Interview mit Martin Borovansky (GUT)

In Freistadt stehen Ende September, wie in ganz Oberösterreich, Gemeinderatswahlen an. Eine der Parteien, die in Freistadt zur Wahl steht, ist die Bürgerliste GUT (Gruppe für Umweltschutz und Transparenz). Die Liste ist sozusagen meine wahre politische Heimat, mein Vater war für die Gruppe lange im Gemeinderat und hat ihre Zeitung gemacht.

Dieses Jahr geht die GUT mit einer stark veränderten Mannschaft an den Start, mit sehr vielen neuen Gesichtern, unter anderem meiner Mutter und meinem Bruder. Ich möchte versuchen, ein kleines bisschen hinter die Gesichter zu blicken und der GUT helfen, bekannter zu werden.

Deshalb hab ich Martin Borovansky, Professoren-Kollege meines Vaters und Vierter auf der Gemeinderatsliste der GUT, zu einem Interview gebeten.

(Das zweite und das dritte Interview habe ich mit Hatice Demir und Herbert Schaumberger gemacht.)

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Wer bist du und woher kommst du?

Ich bin in Wien geboren, in der Schweiz aufgewachsen. Ich bin in Steyr in das Gymnasium gegangen und habe dort die Matura gemacht, danach hab ich in Salzburg und Innsbruck Biologie und Erdwissenschaften studiert. Ich bin ausgebildeter Gymnasiallehrer, aber mangels Arbeitsmöglichkeit an die HAK nach Freistadt gekommen.

Wie war Freistadt für dich am Anfang?

Ich hätte mir nie vorgestellt, hier zu landen. Das Mühlviertel war mir nur aus Mühlviertlerwitzen bekannt, als Region, wo man nicht unbedingt hin will. An der HAK in Freistadt bin ich dann aber so gut aufgenommen worden, dass es mir sofort gefallen hat. Auch die Schüler/innen sind hier ganz anders als in Steyr, die grüßen sogar auf der Straße! Auch die Landschaft hat es mir ziemlich angetan.

Weil es meiner Frau ähnlich gegangen ist, haben wir uns nach zwei Jahren gedacht: Der Arbeitsplatz ist ziemlich sicher, ziehen wir doch einfach nach Freistadt! Das ist jetzt drei Jahre aus.

Hast du vorher in Steyr gewohnt?

Nein, in Enns. Das hatte strategische Gründe: Ich wusste, dass ich als Lehrer überall hingeschickt werden könnte, wo eben einer frei würde. Enns war zentral, damit könnte ich überall relativ leicht hinpendeln.

Wie bist du mit der Gemeindepolitik in Berührung gekommen?

Eigentlich überhaupt nicht. Ich hatte über Politik das durch die Medien transportierte Bild: Das ist keine angenehme Tätigkeit, das willst du nicht.

In näheren Kontakt mit der Gemeindepolitik bin ich dann über deinen Vater und über Oskar Stöglehner gekommen. Die haben mir viel über die Gemeindepolitik und die Arbeit der GUT erzählt. Nicht nur die positiven, sondern auch die negativen Sachen.

Mit Hans hab ich dann darüber geredet, dass ich mich dort, wo ich wohne, einbringen will, etwas bewirken will. Nur konsumieren und nichts dazu beitragen – das bin ich nicht. Außerdem möchte ich natürlich meine Umgebung so gestalten, wie sie mir gefällt. (lacht)

Für Hans war die Schwierigkeit, neue Personen für die Gruppe zu finden, sicherlich ein Anlass, mich zur Mitarbeit einzuladen. Ich hab ja schon vorher meine Fühler ausgestreckt, mich im sozialen Bereich zu engagieren, zum Beispiel beim Weltladen. (Anmerkung: Der Weltladen ist ein Geschäft, in dem fair gehandelte Produkte verkauft werden. Alle Mitarbeiter/innen arbeiten ehrenamtlich im Geschäft.)

Da hab ich dann zum ersten Mal überlegt: Warum nicht gleich in die Gemeindepolitik? Warum nicht mithelfen, dass meine Umgebung ein besserer Ort wird?

Als mich Oskar dann letzten Herbst gefragt hat, ob ich Teil des neuen Teams sein will, habe ich zugesagt. Es war mir wichtig, dass die GUT weiter besteht – sonst wäre ein Vakuum entstanden, wo weder Grüne noch eine Bürgerliste eine Alternative zu den alten Parteien geboten hätten. Und die GUT tut das ja ziemlich gut und spricht eine sehr breite Bevölkerungsschicht an, die weit über die übliche grüne Wählerschicht hinaus geht.

