lehrkräfte dazu animiert werden, nur dieses Mittelmaß zu unterrichten, während der Unterricht schlechterer Lehrkräfte trotzdem nicht besser werden. Die Schüler/innen werden für deren mangelnde Fähigkeiten bestraft.

Ich weiß nicht, was unsere Gesellschaft am Mittelmaß so unglaublich toll findet. Vielleicht ist das manchen nicht bewusst, aber Durchschnittlichkeit hat noch niemanden weit gebracht!

#gruenevw: Warum ich trotzdem hingehe!

Der Wiener Grüne Landesvorstand hat es beinahe geschafft, die Grünen Vorwahlen im Keim zu ersticken. (Keine Angst, mehr dazu schreib ich nicht, das wurde alles bereits ausführlich elaboriert.) Viele fragen sich jetzt, ob sie überhaupt zur Landesversammlung der Wiener Grünen am 15. November (am Sonntag!) gehen sollten.

Meine Bitte: Geht hin! Und zwar aus zwei Gründen:

Einerseits ist die klare Konsequenz: Wenn wir daheim bleiben, haben die Grünen Vorwahlen verloren. Endgültig. Gehen wir dagegen hin, investieren wir einen Sonntag Nachmittag für die Chance, einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Grünen bei den Gemeinderatswahlen 2010 noch besser abschneiden als letztes Mal. Viel gibts nicht zu verlieren.

Andererseits hab ich bei der Open Space-Veranstaltung gesehen, welche unterschiedlichen Kandidat/innen es gibt, von denen viele parteiintern nicht vernetzt sind (also von den nicht bzw. wenig vernetzten Vorwähler/innen profitieren können). Von Dampfplauderern bis zu in unterschiedlichsten Themen versierten Spezialist/innen – am Sonntag stehen viele interessante Personen zur Wahl.

Wen wählen?

Die Stimme an die richtigen Personen zu vergeben wird für mich eine Herausforderung. Ich will die meisten aktuellen Gemeinderät/innen wieder im Gemeinderat sehen, es gibt aber auch neue Personen, die ich gerne wählen würde. Da nur wenige aufhören, wird es nicht möglich sein, alle auf realistische Plätze zu wählen. Das geht sicher nicht nur mir so, deshalb ein Tipp: Überlegt euch, welche Kandidat/innen auch außerhalb des Gemeinderats Projekte umsetzen können bzw. welche Personen speziell davon profitieren können, im Gemeinderat zu arbeiten. Mir wird das auf jeden Fall eine Entscheidungshilfe sein.

Ich weiß, wer meine Stimme erhalten wird, und hab viel Zeit in die Überlegungen investiert. Ich empfehle euch, das auch zu tun.

Weitere Infos

AFPAK: Möglichkeiten für Afghanistan

Als Obama seinen Friedensnobelpreis gewonnen hat, hab ich mich wie viele andere gefragt, ob er ihn verdient hat. Er hat ihn laut offizieller Begründung für die Neuordnung der amerikanischen Diplomatie hin zu mehr Kooperation und Multilateralität bekommen. Das ist etwas, was weitgehend hinter den Kulissen abgelaufen ist, in Form von Personal-Entscheidungen, nachdem er die Präsidentschaft übernommen hat. Obama und die Öffentlichkeit haben ihn dagegen als Vorschusslorbeeren für seine Zukunfts-Pläne gesehen – und ein bisschen dafür, dass er ein starker Kontrast zu George W. Bush ist. Das ist nicht illegitim – im Gegensatz zu anderen Nobelpreisen werden beim Friedensnobelpreis nicht nur Erfolge, sondern auch das Streben nach einer friedlicheren Welt, prämiert. So fordert Nobel das in seinem Testament.

Ich denke trotzdem nicht, dass das genug für den Nobelpreis ist, denn die Umstellung der Diplomatie war politisch keine schwierige Aufgabe. Die US-Bevölkerung hat sich schon lange mehrheitlich für Verhandlungen mit “Schurkenstaaten” ausgesprochen, die Kritik der Republikaner daran war schwach und hat niemanden interessiert. Man kann ihn bestenfalls dafür loben, dass er in so kurzer Zeit die richtigen Personen gefunden hat, um seine Strategie umzusetzen. Aber von einem Präsidenten wie Obama hätte ich das ohnehin erwartet.

