EU vs. Microsoft – Sieg für die EU!

Die EU hat gewonnen, Microsoft muss die hohe Strafe von 497 Millionen Euro bezahlen. Bei Quartalsgewinnen von fast 5 Milliarden Dollar wird das zwar verschmerzbar sein, dennoch ist es aber ein Zeichen, dass die EU KonsumentInnenschutz ernst nimmt – ernster, als die USA das tut. (Microsoft konnte das Verfahren ziemlich schnell klären, nach dem die Regierung unter George W. Bush die Macht übernahm.) Das Urteil reiht sich übrigens in eine ganze Reihe von Anti-Monopol- und Preisabsprachen-Urteils ein, die für die Mitgliedsstaaten einen recht angenehmen Effekt haben: Die Strafgelder reduzieren die eigenen Mitgliedsbeiträge!

Wesentlich für meinen Blog-Post ist allerdings ein Detail am Rande. Neelie Kroes, EU-Wettbewerbskommissarin, fordert von Microsoft, seinen Marktanteil zu reduzieren, und zwar auf viel weniger als 95%. Das ist dumm, falsch und heuchlerisch. Microsoft muss seinen eigenen Marktanteil nicht reduzieren. Wie sollten sie? Wollen sie die Anzahl der vergebenen Lizenzen verringern? Sollen sie ihre Vertriebs-Strukturen für Konkurrenten öffnen? Nein, so läuft das nicht.

Die EU hat ein legitimes Interesse an der Schwächung des Einflusses von Microsoft. Jedes Unternehmen hat allgemein ein Interesse daran, denn ein starkes, mächtiges Microsoft kann Druck ausüben.

Die EU muss und kann den Marktanteil von Microsoft senken, wenn sie das will. Die EU kann:

  • …Microsoft-Lizenzen auslaufen lassen und durch andere (Open Source-) Produkte ersetzen. Beispiel: OpenOffice.org
  • …keine Windows-basierten Computer mehr kaufen, wo nicht unbedingt nötig.

Die EU ist auch eine der wenigen Organisationen, die OpenOffice.org einsetzen kann, ohne sich um die Kompatibilität der Dokumente zu scheren, denn fast niemand kann sich aussuchen, mit der EU nicht zusammen zu arbeiten.

Die EU kann Lieferanten unter Druck setzen, Nicht-Microsoft-Produkte zu liefern/produzieren. Die EU kann sogar versuchen, europäische Software-Konzerne zu unterstützen, wie zB Mandriva. Sie kann zu Red Hat und Novell sagen: Wir nehmen eure Software, aber dafür baut ihr auf (zB) 10 Jahre garantiert alle neuen Entwicklungs-Standorte in EU-Ländern auf.

Die EU könnte sogar versuchen, eine Art “europäisches Silicon Valley” aufzubauen.

Und, was ganz wesentlich ist: Die EU kann ihre Mitgliedsstaaten dazu zwingen, genau das gleiche zu tun. Sie kann Städte und Gemeinden dazu zwingen, einen “EU-Linux-Desktop” zu verwenden, der mit den notwendigen Programmen ausgestattet ist. Sie kann Standards durchsetzen, die schlussendlich eh jedem helfen.

Die EU kann das. Wenn sie will. Ich befürchte nur, dass das größte Interesse daran liegt, hohe Strafgelder zu kassieren, damit die eigenen Anteile am EU-Budget ein bisschen sinken.

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