Wirtschaftskrise beendet das Kapitel “Bundesheer”

Die Wirtschaftskrise, in der sich die Welt zur Zeit befindet, ist eine allesvernichtende Welle, die bislang vor nichts halt gemacht hat. Daran werden auch sinnlose Milliardeninvestitionen in sterbende Industrien oder ein Kniefall vor den Industrie-Lobbies nichts ändern.

Ein Opfer, über das wenig berichtet wird, ist dabei das österreichische Bundesheer, dem von ÖVP-Finanzminister Josef Pröll das Budget zusammengestrichen wird. Die Differenz zwischen Budget-Planung des Bundesheeres und des Finanzministeriums beträgt ca. 500 Millionen Euro.

“Man darf das ja gar nicht zu laut sagen, aber: Hat man eigentlich bedacht, was das für Österreich bedeuten würde, wenn es in der Ukraine zu einem Bürgerkrieg kommt? Oder wenn Österreich Ziel von Terroranschlägen wird und der Ruf laut wird, dass sofort alle Kraftwerke und Staudämme vom Heer bewacht werden müssen? Da kann man nicht in ein paar Wochen wieder aufbauen, was man jetzt an Strukturen fahrlässig zusammenbrechen lässt!”
Eduard Paulus, Präsident der Offiziersgesellschaft

Atombombe

Die Bedrohungssituation in Österreich ist natürlich nicht so schlimm, wie Herr Paulus das andeutet. Ein ukrainischer Bürgerkrieg, müsste erst einmal die Slovakei oder Ungarn erfassen, bevor er nach Österreich käme. Das ist nicht wahrscheinlich. Für Staudammbewachung (??) dagegen braucht Österreich keine unfreiwilligen, schlecht ausgebildeten Wehrpflichtigen, kein Berufsheer bestehend aus Offizieren, sondern kleine Mannschaften mit Boden-Luft-Raketen und gut ausgebildete Schnell-Eingreif-Truppen.

Es ist richtig, dass am Bundesheer eingespart wird. Es hat keine Priorität in einer Zeit, in der der Staat ohnehin schon viel Geld ausgeben muss, um den Wohlstand im Land so weit als möglich zu erhalten.
Hoffentlich wird das Bundesheer ganz einfach Geld sparen. So könnten zum Beispiel noch einige Kasernen verkauft werden, die aus politischen Gründen (um einen ÖVP-Bürgermeister zu besänftigen) aufrecht erhalten werden. Es könnte die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft werden (und stattdessen ein Katastrophenschutz-Dienst gegründet werden). Es könnten die eigenen Ränge von inkompetenten Deppen befreit werden.

Die Wirtschaftskrise beendet das Kapitel “Bundesheer” unserer Republik. Es wird weiterhin ein Militär geben – aber es wird andere (echte) Aufgaben erfüllen, anders ausgerüstet sein und deutlich kleiner sein als bisher. Das Heer kann nicht anders, als sich zu reformieren und wesentlich sparsamer zu werden.

Rundschau: Erstes Opfer in der österr. Medienbranche

Das Internet bringt die Medienbranche gewaltig in Schwierigkeiten und nur langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass man sich nicht im Zeitungs- sondern im Nachrichten-Geschäft befindet. Die USA sind natürlich wieder schneller, hier werden Medienkonzerne von zwei Seiten in Bedrängnis gebracht: Craigslist reißt Löcher in die Kleinanzeigen-Umsätze und professionelle Blogs (Perez Hilton, TechCrunch, Cnet, Huffington Post) ins Nachrichtengeschäft selbst. Die Huffington Post hat gerade 25 Millionen Dollar für den Aufbau von lokalen Büros wie in Chicago gesammelt.