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Ist die GUT eine grüne Regionalgruppe mit anderem Namen?

Nein, das ist für mich überhaupt nicht der Fall. Wir sind zwar bei vielen Themen deckungsgleich, es gibt aber auch grüne Themen, die ich überhaupt nicht vertreten kann. Wir haben mal auf Presentify diskutiert und sind drauf gekommen, dass die Grünen nicht mehr das sind, was sie einmal waren. Ich könnte nicht bei einer grünen Partei mitarbeiten.

Das heißt nicht, dass ich die Grünen nicht mag. Es gibt einige Persönlichkeiten, die ich irrsinnig schätze. Wie Rudi Anschober zum Beispiel. Er ist für mich eine der wenigen integren Personen in der Politik. Ich schätze seinen Umgang mit seinen politischen Gegnern. Er betreibt Sachpolitik, bei ihm hab ich das Gefühl, dass er wirklich etwas für die Leute erreichen will. Das möchte ich auch.

Mir ist es zum Beispiel egal, von welcher Partei eine gute Idee kommt. Wenn sie gut ist, werde ich sie unterstützen. Das ist auch so toll an der GUT: Wir sind wie freie Mandatare. Wir müssen keine ideologischen Kämpfe gegen den politischen Gegner führen. Diese Wadelbeisserei der alten Parteien nervt mich ziemlich.

Das ist aber allgemein etwas, was mir bei Oskar und deinem Vater so gefallen hat: Sie waren für viele Projekte die Ideengeber, aber viele Ideen wurden von anderen Parteien aufgegriffen und teilweise übernommen. Warum auch nicht – es haben ja alle davon profitiert, dass sie umgesetzt wurden.

Das erzeugt natürlich manchmal Probleme im Wahlkampf. Es fällt der GUT manchmal schwer, eine Leistung als die eigene zu verkaufen. Aber die GUT arbeitet nicht für das Wahlergebnis, also ist das nicht so schlimm.

In welchen Bereichen willst du dich engagieren?

Ich hoffe, dass ich im Umgang miteinander etwas bewegen kann. Wie ich mit meinem politischen Gegner umgehe, das Gesprächsklima, die grundsätzliche Wertschätzung abseits von Meinungsverschiedenheiten – das ist mir wichtig. Ich hoffe, dass sich dann auch außerhalb der Politik die Gesprächskultur verbessert und respektvoller miteinander umgegangen wird. Das könnte eben auch im Integrationsbereich, der ein Schwerpunkt der GUT ist, sehr positiv sein.

Zur Verbesserung der Gesprächskultur kommen die Integration und die Energiewirtschaft. Letzteres ist mir wegen meinem biologischen/naturwissenschaftlichen Hintergrund besonders wichtig.

Was ist dein Ziel für die Wahl?

Das grundsätzliche Potential der GUT schätze ich auf bis zu 15% ein. Je näher wir dort hinkommen, desto besser!

Danke für das Interview!


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5 Kommentare »

Oskar Stöglehner
4. September 2009 @ 14:10 Uhr

Dieses Interview und wahrscheinlich nachfolgende sind nach Website und Blog eine weitere Super-Idee aus dem Hause Moser. So mischen sich kreative junge Leute in die Politik ein. Das sind Lichtblicke, da macht auch für einen “Alten” wie mich die Arbeit weiter Spaß!
Ein weiterer Lichtblick auch die positive Einschätzung der Arbeit von GUT durch Martin. Seine frühe Zusage zur Mitarbeit hat mich zu einer ernsthaften Suche nach neuen MitarbeiterInnen motiviert. Das Ergebnis kann sich als neue Liste GUT sehen lassen.
Weitere Interviews dieser Art erwünscht!

Klaus Elmecker
4. September 2009 @ 18:26 Uhr

Ein lockeres politisches Sommergespräch mit Tiefgang.
Wenn das nicht ansteckend wirkt.
Politisches Engagement mit solchen Mitstreitern macht nicht nur Spass, sondern ist
voraussichtlich sehr sehr effektiv.
Ich freue mich auf die nächsten 6 Jahre mit Ansteckungsgefahr!!

Sebastian Moser
4. September 2009 @ 19:54 Uhr

Danke, ich freu mich, dass euch das Interview gefällt. Hab also die richtigen Antworten aus dem Martin rauslocken können. :)

[...] erste Interview habe ich mit Martin Borovansky [...]

[...] ersten beiden Interviews hab ich mit Martin Borovansky und Hatice Demir [...]

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