Afghanistan & Pakistan

Politische Risiken ist er in der Außenpolitik bisher keine eingetragen, und die wird in den ersten vier Jahren vor allem von seiner AFPAK-Strategie (Afghanistan/Pakistan) geprägt sein. Wie und ob die USA Pakistan unterstützen und wie in Afghanistan weiter geht, wird entscheiden, wie stabil die Region langfristig sein wird. Obamas Möglichkeiten möchte ich hier kommentieren:

Entweder: Truppen abziehen

Die USA und die NATO könnten über zwei, drei Jahre ihre Truppen komplett abziehen. Ein Übergangszeitraum wäre notwendig, um Afghanistan auf “die Zeit danach” so gut wie möglich vorzubereiten. In dieser Zeit würden afghanische Truppen langsam versuchen, die Kontrolle über verschiedene Landesteile übernehmen. Außerdem würden vermutlich regionalen War Lords wieder unterstützt, damit auch sie die Taliban bekämpfen können. Das Ergebnis wäre ähnlich der Situation zwischen dem Abzug der Soviets und dem Einmarsch der NATO-Truppen: Ein andauernder Bürgerkrieg, ein Zerfall des Landes in von autoritären Warlords bzw. den Taliban beherrschte Provinzen.

Ich verstehe nicht, wie das jemand ernsthaft fordern kann. Aber doch: In Europa gibt es viele Parteien (zB die SED-Nachfolgepartei “Linke” in Deutschland), die danach rufen. Für Obama steht das zum Glück nicht zur Debatte.

Oder: Truppen aufstocken

Wollen die USA die Taliban ernsthaft besiegen, muss das über mehrere Schienen parallel laufen:

  1. Afghanische Armee aufbauen. Afghanistan muss früher oder später selbst die Kontrolle über Afghanistan übernehmen können. Der Aufbau der Armee ist schwieriger als im Irak, weil es in Afghanistan keine Strukturen gibt, auf denen aufgebaut werden kann. (Die Armeen der War Lords sind mit konventionellen Armeen nur wenig vergleichbar.)
  2. Taliban militärisch bekämpfen. Auch das wird nicht ausbleiben. So lange die Al Kaida Einfluss auf die Taliban hat, wird Appeasement, wie schon in Pakistan, nicht funktionieren. Bis die afghanische Armee das selbst tun kann, muss das das US-Militär übernehmen – dafür werden mehr Kampftruppen notwendig sein als aktuell im Land sind.
    Wichtig ist dabei auch: Egal, ob es strategisch richtig war, Taliban-Gebiete wie die Provinz Helmand einfach zu überrennen (anstatt sie zu “umschließen” und über mehrere Monate langsam unter Kontrolle zu bringen) – Gebiete, die besetzt werden, dürfen nicht aufgegeben werden. Das wäre ein Todesurteil für die Afghanis, die mit der afghanischen Armee und den Koalitionstruppen zusammenarbeiten.
    Bei diesem Kampf müssen auf jeden Fall weiterhin die neuen Einsatzregeln der US-Armee befolgt werden: Es werden nur noch selten Luftangriffe angefordert, Taliban-kontrollierte Gebiete werden nur noch in Ausnahmefällen mit Artillerie beschossen, bevor die Bodentruppen einmarschieren, bei Beschuss durch Taliban wird nicht zurück geschossen, wenn offensichtlich zivile Opfer riskiert werden. Diese Regeln erhöhen zwar das Risiko für die amerikanischen Soldaten, verursachen aber weniger tote Zivilist/innen.
  3. Verhandlungswillige Taliban von Al Kaida trennen. Taliban ist nicht gleich Taliban. Die Taliban, vor allem die Unterstützer aus Pakistan, sind aus unterschiedlichen Gruppen zusammen gesetzt, die sich erst seit zwei, drei Jahren miteinander verstehen. Manche kämpfen um Einfluss im politischen Prozess, andere dagegen, die die Al Kaida-Ideologie stärker verinnerlicht haben, wollen internationale Truppen bis zu deren Abzug bekämpfen, um ein Kalifat zu errichten (oder was auch immer deren illusorische Vorstellungen sind). Mit der ersten Gruppe können Verhandlungen möglich sein – aber nur, wenn sie von der zweiten Gruppe getrennt werden. Das geht einerseits durch den allgemeinen Kampf gegen die Taliban, da deren Zusammenhalt auch davon geprägt ist, dass sie so tatsächlich Erfolge feiern, andererseits dadurch, vereinende Figuren, naja, “unschädlich” zu machen. (Wobei Verhaftungen vorzuziehen wären, aber vermutlich nicht möglich sind.)
  4. Wiederaufbau vorantreiben. Nur, wenn die Bevölkerung einen Vorteil aus der Präsenz der Koalitionstruppen zieht, wird sie ihnen positiv gegenüber stehen, Hinweise auf versteckte IEDs (Improvised Explosive Devices) geben, etc. Die Taliban sind auch deshalb so stark, weil sie relativ gut in der Bevölkerung verankert sind. Dieser Anker muss gelöst werden.
    Das gleiche gilt für Pakistan, wobei hier bereits die Kerry-Lugar Bill verabschiedet wurde, die genau das tun soll.
  5. Zusammenarbeit mit pakistanischer Armee ausbauen. Als die Taliban aus Helmand vertrieben wurden, sind sie einfach auf nach Pakistan gegangen und verbreiten jetzt dort Chaos und Zerstörung. Wäre die Offensive in Helmand mit einer pakistanischen Armeeoffensive einhergegangen, hätte man sie an der Grenze einkesseln und “endgültig” erledigen können. Außerdem muss die nachrichtendienstliche Zusammenarbeit verstärkt und die pakistanische Armee logistisch unterstützt werden, wo immer das möglich ist.