In Österreich gibt’s vor allem den Standard, der schon sehr früh den Wert des Internets erkannt hat, die Presse ist auch recht gut gerüstet. Jetzt erwischt’s aber erstmal eine Zeitung richtig hart: Die Rundschau, eine Regionalzeitung aus Oberösterreich (eigene Ausgabe für jeden Bezirk). Die entlässt viele Mitarbeiter/innen, vertreibt nur noch gratis Zeitungen (bisher nur Sonntags) und verteilt nur noch in den Ballungsgebieten.

Bei all diesen Plänen vermisse ich einen wichtigen Punkt: www.rundschau.co.at

Was passiert mit dieser Seite? Wie wird sie weiter entwickelt?

Regionaljournalismus ist prädestiniert für “Citizen Journalism”, also einen Journalismusmodell, in dem Leser/innen Informationen beitragen können. Die Rundschau wird mit weniger Personal große Schwierigkeiten haben, gleich viele (oder mehr) Informationen zu finden und betreibt bereits einen Service, der diese Arbeit vereinfachen kann. Mit iRegional (gibts nicht mehr) können Vereine und Gemeinden ihre Nachrichten auf die Rundschau-Seite bringen. Die Redaktion müsste hier nur noch die interessanten Beiträge herauspflücken und in abdrucken.

Ich bin gespannt, wie sich die Online-Zeitung der Rundschau weiterentwickelt.

Kauft um euer Leben!

Eine Wirtschaftskrise ist schon eine brutale Sache. Da geht’s der Wirtschaft schlecht, die Leute bekommen Angst um ihre Jobs, sparen mehr (= kaufen weniger ein) und plötzlich wird die Krise noch schlimmer, die Jobs werden noch weniger! In der Weihnachtszeit ist das doppelt ungut, weil man da erst recht konsumieren will. Geschenke sind ja oft nicht nur Akte der Nächstenliebe, sondern auch ein Beweis, wie gut es einem selbst geht.

Die Lösung ist einfach: Kaufen bei Amazon

Da gibt’s nicht nur eine tolle Firefox-Extension, mit der automatisch 5% der Rechnungssumme an eine Hilfsorganisation gespendet werden (die eigene Rechnung wird dabei nicht höher!), Amazon ist auch oft billiger als normale Geschäfte und man hilft damit der österreichischen Post, die (meistens?) für die Paketzustellung zuständig ist.

Angesichts der angekündigten Streiks ist es aber ratsam, nur Geschenkgutscheine zu verschenken, und zwar die selbst-ausdruckbaren. Die können dann ohne Lieferstress im nachweihnachtlichen Abverkauf (noch billiger) verwendet werden.

CO2-Kompromiss: Lobby gewinnt, Wirtschaft verliert

Wir befinden uns in einer Wirtschaftskrise, vielleicht in der größten seit der “Great Depression”, die die Machtübernahme Hitlers erst ermöglicht hat, und der Staat reagiert falsch. In einer Wirtschaftskrise müssen zwei Gruppen unterstützt werden: Die Bevölkerung und Unternehmen, die das Rückgrad der Wirtschaft bilden (Banken). Alle anderen sind entweder gerüstet – oder eben nicht.
Das hat zur Folge, dass Mitarbeiter/innen entlassen werden – was traurig aber richtig ist. Es bedeutet aber auch etwas anderes: Innovative Unternehmen, die konkrete Probleme der Geschäftswelt lösen, werden wachsen.

Die EU hat jetzt einen Klimaschutzkompromiss beschlossen, der zeigt, dass die EU keine Wirtschaftskompetenz besitzt, sondern von Lobbyinteressen gekauft wurde – übrigens genau wie unser liebes Österreich. Autokonzerne müssen jetzt doch nicht so schnell CO2-Untergrenzen erreichen. Das bremst den Klimaschutz und hilft technologisch schlecht aufgestellten Autokonzernen aus den USA.

Vor allem aber bremst es Innovation im Automarkt. Hätte die amerikanische Regierung Yahoo irgendwelche speziellen Steuerguzis gegeben, um die Entlassungen zu verhindern und das Unternehmen zu “retten”, hätten wir heute vermutlich kein Google, das im nuklearen Winter von 2001 bis 2003 groß geworden ist, weil es Werbetreibenden einen besseren Return On Investment gegeben hat.

