In Freistadt stehen Ende September Gemeinderatswahlen an. Eine der Parteien, die in Freistadt zur Wahl steht, ist die Bürgerliste GUT (Gruppe für Umweltschutz und Transparenz). Die Liste ist sozusagen meine wahre politische Heimat, mein Vater war für die Gruppe lange im Gemeinderat und gestaltet ihre Zeitung.
Dieses Jahr geht die GUT mit einer neuen, vielfältigen Gruppe und vielen neuen Gesichtern an den Start, unter anderem meiner Mutter und meinem Bruder. Ich möchte versuchen, ein paar dieser Gesichter und die Personen dahinter vorzustellen und der GUT helfen, bekannter zu werden.
In meinem zweiten Interview spreche ich mit Hatice Demir, die zwar nicht auf dem Wahlvorschlag der GUT steht, sich aber trotzdem mit der GUT in Freistadt engagiert.
(Das erste Interview habe ich mit Martin Borovansky gemacht, das dritte mit Herbert Schaumberger.)
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Wer bist du und woher kommst du?
Ich bin Hatice Demir, bin 1985 in Freistadt geboren und lebe seit 11 Jahren in Freistadt, wir haben aber immer im Bezirk Freistadt gelebt. Meine Eltern kommen aus Sinop/Ayancik, an der türkischen Schwarzmeerküste. Sie sind vor 39 Jahren nach Österreich gekommen, meine vier Geschwister sind auch im Bezirk Freistadt geboren und aufgewachsen.
Wie bist du zum ersten Mal in Freistadt mit Politik in Berührung gekommen?
Durch das Freie Radio Freistadt, wo verschiedene Integrationsprojekte gemacht wurden. Dort haben wir, fünf türkische Mädels, unser eigenes Radio gegründet, Türkiye FM, mit dem wir versucht haben, die türkischen Migrant/innen in Freistadt zu integrieren und ihnen durch die türkische Musik ein Stück Heimat zu schenken.
Wann wird eure Sendung gespielt?
Türkiye FM wurde jeden 1. und 3. Samstag des Monats live gesendet. Weil aber einige aus der Gruppe geheiratet bzw. Babys bekommen haben, stehe ich im Moment alleine da, jetzt gibt es zur Zeit keine neuen Sendungen, es werden nur Wiederholungen gespielt.
Du suchst also neue Kolleginnen?
Ja, es wäre super, wenn sich jemand melden würde. Alleine ist das wirklich nicht zu schaffen.
Jetzt zur Gemeindepolitik: Wie bist du zur GUT gekommen?
Hermine Moser, eine ganz liebe Person, die in Freistadt sehr viel macht, was Integration anbelangt, hat mich angesprochen und gefragt, ob ich Lust hätte, da mitzumachen. Am Anfang habe ich gezögert, weil ich bisher nicht direkt zur konkreten Gemeindepolitik beigetragen habe. Ich war da immer zwiegespalten zwischen der türkischen und der österreichischen Gesellschaft. Ich kann nicht sagen, ob ich mehr Österreicherin oder Türkin bin. Als sie mir dann aber erklärt hat, worum es da wirklich geht und wie ich helfen könnte, war ich gleich dabei, weil ich einen großen Wert darauf lege, mich politisch zu engagieren, weil hier viel für Migrant/innen getan werden kann.
Aber du stehst gar nicht auf der Gemeinderatsliste!
Ja, weil ich keinen Wohnsitz in Freistadt habe, sondern in Manzenreith, das zu Lasberg gehört. Ich wohne einfach auf der falschen Straßenseite, sonst würde ich auch auf der Liste stehen.
Wie siehst du die Gemeindepolitik im Moment?
Ich habe das Gefühl, dass sie in letzter Zeit aktiver geworden ist und viele neue Initiativen unterstützt.
Ich find es toll, dass versucht wird, unsere wunderschöne Altstadt mit den vielen kleinen Geschäften wiederzubeleben. Früher konnte man durch die Stadt von Geschäft zu Geschäft bummeln, aber heute sieht man immer öfter leerstehende Geschäfte. Durch die Schaufensteraktion sieht man wieder mehr Leben, die Altstadt kommt wieder viel angenehmer und wärmer rüber.
Auch was die Jugend anbelangt, wird sehr viel gemacht. Mein Cousin hat ja die Breakdancer-Gruppe “B-Boy” gegründet, die immer wieder bei Veranstaltungen aktiv ist. Es wird versucht, die Jugend aktiv miteinzubeziehen und mitmachen zu lassen.
Aber auch im Bereich der Integration wird viel getan, nicht nur für türkische Migrant/innen, sondern für wirklich alle aus der ganzen Welt, die in Freistadt gibt – da gibt es ja große Unterschiede.
In welchen Themen willst du dich engagieren?
Ich will vor allem im Bereich “Miteinander Leben”, soweit es geht mithelfen. Wichtig ist mir, dass die gesamte Gesellschaft in Freistadt nicht mehr geteilt werden in “Migrant/innen” und “Österreicher/innen”, sondern dass wir alle “Freistädter/innen” sind. Diese Trennung zwischen “wir” und “die Anderen”, die leider immer wieder passiert, möchte ich stoppen. Dazu muss man sehr viel Geduld miteinander haben und ich hoffe, dass ich in dem Fall als Migrantin eine wichtige „Brücke“ bin um auch die türkischen Migrant/innen hereinzuholen, bei denen die Neugierde zu wecken, aktiv zu werden und aus den geschlossenen Gruppen heraus zu gehen.
Hier werde ich versuchen, gemeinsam mit den anderen viel beizutragen.
Was ist dein Wahlziel für die GUT?
So viele Stimmen wie möglich natürlich! Meine Hoffnung ist es aber vor allem, dass die Leute lernen, nicht einfach ohne nachzudenken den großen Parteien ihre Stimmen zu geben.
Oskar Stöglehner
8. September 2009 @ 20:37 Uhr
Ein frisches und lockeres Interview.
Wirklich schade, dass Hatice “auf der falschen Straßenseite” wohnt.
Ich rechne mit vielen wertvollen Beiträgen und engagierter Arbeit zum Thema “Miteinander Leben”.