Diese Strategie hat im Irak bereits funktioniert: Man hat sunnitische Stämme von der Al Kaida getrennt, in das Staatsgefüge eingegliedert und damit sowohl die Al Kaida vertrieben als auch den Bürgerkrieg beendet. Das kann vom Prinzip her auch in Afghanistan funktionieren.

Diese Idee ist aber auch riskant. Ein “Troop Surge” wird nicht nur die US-Armee, die durch die beiden parallelen Kriege bereits seit Jahren an der Grenze ihrer Möglichkeiten ist, weiter strapazieren. Er wird wenigstens kurzfristig mehr Soldat/innen das Leben kosten, hat also das Potential, politisch für Obama zum Problem zu werden. Außerdem kosten die Kriege unglaublich viel Geld.

Mittelweg?

Einen Mittelweg (keine oder sehr wenige zusätzliche Truppen, aber auch kein kurzfristiger Abzug) gibt es eigentlich nicht, der ist in den vergangenen 8 Jahren gescheitert. Einerseits, weil die Bush-Regierung den Afghanistan-Krieg nie zu Ende gekämpft hat (sobald Afghanistan besetzt war, begannen die Vorbereitungen für den Irak-Krieg), andererseits, weil sich die europäischen Allierten nie besonders um Afghanistan gekümmert haben.

Leider hat ein Mittelweg sehr reele Chancen. Es wäre politisch einfacher umzusetzen und kurzfristig kostengünstiger.

Klartext

Schaffen die internationalen Truppen es nicht, die Taliban (bzw. den Al Kaida-Einfluss auf die Taliban) zu stoppen, könnten sie sich im Land als Machtfaktor etablieren und durch Verbesserung ihrer Methoden zum unlösbaren Problem werden. Die Verluste der afghanischen und internationalen Truppen sowie die zivilen Opfer (durch Militäraktionen und Terroranschläge) würden weiterhin langsam steigen. Die Bevölkerung würde sich nach einigen Jahren in Hoffnung auf mehr Stabilität auf die Seite der Taliban schlagen. Ziehen dann die internationalen Truppen ab, bliebe das Land wieder den Taliban und den War Lords überlassen, die Bürgerkriegsmäßig einige Jahre weiter kämpfen würden.
Mit den Koalitionstruppen würden auch Investoren und die afghanische “Elite” (Gebildete, Unternehmer) das Land verlassen, was wirtschaftlich zusätzlichen Schaden anrichten würde, was es den Taliban noch leichter machen würde, die Bevölkerung zu kontrollieren.

Obama hat aber mittlerweile zwei Teilentscheidungen getroffen. Im Februar hat er 17.000 weitere Soldat/innen ins Land versetzt und vor wenigen Tagen hat er angekündigt, noch einmal 13.000 Soldat/innen nach Afghanistan zu schicken. Das ist deutlich weniger als die 60.000 Truppen, die General McCrystal, Oberkommandierender der Koalitionstruppen, gefordert hat (die 17.000 aus dem Februar sind da nicht eingerechnet).

Obama hat zwar gesagt, dass die Strategie-Überprüfung noch nicht abgeschlossen ist und weitere Truppen nach Afghanistan geschickt werden könnten – im Moment befürchte ich aber, dass er auf einen Mittelweg abzielt.

In Pakistan geht er dagegen den richtigen Weg: Die Kerry-Lugar-Bill wird während der nächsten 5 Jahre bis zu 7,5 Milliarden Dollar, hauptsächlich in den zivilen Wiederaufbau, investieren. Falls Pakistan das Geld überhaupt akzeptiert, denn der Gesetzesvorschlag ist dort sehr umstritten, weil er an Auflagen, wie eine Reduktion des Einflusses der Armee auf die Politik, gebunden ist.

In der Zwischenzeit gibt es wieder ein positives Resultat auf politischer Ebene: Hamid Karzai hat akzeptiert, dass es vor allem durch sein Lager zu massivem Wahlbetrug gekommen ist und es deshalb eine Stichwahl gegen seinen Herausforderer Dr. Abdullah Abdullah geben wird, die er ohnehin gewinnen wird.
Ich hoffe, dass beide die Chance nutzen werden, um der afghanischen Bevölkerung klar zu machen, wie gut es demokratiepolitisch ist, dass der Wahlbetrug wenigstens nachträglich erkannt wurde, es die Stichwahl gibt und das alles ohne gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den beiden Lagern abgelaufen ist. (Dr. Abdullah tut das bereits, Karzai scheint noch nicht so recht verdaut zu haben, dass eine Stichwahl notwendig ist.)

