Bildungsauftrag im ORF?

ORFORF-Chef Alexander Wrabetz hat seinen Einsparungsplan vorgestellt: 1.000 Mitarbeiter/innen werden bis 2012 abgebaut oder ausgelagert, ein neuer Standort gesucht und ein paar weitere Details.

Die natürlich wieder startende Diskussion ist wichtig, geht aber am Ziel vorbei. Die Frage ist nicht, ob und wie viele Personal der ORF abbauen darf. Die Frage ist noch viel grundsätzlicher:

Welchen Zweck soll der ORF erfüllen?

Der ORF ist ein öffentlich-rechtlicher Sender, der rein rechtlich einen Bildungsauftrag erfüllen soll. Damit sind Ö3 und ORF1 hinfällig. Beide erfüllen keinen Bildungsauftrag, der ORF1 ist eine gebührenfinanzierte Hollywood-Serien-Abspielmaschine, der Ö3 das Pendant fürs internationale Musikgeschäft. Beide machen das sehr gut, haben aber selbstverständlich keine Chance alleinige Marktherrschaft, sondern müssen sich den Markt mit privater Konkurrenz teilen.
Hier beginnt das Problem. Wrabetz vorzuwerfen, die Marktanteile des ORF1würden schrumpfen, ist falsch. Je mehr der ORF seinen Bildungsauftrag erfüllt, desto mehr werden die Marktanteile schrumpfen. Je mehr Wrabetz dafür kritisiert wird, desto mehr wird er vom Bildungsauftrag abweichen.

ORF1 & Ö3

Weder ORF1 noch Ö3 unterscheiden sich wesentlich von den privaten Konkurrenz, sie erfüllen keinen Bildungsauftrag und haben eine hohe Reichweite. Beide Unternehmen müssten sehr lukrativ verkauft werden können. Einige hundert Millionen Euro sind da sicher drin. Dieses Geld sollte langfristig angelegt werden – mit den Zinsen kann der ORF das eigene Geschäft unterstützen. (Bsp: 300 Millionen für ORF1 und Ö3, 5% Zinsen pro Jahr – 15 Millionen Euro extra für den ORF – und das sind konservative Schätzungen)

Internet-Sparte

Der wichtigste Zukunftsbereich ist die Internet-Sparte. Der ORF ist mit news.orf.at eine große (und werbefreie) Konkurrenz zu derStandard.at, diePresse.com und vielen anderen Medienkonzernen. Das ist ein bisschen unfair (keine Werbung), aber ok.

Um die Gebühren in dem Bereich zu rechtfertigen, erwarte ich vom ORF aber mehr. Der ORF sollte sich bei (Teil-)Eigenproduktionen immer die Online-Vermarktungsrechte sichern, um diese im Internet streamen zu können. Nachrichtensendungen (inkl. Interviews) sollten in Blogs (und “normale” Websites) eingebunden werden können.

Update: Alex hat mich darauf hingewiesen, dass der ORF nicht werbefrei ist. Nach genauerer Kontrolle hab ich jetzt auch die erste Werbung gesehen. Die Passagen hab ich korrigiert.

Vielleicht sind diese Vorschläge schlecht, vielleicht sind sie gut – aber sie gehen wenigstens in die richtige Richtung. Ich würde mich über andere Ideen zur Weiterentwicklung des ORF freuen!

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3 Kommentare »

Alexander Kirk
28. November 2008 @ 15:55 Uhr

Seit wann ist denn orf.at werbefrei? Sogar jetzt grade seh ich drauf Werbung (nämlich garnicht so wenig, ca. 30% des Bildschirms).

Sebastian Moser
28. November 2008 @ 17:39 Uhr

Du hast Recht, das hab ich offensichtlich übersehen. Auf der Startseite ist nämlich keine, und auch auf vielen Artikel-Seiten (ich hab ein paar wahllos von der Startseite weg angeklickt). Ich habs aber dann auch gesehen.

–> Beitrag richtiggestellt!

Fabian
10. Januar 2010 @ 15:33 Uhr

Der ORF hat aber nicht nur einen Bildungsauftrag, sondern auch einen Auftrag zur Darbietung von Unterhaltung und vielem mehr. Man kann diskutieren, ob ORF1 und Ö3 öffentlich-rechtlich bleiben sollen, aber vom Auftrag gedeckt sind sie in ihrer jetzigen Form als primär unterhaltungsorientierte Sender auf jeden Fall.

Zudem sind ORF1 derzeit mit etwa 17% Marktanteil und Ö3 mit 33% so dominant auf dem Markt, dass ein Verkauf (der dann wohl zugunsten eines der wenigen globalen Multi-Mediakonzerne erfolgen würde, die den Großteil der privaten Sender besitzen) eine extreme Marktdominanz zu Folge hätte. Ich persönlich wünsche mir das im Sinne der Meinungsvielfalt im Österreich nicht, zudem wir mit dem Pressesektor schon genug Probleme mit Medienkonzentration haben.

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