Mit dem Einreiseversuch der Geschwister von Arigona Zogaj (der Vater hat die Kinder im Kosovo verlassen) kommt die Familie Zogaj wieder einmal ins Rampenlicht, als Beispiel für alles, was im Asylwesen schlecht läuft. Für die Rechten ist sie ein Beispiel für die brutale Ausnützung des Asylwesens, für die Linken ein Beispiel für alles, was beim Bleiberecht falsch läuft.
Zum Thema Asyl scheint der Konsens mittlerweile relativ klar sein: Die Familie Zogaj hatte wohl eher keinen Fluchtgrund, der Kosovo-Krieg war zum Zeitpunkt der Flucht beendet, es gab “nur” die sozialen Unruhen, bei denen die Familie der albanischen Mehrheit angehörte, also nicht wirklich den Opfern der Unruhen.
Aber die Familie hat sich in ihrer Zeit in Österreich gut eingefügt. Die Kinder gingen zur Schule, Arigona war kurz davor, das Poly abzuschließen. Der Vater die ganze Zeit gearbeitet, nie Sozialleistungen gebraucht. Die Kinder sprechen sehr gut Deutsch.
Kurz: Eine bestens in das Gesellschaftssystem integrierte, Steuern-zahlende Familie, deren Kinder in österreichische Schulen gegangen sind und beruflich vermutlich keine größeren Probleme als alle anderen Österreicher/innen zu erwarten hätten, wird abgeschoben. Jahrelange (staatliche) Investitionen in die Bildung der Kinder ist für Österreich futsch.
Das kann nicht unser Ernst sein!
Die Familie Arigona ist das beste Beispiel für eine Zuwanderer-Familie, wie Österreich sie suchen sollte! Wir sind eine Zuwanderungs-Nation, weil wir Zuwanderung brauchen – ob uns das jetzt gefällt oder nicht. Wer keine Zuwanderung will, soll sich einfach mal drauf einstellen, dass er/sie keine staatliche Pension mehr kriegen wird, die ist nämlich bei schrumpfenden Bevölkerungszahlen nicht finanzierbar.
Die Argumente der Rechten
In einer sehr lauten Diskussion mit einem Freund eines Freundes zum Thema bin ich geschockt gewesen, wie lächerlich die Argumente gegen die Familie bzw. ein Bleiberecht sind. Da wäre beispielsweise die illegale Einreise mit Schleppern. Nun, Flucht impliziert Illegalität. Was denn sonst? Sollen Flüchtlinge beim Land, aus dem sie flüchten, ein Ausreisevisum beantragen müssen?
Dann wäre da noch die Kriminalität der Brüder. Ja, ein Bruder oder mehrere Brüder waren an irgend einer Wirtshausrauferei beteiligt. Das ist man relativ schnell, wenn man im falschen Moment am falschen Ort ist. Und man muss diese Strafe in ein vernünftiges Verhältnis setzen: Die Wirtshausrauferei soll der gesamten Familie das Aufenthaltsrecht verweigern, während österreichische Beteiligte mit einer Vorstrafe davon kommen? Das kann nicht ernst gemeint sein!
Das Problem
Der Fall wurde medial aufgebauscht, von beiden Seiten des Konflikts. Wäre er medial nicht aufgebauscht worden, hätte die Familie wohl nie eine Chance bekommen – so wurde die Bevölkerung aber noch mehr polarisiert – so weit, dass außer den Grünen niemand mehr auf ein Bleiberecht der Familie hofft. Auch SPÖ hat sich hier wieder einmal den Rechten angeschlossen.
Ich fürchte, dass Österreich die falsche Entscheidung trifft: Eine Familie, die bestens integriert war, deren Kinder auf dem Weg waren, eine Ausbildung zu beginnen, die keine Sozialleistungen beziehen mussten – also genau die Art von Zuwanderer/innen, die Österreich dringend braucht – wird abgeschoben werden. Vernunft zählt längst nichts mehr in Österreich. Das ist traurig.
Thomas
15. Januar 2009 @ 16:29 Uhr
Für den Eintrag kriegst du von mir den Sebmos-Blog-Preis :) Ich kann deinen Worten nur zustimmen. Wenn die Politiker einmal so zusammenhalten würden, wie die Ortschaft Vöcklabruck zusammengehalten hat um die Abschiebung der Familie zu verhindern, würde unsere Regierung anders aussehen. Aber nein, genau wegen einer derart peniblen Geschichte wird wieder diskutiert diskutiert und das auf Kosten der Steuerzahler. Aber warum auch nicht?