Interview mit Herbert Schaumberger (GUT)

In Freistadt stehen dieses Wochenende Gemeinderatswahlen an. Eine der Parteien, die in Freistadt zur Wahl steht, ist die Bürgerliste GUT (Gruppe für Umweltschutz und Transparenz). Die Liste ist sozusagen meine wahre politische Heimat, mein Vater war für die Gruppe lange im Gemeinderat und gestaltet ihre Zeitung.

Dieses Jahr geht die GUT mit einer neuen, vielfältigen Gruppe und vielen neuen Gesichtern an den Start, unter anderem meiner Mutter und meinem Bruder. Ich möchte versuchen, ein paar dieser Gesichter und die Personen dahinter vorzustellen und der GUT helfen, bekannter zu werden.

In meinem dritten Interview spreche ich mit Herbert Schaumberger, der bei der GUT am fünften Listenplatz kandidiert.

(Meine ersten beiden Interviews hab ich mit Martin Borovansky und Hatice Demir gemacht.)

herbert-schaumberger

Stell dich kurz vor!

Ich bin Herbert Schaumberger und bin 36 Jahre alt. Ich komme ursprünglich aus Lasberg, lebe aber seit 15 Jahren in Freistadt.

Ich war bei Oskar Stöglehner in der Hauptschule, danach hab ich eine kaufmännische Lehre bei Rotschne gemacht, da bin ich noch immer. Ich bin da sozusagen Abteilungsleiter der Zweirad-Abteilung.

Wie war Oskar als Lehrer in der Schule?

Ich hab Oskar in zwei Fächern gehabt – in Deutsch, das war meine Stärke, da war ich ziemlich gut und in geometrisches Zeichnen. Das war überhaupt nicht meine Stärke, das war immer ein Horror für mich. Aber nein, ich muss sagen, ich hab ihn eigentlich sehr sympathisch gefunden. Ich bin gut mit ihm zurechtgekommen. Wir haben was gelernt, er war nicht zu locker und nicht zu streng.

Wie bist du mit Politik in Berührung gekommen?

Naja, politisch interessiert war ich immer schon, das wurde mir irgendwie in die Wiege gelegt. Zur aktiven Politik bin ich dann durch die Grünen gekommen. Bei den Grünen gibt es ja die Grünen Andersrum, die sich für die Gleichstellung von Schwulen und Lesben engagiert und das ist für mich ein wichtiges Thema, weil ich selbst schwul bin. Man muss ja immer um seine Rechte kämpfen, also hab ich geschaut, wo ich mich anschließen kann.

Ich bin jetzt seit drei Jahren bei den Grünen Andersrum und mittlerweile auch im Vorstand. Da gibt es regelmäßige Treffen, bei denen wir überlegen, wie wir Gleichstellung erreichen können und Veranstaltungen, bei denen wir darum kämpfen. Dann bin ich auch Mitglied bei den Grünen geworden. Man kann sagen: Ich bin ein Grüner. Ich hab Rudi Anschobers Politik verfolgt, was er erreicht hat ist wirklich ein Meilenstein. Man kann nur hoffen, dass dieser Weg fortgesetzt wird.

Wann hast du dich geoutet?

Erst ziemlich spät, mit 29. Es war ziemlich schwierig am Land, wo darüber einfach nicht geredet wird.

Hast du als Schwuler in Freistadt schon einmal Diskriminierung erlebt?

Nein, bisher nicht, weil ich aber sehr vorsichtig bin. Ich wusste ja, bei wem ich wie weit gehen konnte, wem man das erzählen kann. Wenn ich nicht wusste, wie das ankommt, bin ich im geschützten Bereich geblieben und hab mich gar nicht darauf eingelassen.

Aber ich würde mir wünschen, dass man in Freistadt leben kann, wie man will, dass die Leute toleranter wären, dass das Klima geschaffen wird, wo man darüber reden kann, ohne, dass es weggeschoben wird.

Was muss sich ändern, dass das passiert?

Naja, es gibt viele Kleinigkeiten. Wir haben zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der HOSI (Anm.: Homosexuellen-Initiative) einen Regenbogenstammtisch gegründet, der jeden letzten Freitag im Monat im Local stattfindet. Wir nennen das „Mühl4tel Andersrum“.

Da trifft man sich, sieht, dass man nicht alleine ist, kann sich austauschen.

Kann die Gemeindepolitik auch etwas tun, um Gleichstellung zu fördern?

