Obwohl mittlerweile hunderte Millionen Songs pro Jahr über das Internet legal und bezahlt herunter geladen werden, jammert die Musikindustrie noch immer über sinkende Umsätze, und hat seine bösen Kund/innen als Schuldige identifiziert.
Illegales herunterladen von Musik (und Videos) ist der Grund, wieso die Musikindustrie so arm ist, und sie versucht mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln, sich dagegen zu wehren.
Die Rechnung ist aber falsch. Der Niedergang der Musikindustrie, wie wir sie kennen, hat im Prinzip drei einfache Gründe:
Konkurrenz zu anderen Freizeit-Services
Zu meiner Jugendzeit wurde noch viel mehr Geld für Musik ausgegeben, heute geht das ganz einfach nicht mehr: Das Händi, Fortgehen, Computer, MP3-Player – die Musikindustrie muss mit einer viel größeren Fülle an Firmen und Geschäftsbereichen um das Geld der Kund/innen konkurrieren.
Internet bzw. Fortschritt
Ein zweiter Grund ist, was man wirtschaftlich einfach als “Fortschritt” bezeichnet. Geschäftsmodelle ändern sich, wenn sich Marktgegebenheiten ändern. In Zeiten, wo immer mehr MP3-Player verkauft wurden oder Leute einfach am PC ihre Musik hörten, war die Musikindustrie nicht in der Lage, sich dem anzupassen. Sie versucht nach wie vor, zu verbieten, dass Kund/innen ihre Musik auf den Computer kopieren.
Nun, was mache ich, wenn ich meine Musik über den Computer höre, die Download-Angebote mangelhaft sind und CDs Kopierschutz-Mechanismen aktiviert haben?
Richtig, ich lade meine Musik herunter!
Die Musikindustrie hat es nicht geschafft, ihr Geschäftsmodell auf die total anderen MArktgegebenheiten anzupassen, und hat viel zu lange gebraucht, um sich dem Internet anzupassen. Die mangelnde Wandlungsfähigkeit hat in der Mitte des 18. Jahrhunderts zum Beispiel die Sensenindustrie zerstört, weil Sensen nicht mehr interessant waren. Die Industrie war damals aber nicht in der Lage, sich der neuen Situation anzupassen – tausende Arbeitsplätze gingen dadurch verloren.
Die Musikindustrie ist finanziell mächtig genug, die Notbremse zu ziehen. Zur Zeit werden aber immer mehr Kund/innen dazu erzogen, nicht legale Musik zu kaufen.
Riskantes, gehyptes Geschäftsmodell
Eine Single-CD, die vier Lieder beinhaltet (das Lied, das man kaufen will, eine “Dirty”-Version, ein Radio-Edit, sowie ein weiteres Lied) wurde früher um 80 Schilling verkauft. Eine CD, auf der maximal 5 der 20 Lieder wirklich gut waren, hat 300 Schilling gekostet.
DAS IST VÖLLIG ÜBERTEUERT!
Die Musikindustrie hat jahrelang auf einer Geschäftsbasis gearbeitet, die sehr spekulativ aufgebaut war. Es war absehbar, dass es irgendwann nicht mehr möglich sein würde, so viel Geld für Musik zu verlangen, schon gar nicht in digitaler Form.
Ein MP3 ist keine CD, hat keine Hülle und kein Booklet. Es ist nur eine Sammlung an Bits und Bytes. Die Musikindustrie hat dafür keine Produktionskosten. Dafür einen Euro zu bezahlen, ist fair. Mehr? Sicher nicht!
Die Musikindustrie ist eine der Industrien, die durch das Internet zu einem starken Wandel gezwungen werden. Dieser Wandel wird zwangsläufig Kostenoptimierungen nach sich ziehen müssen. Die CD-Produktion wird immer weniger wichtig, der Vertrieb von digitalen Musikformaten wächst an Wichtigkeit. Es wird immer CDs geben, aber ihre Absatzzahlen sollten nicht als Maßstab für den Erfolg der Industrie gelten.
Schlussendlich sind es die Gewinne, die zählen.