Wie erwartet hat Russland Europa den Gashahn abgedreht, um der Ukraine höhere Energiepreise abzuzwingen. Zur Erinnerung: Seit das pro-russische Regime unter Janukowytsch abgetreten ist und die “orange Revolution” die führenden Ämter besetzt, hat Russland der Ukraine die billige Energie abgedreht. Dieses Jahr war eine angeblich nicht bezahlte Rechnung Anlass für eine weitere Gasblockade.
Man könnte meinen, dass die Regierungen der europäischen Nationalstaaten spätestens bei der ersten Blockade erkannt hätten, wie gefährlich die Abhängigkeit von russischen Gaskonzernen ist, und entsprechende Gegenmaßen eingeführt hätten – um entweder die Abhängigkeit vom russischen Gas oder vom Gas an sich zu senken. Natürlich ist das nicht passiert, es scheint, als hätten die grünen Parteien Europas Jahrzehntelanag gegen Schall-schluckende Mauern geredet.
Jetzt kommt der Präsident der tschechischen Ratspräsidentschaft, Karl zu Schwarzenberg, daher, und redet davon, dass die aktuelle Krise der beste Beweis für die Notwendigkeit einer europäischen “Energiesolidarität” sei. Ja welche Energiesolidarität denn bitte? Sollen die europäischen Länder das Gas, das keiner von Russland bekommt, untereinander aufteilen? Nach welchem Schlüssel macht man das?
So: Russische Gaslieferungen / EU-Gesamtbevölkerung * Bevölkerung pro Staat?
Oder so: Russische Gaslieferungen / Gesamtverbrauch * Durchschnitts-Verbrauch pro Staat?
Ich will ja kein Spielverderber sein, aber die Rechnung kommt immer aufs gleiche Ergebnis heraus: Wenn kein Gas da ist, kann man es nicht solidarisch aufteilen!
Diese Krise vor vier Jahren hat den Regierungen in Europa zwei Möglichkeiten gelassen:
- Gas-Verbrauch reduzieren
- Abhängigkeit von Russland reduzieren
Passiert ist natürlich nichts – außer dem Versuch eines indirekten Deals mit dem Iran (Nabucco-Pipeline), den wir nicht ernsthaft wollen können. (Die Nabucco-Pipeline läuft darauf hinaus, neben den kaspischen Reserven die iranischen Gasreserven nach Europa transportieren zu können.) Das ist nicht primär die Schuld der Politiker/innen. Das ist die Schuld der Bevölkerung, die die Politik wählt. Gäbe es ein ernsthaftes politisches Interesse an unabhängiger Energieversorgung, würde diese Regierung auch irgendetwas dafür tun. Stattdessen gibt es nicht einmal schlechte Maßnahmen.
Was braucht es noch, damit endlich in die Energieunabhängigkeit investiert wird, so weit das irgendwie möglich ist? Müssen die Gasleitungen einen ganzen Winter lang still stehen? Oder länger?