Ja, das finde ich schon. Die Stadt Linz hat ja das HOSI-Haus errichtet, ein riesen Symbol, so etwas gibts sonst nirgends in Österreich. Das steht jetzt der HOSI zur Verfügung und ist ein tolles Zeichen, das sagt: Ihr seits willkommen, ihr könnt so leben, wie ihr wollt, und wir unterstützen euch dabei!

Da gibts ein Cafe drinnen, viele Veranstaltungen.

Klar kann Freistadt kein Haus für Homosexuelle bauen, aber es soll einfach ein Thema werden. Wenn man darüber redet und auch die Politiker/innen darüber reden, kommt das im Endeffekt allen zugute. Von einem offenen, toleranten Klima kann ja die ganze Stadt profitieren.

Die ÖVP-Linie kennt man eh, die lehnen das leider ab, wollen nichts davon hören. Mit den SPÖ-Leuten könnte man da schon was machen.

Wie bist du mit Gemeindepolitik in Freistadt in Berührung gekommen?

Naja, wie ich Kontakt zu den Grünen gehabt hab, hab ich auch die Bezirksgrünen aus Freistadt kennen gelernt. Es gibt ja im Bezirk in einigen Gemeinden grüne Gruppen, in Hagenberg und Lasberg zum Beispiel. (Anm.: weitere grüne Gruppen gibts in Pregarten, Leopoldschlag und Wartberg/Aist)

Bei Bezirkstreffen hab ich die Bezirkssprecherin kennen gelernt und wir haben uns ausgetauscht, das war immer sehr interessant. Irgendwann ist dann die Frage aufgekommen, ob wir nicht auch in Freistadt eine Gruppe gründen könnten. Ich hab dann gesagt, dass es schon die GUT gibt, die ja grünnahe ist, aber warum nicht gleich eine grüne Gruppierung? Wir haben das dann probiert, aber das wurde zu knapp.

Über diesen Weg hab ich dann Oskar Stöglehner wieder getroffen. Ich hab ja immer verfolgt, was er gemacht hat. Bei seinen Projekten hat man immer gewusst, dass da etwas dahinter steckt, dass das gute Sachen sind. Dann hab ich ihn halt vor einem halben Jahr getroffen und er hat gemeint, dass es keinen großen Unterschied macht, ob es jetzt die GUT oder eine grüne Gruppe ist, und es schade wäre, wenn wir uns aufteilen würden.

Da würde man sich ja gegenseitig kanibalisieren!

Genau, das hätte ich auch sicher nicht gewollt. Dann hat er mich gefragt, ob ich nicht auf die Liste kommen will, und ich hab zugesagt. Für mich ist das total ok, dass das keine grüne Gruppe ist – die grüne Handschrift ist bei beiden dabei und ich kann mich hier genauso verwirklichen, wie bei einer grünen Gruppe.

Was wird bei der GUT dein thematischer Schwerpunkt sein?

Sehr wichtig ist mir der Klimaschutz, ich glaube, alle politisch Verantwortlichen müssen sich dem Thema annehmen. So wie jetzt kann es sicher nicht weiter gehen, hier muss man Aktivitäten setzen. Energiekonzepte wie beim Salzhof, das ist sehr wichtig, das propagieren ja auch die Grünen. In dem Bereich gibts auch viele Arbeitsplätze.

Wichtig ist mir auch das Zusammenleben in Freistadt, wo die Jugend eine Zukunft hat und es keine Ausgrenzungen gibt. Ich war ja in der Arbeitsgruppe dabei, wo das Programm entwickelt wurde, da haben wir besprochen, dass die Jugend mehr Treffpunkte in Freistadt kriegt.

Mir schwebt ja auch eine Art Jugendparlament für Freistadt vor. Es wird ja immer gesagt, dass sich junge Leute nicht für Politik interessieren, sie werden halt auch nicht so eingebunden. Deshalb könnte ich mir vorstellen, dass einmal im Jahr die Gemeindepolitiker/innen Jugendliche einladen, ihnen zeigen, wie Gemeindepolitik funktioniert und mit ihnen reden, Vorschläge von Jugendlichen annehmen, und die dann auch ernstnehmen und vielleicht versuchen, sie umzusetzen.

Außerdem sollte man, wenn für Jugendliche etwas errichtet wird, schon bei der Umsetzung mit ihnen zusammen arbeiten. Das dauert zwar vielleicht ein bisschen länger, aber die Jugendlichen können mehr ihre Wünsche einbringen und sehen auch, wie viel ein solches Projekt kostet, wie viel Aufwand es ist und werden vielleicht anders damit umgehen.

Einfach die Menschen mehr einbinden – daran will ich arbeiten.

Außerdem hoffe ich als aktiver Radfahrer in Freistadt, dass das Radwegsystem weiter verbessert wird. Es gibt eh immer wieder Fortschritte, aber an vielen Stellen ist es manchmal sehr gefährlich und ich verstehe Menschen, die deshalb nicht mit dem Rad fahren wollen.

