Eindrücke von Israel

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Ich komme gerade von einem 10-tägigen Israel-Urlaub zurück, den ich zur Hälfte in der Wüste Negev (hauptsächlich in Sde Boker), zur Hälfte in der Landesmitte (Tel Aviv, mit Ausflügen nach Jerusalem und nach Nordisrael) verbracht habe. Die Zeit in der Wüste hab ich ohne Auto verbracht, ich haben mich mit dem öffentlichen Busnetz durchs Land bewegt, die restliche Zeit hab ich in Kfar Saba bei Verwandten verbracht, mit denen ich verschiedene Auto-Ausflüge gemacht haben.

Hier möchte ich verschiedenen Eindrücke, die ich im Urlaub von Israel bekommen habe, notieren.

Öffentliche Verkehrsmittel

Es gibt in Israel ein Bus- und ein Zugnetz, ich hab nur die Busse verwendet. Die Busse sind in Israel privat, es gibt verschiedene Busunternehmen, aber öffentlich subventioniert und flächendeckend (jede Siedlung wird wenigstens einmal am Tag angefahren). Vor allem aber sind sie sehr billig, subjektiv geschätzt in etwa die Hälfte der Buspreise in Österreich.

Wüste NegevDer Nachteil an den privaten Busunternehmen in Israel ist das Finden der Verbindungen. Es gibt kein einheitliches, zentrales Such-Interface für Verbindungen. Die verschiedenen Unternehmen haben eigene Websites, die man finden erst muss und von denen einige nur in Hebräisch verfügbar sind.
Das Problem könnte man mit einer (erzwungenen) Datenöffnung beheben. Müssten die Verbindungsdaten in einem einheitlichen, Maschinen-lesbaren Format verfügbar sein, könnte jemand ein Such-Interface dafür basteln. (siehe Open Data)

Die Busfahrer waren dafür toll – abgesehen davon, dass sie alle Englisch gesprochen haben (das hab ich aber erwartet), haben sie unsere Bushaltestellen immer ausgerufen, obwohl sie das normalerweise nicht tun. Hätten sie das nicht getan, hätte ich sicher einige Haltestellen versäumt.
Anschläge auf öffentliche Busse, wie am Höhepunkt der Zweiten Intifada leider üblich, gibt es seit dem Bau der Mauer rund ums Westjordanland und der Verbesserung der Beziehungen zur Fatah-Partei übrigens nicht mehr, Bus fahren in Israel dürfte damit nicht mehr oder weniger gefährlich sein als in anderen Ländern.

Kontrollen, Soldat/innen & Waffen

Jerusalem Israel lebt, nicht ganz unverständlich (das Land hat mehrere existenzbedrohende Kriege hinter sich), in einem paranoiden Dauerzustand. Das manifestiert sich vor allem in den Kontrollen (Metalldetektoren & Gepäckschleusen wie am Flughafen), die man bei Eingängen von Supermärkten, Bus-Terminals, Banken, manchen Bars usw. über sich ergehen lassen muss.
Interessant ist auch, dass die Soldat/innen nicht kontrolliert werden und mit Maschinenpistolen bewaffnet überall rein dürfen. Wär ich ein Terrorist, würde ich auf einen unachtsamen Soldaten warten und ihn entwaffnen. (Zugegeben, mir ist nicht bekannt, dass so etwas je passiert wäre.)

Die israelische Fluggesellschaft El Al ist übrigens auch sehr paranoid, alle Fluggäste werden vom Sicherheitspersonal genau und mehrmals interviewt, mein Bruder wurde vor seinem Flug sogar in einen Verhörraum geschleppt und musste “beweisen”, dass er mit seinem Händi umgehen kann, etc. Beim Zurückfliegen wurde mein Gepäck geöffnet, ich musste die Herkunft eines Buches erklären. Obwohl ich das Gefühl habe, dass das Sicherheitspersonal Kontroll-Quoten erfüllen muss, um nicht obsolet zu werden, spricht der Erfolg für sich: El Al gilt als die sicherste Fluggesellschaft am Markt.

Lebensstandard

Die Israelis (Juden wie Araber, ohne Palästinenser) sind die wohlhabensten Menschen im Nahen Osten, Israel kann aber im Lebensstandard nicht mit Ländern Österreich mithalten. Irgendwie kein Wunder bei einem Militärbudget von etwa 7,3% des BIP, im Verhältnis mehr als das der USA (~4%).