Diese Wirtschaftskrise könnte eine Blütezeit für Auto-Start-Ups wie Tesla, Internet-Start-Ups wie Zoho und Betriebssystem-Firmen wie Ubuntu sein – weil sie innovative Produkte mit einem Preisvorteil im Vergleich zu etablierten Unternehmen anbieten, die gewaltig unter Druck geraten ist. Stattdessen stützen wir die Etablierten, sodass ja keine Innovation geschehen kann. Damit wird kein Problem gelöst, es wird nur um ein paar Jahre verschoben – und alle verlieren: Die Jugend, deren zukünftige Jobs ins Ausland abwandern und die Wirtschaft, die einmal mehr vom falsch verstandenen Regulierungsbedürfnis erdrückt wird.

Bildungsauftrag im ORF?

ORFORF-Chef Alexander Wrabetz hat seinen Einsparungsplan vorgestellt: 1.000 Mitarbeiter/innen werden bis 2012 abgebaut oder ausgelagert, ein neuer Standort gesucht und ein paar weitere Details.

Die natürlich wieder startende Diskussion ist wichtig, geht aber am Ziel vorbei. Die Frage ist nicht, ob und wie viele Personal der ORF abbauen darf. Die Frage ist noch viel grundsätzlicher:

Welchen Zweck soll der ORF erfüllen?

Der ORF ist ein öffentlich-rechtlicher Sender, der rein rechtlich einen Bildungsauftrag erfüllen soll. Damit sind Ö3 und ORF1 hinfällig. Beide erfüllen keinen Bildungsauftrag, der ORF1 ist eine gebührenfinanzierte Hollywood-Serien-Abspielmaschine, der Ö3 das Pendant fürs internationale Musikgeschäft. Beide machen das sehr gut, haben aber selbstverständlich keine Chance alleinige Marktherrschaft, sondern müssen sich den Markt mit privater Konkurrenz teilen.
Hier beginnt das Problem. Wrabetz vorzuwerfen, die Marktanteile des ORF1würden schrumpfen, ist falsch. Je mehr der ORF seinen Bildungsauftrag erfüllt, desto mehr werden die Marktanteile schrumpfen. Je mehr Wrabetz dafür kritisiert wird, desto mehr wird er vom Bildungsauftrag abweichen.

ORF1 & Ö3

Weder ORF1 noch Ö3 unterscheiden sich wesentlich von den privaten Konkurrenz, sie erfüllen keinen Bildungsauftrag und haben eine hohe Reichweite. Beide Unternehmen müssten sehr lukrativ verkauft werden können. Einige hundert Millionen Euro sind da sicher drin. Dieses Geld sollte langfristig angelegt werden – mit den Zinsen kann der ORF das eigene Geschäft unterstützen. (Bsp: 300 Millionen für ORF1 und Ö3, 5% Zinsen pro Jahr – 15 Millionen Euro extra für den ORF – und das sind konservative Schätzungen)

Internet-Sparte

Der wichtigste Zukunftsbereich ist die Internet-Sparte. Der ORF ist mit news.orf.at eine große (und werbefreie) Konkurrenz zu derStandard.at, diePresse.com und vielen anderen Medienkonzernen. Das ist ein bisschen unfair (keine Werbung), aber ok.

Um die Gebühren in dem Bereich zu rechtfertigen, erwarte ich vom ORF aber mehr. Der ORF sollte sich bei (Teil-)Eigenproduktionen immer die Online-Vermarktungsrechte sichern, um diese im Internet streamen zu können. Nachrichtensendungen (inkl. Interviews) sollten in Blogs (und “normale” Websites) eingebunden werden können.

Update: Alex hat mich darauf hingewiesen, dass der ORF nicht werbefrei ist. Nach genauerer Kontrolle hab ich jetzt auch die erste Werbung gesehen. Die Passagen hab ich korrigiert.