Welche Projekte hat die GUT in der Vergangenheit auf die Füße gestellt?

Der Citybus ist sicher das größte Projekt der GUT, das mir jetzt einfällt, da hat die GUT sogar einige Wochen lang den Probebetrieb finanziert, um die Leute davon zu überzeugen.

Oder die Querungshilfen in der Linzer Straße, die es Gott sei Dank endlich gibt. Das muss ja ein schwieriger Weg gewesen sein.

Und natürlich die Energieprojekte von Oskar, wo er zum Beispiel gegen Widerstände dafür gesorgt hat, dass der Salzhof mit erneuerbaren Energien geheizt wird.

Was ist das Wahlziel für die GUT?

Ich bin realistisch: Mindestens vier Mandate und den Stadtrat, das müssen wir schaffen. Aber 6 bis 7 Mandate sind möglich.

Interview mit Hatice Demir (GUT)

In Freistadt stehen Ende September Gemeinderatswahlen an. Eine der Parteien, die in Freistadt zur Wahl steht, ist die Bürgerliste GUT (Gruppe für Umweltschutz und Transparenz). Die Liste ist sozusagen meine wahre politische Heimat, mein Vater war für die Gruppe lange im Gemeinderat und gestaltet ihre Zeitung.

Dieses Jahr geht die GUT mit einer neuen, vielfältigen Gruppe und vielen neuen Gesichtern an den Start, unter anderem meiner Mutter und meinem Bruder. Ich möchte versuchen, ein paar dieser Gesichter und die Personen dahinter vorzustellen und der GUT helfen, bekannter zu werden.

In meinem zweiten Interview spreche ich mit Hatice Demir, die zwar nicht auf dem Wahlvorschlag der GUT steht, sich aber trotzdem mit der GUT in Freistadt engagiert.

(Das erste Interview habe ich mit Martin Borovansky gemacht, das dritte mit Herbert Schaumberger.)

Hatice Demir

Wer bist du und woher kommst du?

Ich bin Hatice Demir, bin 1985 in Freistadt geboren und lebe seit 11 Jahren in Freistadt, wir haben aber immer im Bezirk Freistadt gelebt. Meine Eltern kommen aus Sinop/Ayancik, an der türkischen Schwarzmeerküste. Sie sind vor 39 Jahren nach Österreich gekommen, meine vier Geschwister sind auch im Bezirk Freistadt geboren und aufgewachsen.

Wie bist du zum ersten Mal in Freistadt mit Politik in Berührung gekommen?

Durch das Freie Radio Freistadt, wo verschiedene Integrationsprojekte gemacht wurden. Dort haben wir, fünf türkische Mädels, unser eigenes Radio gegründet, Türkiye FM, mit dem wir versucht haben, die türkischen Migrant/innen in Freistadt zu integrieren und ihnen durch die türkische Musik ein Stück Heimat zu schenken.

Wann wird eure Sendung gespielt?

Türkiye FM wurde jeden 1. und 3. Samstag des Monats live gesendet. Weil aber einige aus der Gruppe geheiratet bzw. Babys bekommen haben, stehe ich im Moment alleine da, jetzt gibt es zur Zeit keine neuen Sendungen, es werden nur Wiederholungen gespielt.

Du suchst also neue Kolleginnen?

Ja, es wäre super, wenn sich jemand melden würde. Alleine ist das wirklich nicht zu schaffen.

Jetzt zur Gemeindepolitik: Wie bist du zur GUT gekommen?

Hermine Moser, eine ganz liebe Person, die in Freistadt sehr viel macht, was Integration anbelangt, hat mich angesprochen und gefragt, ob ich Lust hätte, da mitzumachen. Am Anfang habe ich gezögert, weil ich bisher nicht direkt zur konkreten Gemeindepolitik beigetragen habe. Ich war da immer zwiegespalten zwischen der türkischen und der österreichischen Gesellschaft. Ich kann nicht sagen, ob ich mehr Österreicherin oder Türkin bin. Als sie mir dann aber erklärt hat, worum es da wirklich geht und wie ich helfen könnte, war ich gleich dabei, weil ich einen großen Wert darauf lege, mich politisch zu engagieren, weil hier viel für Migrant/innen getan werden kann.

Aber du stehst gar nicht auf der Gemeinderatsliste!

Ja, weil ich keinen Wohnsitz in Freistadt habe, sondern in Manzenreith, das zu Lasberg gehört. Ich wohne einfach auf der falschen Straßenseite, sonst würde ich auch auf der Liste stehen.

Wie siehst du die Gemeindepolitik im Moment?

Ich habe das Gefühl, dass sie in letzter Zeit aktiver geworden ist und viele neue Initiativen unterstützt.

