Gegen die Zentralmatura

Heute in der Mathe-Vorlesung hat der Professor in die Gruppe gefragt, wer schon von der Eulerschen Zahl e gehört hätte. Die meisten haben aufgezeigt, es wusste aber niemand, wie das jetzt für das besprochene Thema relevant gewesen wäre. (Ist jetzt auch egal.)

Da bin ich auf die Zentralmatura zu denken gekommen, die mittlerweile wenigstens teilweise eingeführt wurde und hab überlegt, wie gut das wäre, wenn alle Studienanfänger/innen in bestimmten Kapiteln in (bspw.) Mathematik mit dem gleichen Wissensstand einsteigen würden.

Nur: Das funktioniert nicht. Auch nicht mit Zentralmatura. Die funktioniert nämlich nur in der Theorie.

Was ist die Idee hinter der Zentralmatura? Das Stoffgebiet wird fix festgelegt, die Matura (in Zukunft auch Schularbeiten, Tests, etc.?) wird zentral vom Ministerium erstellt und von allen Maturant/innen gleichzeitig durchgeführt. (Oder, falls das nicht möglich ist, werden verschiedene Versionen erstellt, die “gleich schwer” sind.)
Dadurch sollen die Lehrkräfte dazu gebracht werden, bestimmte Stoffgebiete “richtig” zu erklären – die Schüler/innen sollen sich alle gleich gut auskennen.

Nur: Das funktioniert nicht, weil nicht alle Lehrkräfte gleich gut sind. Nehmen wir das Beispiel des Webdesign-Unterrichts an Handelsakademien. Aus meiner Schulzeit weiß ich, dass mein Vater hier fachlich sehr gut (und aktuell) gebildet ist und die didaktischen Fähigkeiten besitzt, die Inhalte in kürzester Zeit verständlich zu machen. Auf der anderen Seite gibt es Lehrkräfte, denen das grundsätzliche Verständnis fehlt, sei es, weil die Lehrerfortbildung nicht intensiv genug ist, oder, weil ihnen das Fach einfach nicht liegt.

Was passiert jetzt bei einer Zentralmatura? Offensichtlich kann sich die Matura nicht am besten Unterricht orientieren – die Hälfte der Schüler/innen an anderen HAKs würde wahrscheinlich durchfallen. Also wird ein Mittelmaß hergenommen. Das führt dazu, dass fähige Lehrkräfte dazu animiert werden, nur dieses Mittelmaß zu unterrichten, während der Unterricht schlechterer Lehrkräfte trotzdem nicht besser werden. Die Schüler/innen werden für deren mangelnde Fähigkeiten bestraft.

Ich weiß nicht, was unsere Gesellschaft am Mittelmaß so unglaublich toll findet. Vielleicht ist das manchen nicht bewusst, aber Durchschnittlichkeit hat noch niemanden weit gebracht!

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1 Kommentar »

Jo Win
12. September 2011 @ 17:49 Uhr

natürlich unterrichten nicht alle Lehrer gleich gut. Jedoch deswegen gleich die Zentralmatura in Frage zu stellen? Ein Maturant sollte eigentlich in der Lage sein, sich selbst über nicht verstandene Inhalte des Unterrichts zu informieren. Ziel der “geistigen Reife” ist nicht das Lernen/Einüben von Fertigkeiten sondern Eigenständigkeit – also eigenständige Aneignung von Wissen und Fertigkeiten.

Ein Maturant muss trotz unfähigen Lehrer in der Lage sein, sich Hilfe zu suchen bzw. sich selbst helfen. Im späteren Leben kann man die Schuld auch nicht auf andere abschieben – und darauf bereitet die Matura jemanden vor.
Natürlich sollte man unfähige Pädagogen nicht ungeschoren davonkommen lassen. Man kann erstens an den Klassennoten die Fähigkeiten des Lehrers sehr leicht ablesen und zweitens könnte das Schulsystem auf Kurse umgestellt werden. Sollte einige Lehrer besser unterrichten als andere, so wird deren Kurs besser besucht werden. Damit stehen unfähige Lehrer allein im Klassenzimmer.

PS.: Mein Standpunkt zur Zentralmatura: http://www.logos-online.at/?p=319 (bitte auch Kommentare beachten)

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