Helmut Elsner, seit knapp zwei Jahren sitzt er in Untersuchungshaft, seit ca. einem halben Jahr ist er nichts rechtskräftig verurteilt. Der BAWAG-Skandal, der seinen gemütlichen Lebensabend verhindert und der SPÖ beinahe eine weitere Wahl gekostet hat, ist noch immer allen ein Begriff. Trotzdem frage ich mich langsam, ob diese Fluchtgefahr-Begründung für seine Untersuchungs-Haft nicht übertrieben ist.
Er ist gesundheitlich nicht aufregend unterwegs und könnte wohl nicht mehr in einer Nacht- und Nebel-Aktion aus Österreich fliehen. Müsste er seinen Pass abgeben, dann könnte er den bequemen Weg per Flugzeug auch nicht mehr nehmen.
Aber viel wichtiger ist das: Was er als Bankchef angeblich gemacht hat, ist nicht unüblich. Das passiert vermutlich in den meisten Bankhäusern – er hatte nur das Pech, dass die BAWAG fast in Konkurs ging. Jetzt, wo das weltweite Bankensystem in Schieflage gerät und mit hunderten Milliarden an Staatsgeld gerettet werden muss, sehen wir uns eigentlich vor dutzenden Fällen von Veruntreuung.
Elsner hatte Pech. Wäre die BAWAG nur ein bisschen weniger in Schieflage geraten, wäre sie erst dieses Jahr in Konkurs gegangen und wäre einfach mit Steuergeld aufgepäppelt worden. Elsner wäre ein gefeierter Star der “Seitenblicke”, der für die Finanzkrise nicht mitverantwortlich ist, weil seine Regentschaft schon lange genug vorbei ist.