Ich find es toll, dass versucht wird, unsere wunderschöne Altstadt mit den vielen kleinen Geschäften wiederzubeleben. Früher konnte man durch die Stadt von Geschäft zu Geschäft bummeln, aber heute sieht man immer öfter leerstehende Geschäfte. Durch die Schaufensteraktion sieht man wieder mehr Leben, die Altstadt kommt wieder viel angenehmer und wärmer rüber.

Auch was die Jugend anbelangt, wird sehr viel gemacht. Mein Cousin hat ja die Breakdancer-Gruppe “B-Boy” gegründet, die immer wieder bei Veranstaltungen aktiv ist. Es wird versucht, die Jugend aktiv miteinzubeziehen und mitmachen zu lassen.

Aber auch im Bereich der Integration wird viel getan, nicht nur für türkische Migrant/innen, sondern für wirklich alle aus der ganzen Welt, die in Freistadt gibt – da gibt es ja große Unterschiede.

In welchen Themen willst du dich engagieren?

Ich will vor allem im Bereich “Miteinander Leben”, soweit es geht mithelfen. Wichtig ist mir, dass die gesamte Gesellschaft in Freistadt nicht mehr geteilt werden in “Migrant/innen” und “Österreicher/innen”, sondern dass wir alle “Freistädter/innen” sind. Diese Trennung zwischen “wir” und “die Anderen”, die leider immer wieder passiert, möchte ich stoppen. Dazu muss man sehr viel Geduld miteinander haben und ich hoffe, dass ich in dem Fall als Migrantin eine wichtige „Brücke“ bin um auch die türkischen Migrant/innen hereinzuholen, bei denen die Neugierde zu wecken, aktiv zu werden und aus den geschlossenen Gruppen heraus zu gehen.

Hier werde ich versuchen, gemeinsam mit den anderen viel beizutragen.

Was ist dein Wahlziel für die GUT?

So viele Stimmen wie möglich natürlich! Meine Hoffnung ist es aber vor allem, dass die Leute lernen, nicht einfach ohne nachzudenken den großen Parteien ihre Stimmen zu geben.

Interview mit Martin Borovansky (GUT)

In Freistadt stehen Ende September, wie in ganz Oberösterreich, Gemeinderatswahlen an. Eine der Parteien, die in Freistadt zur Wahl steht, ist die Bürgerliste GUT (Gruppe für Umweltschutz und Transparenz). Die Liste ist sozusagen meine wahre politische Heimat, mein Vater war für die Gruppe lange im Gemeinderat und hat ihre Zeitung gemacht.

Dieses Jahr geht die GUT mit einer stark veränderten Mannschaft an den Start, mit sehr vielen neuen Gesichtern, unter anderem meiner Mutter und meinem Bruder. Ich möchte versuchen, ein kleines bisschen hinter die Gesichter zu blicken und der GUT helfen, bekannter zu werden.

Deshalb hab ich Martin Borovansky, Professoren-Kollege meines Vaters und Vierter auf der Gemeinderatsliste der GUT, zu einem Interview gebeten.

(Das zweite und das dritte Interview habe ich mit Hatice Demir und Herbert Schaumberger gemacht.)

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Wer bist du und woher kommst du?

Ich bin in Wien geboren, in der Schweiz aufgewachsen. Ich bin in Steyr in das Gymnasium gegangen und habe dort die Matura gemacht, danach hab ich in Salzburg und Innsbruck Biologie und Erdwissenschaften studiert. Ich bin ausgebildeter Gymnasiallehrer, aber mangels Arbeitsmöglichkeit an die HAK nach Freistadt gekommen.

Wie war Freistadt für dich am Anfang?

Ich hätte mir nie vorgestellt, hier zu landen. Das Mühlviertel war mir nur aus Mühlviertlerwitzen bekannt, als Region, wo man nicht unbedingt hin will. An der HAK in Freistadt bin ich dann aber so gut aufgenommen worden, dass es mir sofort gefallen hat. Auch die Schüler/innen sind hier ganz anders als in Steyr, die grüßen sogar auf der Straße! Auch die Landschaft hat es mir ziemlich angetan.

Weil es meiner Frau ähnlich gegangen ist, haben wir uns nach zwei Jahren gedacht: Der Arbeitsplatz ist ziemlich sicher, ziehen wir doch einfach nach Freistadt! Das ist jetzt drei Jahre aus.

Hast du vorher in Steyr gewohnt?

Nein, in Enns. Das hatte strategische Gründe: Ich wusste, dass ich als Lehrer überall hingeschickt werden könnte, wo eben einer frei würde. Enns war zentral, damit könnte ich überall relativ leicht hinpendeln.

Wie bist du mit der Gemeindepolitik in Berührung gekommen?