Wie aber oben erwähnt, sind die Israelis dennoch die wohlhabensten Nahostler/innen. Die arabischen Israelis profitieren von dem Geld, das durch die jüdischen Einwanderer/innen ins Land bringen, ganz speziell von den jüdischen Feiertagen, an denen koschere (sich an jüdische Essens-Zubereitungs-Regeln haltende) Geschäfte und Restaurants nicht aufmachen, die vielen wenig gläubigen Jüd/innen aber trotzdem einkaufen oder essen wollen.

Religiöse Feiertage

En Avedat Unglaublich, aber in Israel werden religiöse Feiertage tatsächlich respektiert! Bei der Planung unseres Urlaubs konnte ich am 8. April in Sde Boker nicht übernachten, weil die Field School am Sederabend zugesperrt war. Am Sabbat gabs keine Einkaufsmöglichkeit, weil sich das einzige Geschäft in Sde Boker an die religiösen Regeln hält, während der Pessach-Feiertage hatten Geschäfte allgemein nur Halbtags offen. Vom Sederabend bis zum Ende des Pessach-Fests am 15. April gab es kein richtiges Brot zu kaufen. Das war nur die Oster- bzw. Pessach-Woche.
Jemand stelle sich was vergleichbares mal in Österreich vor. :)

(Nur zur Klarstellung: Das sind keine gesetzlichen Regeln, sondern religiöse, die nicht eingehalten werden müssen. Es gibt Supermärkte, Restaurants usw. die trotzdem offen haben. Vor allem die arabischen Israelis werden zu nichts gezwungen.) Ich hab mich getäuscht: Wie meine Tante anmerkt, ist es tatsächlich gesetzlich verboten. Ich bin enttäuscht und entsetzt!

Reiche Juden spenden Infrastruktur

Seit der Staatsgründung sind viele, aber längst nicht alle Juden nach Israel gezogen. Viele reiche (amerikanische) Juden sponsern daher aus schlechtem Gewissen, nicht am schwierigen Aufbau des Landes teilzunehmen, Gebäude und andere Projekte (zB Aufforstungsprojekte). Nirgends auf der Welt findet man so viele Schilder, auf denen Financiers gewürdigt werden oder an Opfer des Holocaust erinnert wird.


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5 Kommentare »

jopra
17. April 2009 @ 18:08 Uhr

recht interessanter Eintrag!

Igor
17. April 2009 @ 21:30 Uhr

An diesen Abenteuer-Urlaub wirst dich bestimmt noch lange erinnern koennen – kann mir nur wenige Orte vorstellen wo man seinen Horizon dermassen erweitern kann wie in Israel.

[...] Landkarte aktualisieren4  Sde Boker College auf OpenStreetMapBei meinem österlichen Israel-Urlaub waren wir unter anderem in Süd-Israel, in der Wüste Negev, wo wir in Sde Boker (eigentlich im Sde [...]

Barbara
25. April 2009 @ 19:13 Uhr

Hallo Sebastian,

dass in der Pessachwoche kein Brot (und auch viele andere Dinge wie Soletti, Mehl, Semmelbroesel etc.) verkauft werden darf, ist schon gesetzlich geregelt. Da seit Ben Gurion’s Zeiten die religiösen Parteien in der Regierung vertreten sind, setzen sie ihre Interessen wenigstens teilweise durch. Trennung von Kirche und Staat gibt es in Israel nicht. Es werden auch jedes Jahr Testkäufe durchgeführt, verstösse werden bestraft. lg, Barbara

Sebastian Klein
29. Januar 2010 @ 12:15 Uhr

Guten tag euch allen, ich habe eine große Bitte:
Mein Name ist Sbastian Klein und ich besuche zurzeit die Tourismusschule in St. Pölten. Im Zuge meiner Marketing Projektarbeit suche ich Personen die schon einmal Uralub in Israel gemacht haben.

Link: http://www.voycer.de/umfrage.html?sid=52856

Ich wäre Ihnen sehr dankebar wenn Sie diesen Fragebogen ausfüllen könntet und vielleicht an Bekannte weiterleiten könntet.

MFG

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