Eigentlich überhaupt nicht. Ich hatte über Politik das durch die Medien transportierte Bild: Das ist keine angenehme Tätigkeit, das willst du nicht.

In näheren Kontakt mit der Gemeindepolitik bin ich dann über deinen Vater und über Oskar Stöglehner gekommen. Die haben mir viel über die Gemeindepolitik und die Arbeit der GUT erzählt. Nicht nur die positiven, sondern auch die negativen Sachen.

Mit Hans hab ich dann darüber geredet, dass ich mich dort, wo ich wohne, einbringen will, etwas bewirken will. Nur konsumieren und nichts dazu beitragen – das bin ich nicht. Außerdem möchte ich natürlich meine Umgebung so gestalten, wie sie mir gefällt. (lacht)

Für Hans war die Schwierigkeit, neue Personen für die Gruppe zu finden, sicherlich ein Anlass, mich zur Mitarbeit einzuladen. Ich hab ja schon vorher meine Fühler ausgestreckt, mich im sozialen Bereich zu engagieren, zum Beispiel beim Weltladen. (Anmerkung: Der Weltladen ist ein Geschäft, in dem fair gehandelte Produkte verkauft werden. Alle Mitarbeiter/innen arbeiten ehrenamtlich im Geschäft.)

Da hab ich dann zum ersten Mal überlegt: Warum nicht gleich in die Gemeindepolitik? Warum nicht mithelfen, dass meine Umgebung ein besserer Ort wird?

Als mich Oskar dann letzten Herbst gefragt hat, ob ich Teil des neuen Teams sein will, habe ich zugesagt. Es war mir wichtig, dass die GUT weiter besteht – sonst wäre ein Vakuum entstanden, wo weder Grüne noch eine Bürgerliste eine Alternative zu den alten Parteien geboten hätten. Und die GUT tut das ja ziemlich gut und spricht eine sehr breite Bevölkerungsschicht an, die weit über die übliche grüne Wählerschicht hinaus geht.

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Ist die GUT eine grüne Regionalgruppe mit anderem Namen?

Nein, das ist für mich überhaupt nicht der Fall. Wir sind zwar bei vielen Themen deckungsgleich, es gibt aber auch grüne Themen, die ich überhaupt nicht vertreten kann. Wir haben mal auf Presentify diskutiert und sind drauf gekommen, dass die Grünen nicht mehr das sind, was sie einmal waren. Ich könnte nicht bei einer grünen Partei mitarbeiten.

Das heißt nicht, dass ich die Grünen nicht mag. Es gibt einige Persönlichkeiten, die ich irrsinnig schätze. Wie Rudi Anschober zum Beispiel. Er ist für mich eine der wenigen integren Personen in der Politik. Ich schätze seinen Umgang mit seinen politischen Gegnern. Er betreibt Sachpolitik, bei ihm hab ich das Gefühl, dass er wirklich etwas für die Leute erreichen will. Das möchte ich auch.

Mir ist es zum Beispiel egal, von welcher Partei eine gute Idee kommt. Wenn sie gut ist, werde ich sie unterstützen. Das ist auch so toll an der GUT: Wir sind wie freie Mandatare. Wir müssen keine ideologischen Kämpfe gegen den politischen Gegner führen. Diese Wadelbeisserei der alten Parteien nervt mich ziemlich.

Das ist aber allgemein etwas, was mir bei Oskar und deinem Vater so gefallen hat: Sie waren für viele Projekte die Ideengeber, aber viele Ideen wurden von anderen Parteien aufgegriffen und teilweise übernommen. Warum auch nicht – es haben ja alle davon profitiert, dass sie umgesetzt wurden.

Das erzeugt natürlich manchmal Probleme im Wahlkampf. Es fällt der GUT manchmal schwer, eine Leistung als die eigene zu verkaufen. Aber die GUT arbeitet nicht für das Wahlergebnis, also ist das nicht so schlimm.

In welchen Bereichen willst du dich engagieren?

Ich hoffe, dass ich im Umgang miteinander etwas bewegen kann. Wie ich mit meinem politischen Gegner umgehe, das Gesprächsklima, die grundsätzliche Wertschätzung abseits von Meinungsverschiedenheiten – das ist mir wichtig. Ich hoffe, dass sich dann auch außerhalb der Politik die Gesprächskultur verbessert und respektvoller miteinander umgegangen wird. Das könnte eben auch im Integrationsbereich, der ein Schwerpunkt der GUT ist, sehr positiv sein.

Zur Verbesserung der Gesprächskultur kommen die Integration und die Energiewirtschaft. Letzteres ist mir wegen meinem biologischen/naturwissenschaftlichen Hintergrund besonders wichtig.

Was ist dein Ziel für die Wahl?

Das grundsätzliche Potential der GUT schätze ich auf bis zu 15% ein. Je näher wir dort hinkommen, desto besser!

Danke für das Interview!