Vielleicht sind diese Vorschläge schlecht, vielleicht sind sie gut – aber sie gehen wenigstens in die richtige Richtung. Ich würde mich über andere Ideen zur Weiterentwicklung des ORF freuen!

Elsner raus aus U-Haft

Helmut ElsnerHelmut Elsner, seit knapp zwei Jahren sitzt er in Untersuchungshaft, seit ca. einem halben Jahr ist er nichts rechtskräftig verurteilt. Der BAWAG-Skandal, der seinen gemütlichen Lebensabend verhindert und der SPÖ beinahe eine weitere Wahl gekostet hat, ist noch immer allen ein Begriff. Trotzdem frage ich mich langsam, ob diese Fluchtgefahr-Begründung für seine Untersuchungs-Haft nicht übertrieben ist.

Er ist gesundheitlich nicht aufregend unterwegs und könnte wohl nicht mehr in einer Nacht- und Nebel-Aktion aus Österreich fliehen. Müsste er seinen Pass abgeben, dann könnte er den bequemen Weg per Flugzeug auch nicht mehr nehmen.

Aber viel wichtiger ist das: Was er als Bankchef angeblich gemacht hat, ist nicht unüblich. Das passiert vermutlich in den meisten Bankhäusern – er hatte nur das Pech, dass die BAWAG fast in Konkurs ging. Jetzt, wo das weltweite Bankensystem in Schieflage gerät und mit hunderten Milliarden an Staatsgeld gerettet werden muss, sehen wir uns eigentlich vor dutzenden Fällen von Veruntreuung.

Elsner hatte Pech. Wäre die BAWAG nur ein bisschen weniger in Schieflage geraten, wäre sie erst dieses Jahr in Konkurs gegangen und wäre einfach mit Steuergeld aufgepäppelt worden. Elsner wäre ein gefeierter Star der “Seitenblicke”, der für die Finanzkrise nicht mitverantwortlich ist, weil seine Regentschaft schon lange genug vorbei ist.

Kündigungen bei Post – Richtig oder Falsch?

Post AGDie Post plant, 9.000 Mitarbeiter/innen zu kündigen, vor allem Briefträger/innen. Sie sagt, sie muss das tun, um nicht zur zweiten AUA zu werden. Die SPÖ und die Grünen beschweren sich, die ÖVP steht hinter der Post. Die SPÖ geht so weit, den Rücktritt des Post-Vorstands zu fordern.

Leider ist die Sache nicht so einfach, in mehrfacher Hinsicht:

Die Post wird keine 9.000 Mitarbeiter/innen kündigen und hat das auch nicht vor. Das ist wichtig für’s Grundverständnis. Die Post-Manager sind nicht dumm – sie wissen, dass sie enormen Gegenwind bekommen werden. Wenn man eine sehr hohe Zahl als Ziel ansetzt, ist das interne Ziel wahrscheinlich “nur” 6.000 oder weniger. So können sich die beiden Parteien streiten und danach einen Kompromiss schließen, den beide akzeptieren können.

Es werden immer weniger Briefe verschickt, mittlerweile wird auch klassische Geschäftspost immer mehr von E-Mails abgelöst. Sogar das Finanzamt stellt mir Bescheide auf Wunsch per E-Mail zu. Das Postgeschäft ist ein sterbendes Geschäft, es wird noch stark zusammenschrumpfen, daran kann man nichts ändern. Es geht ganz einfach billiger, einfacher und schneller, E-Mails zu verschicken. Ich erwarte zwar, dass sich kostenpflichtige E-Mail-Signatur-Services, um das Vertrauen in Geschäftspost zu erhöhen, die werden aber weiterhin viel billiger sein als normale Briefe.

Das wirkliche Problem sind aber nicht die Kündigungen, es ist das dumme System der Pragmatisierung, unter dem auch die Telekom Austria leidet. Mitarbeiter/innen, die nicht mehr gekündigt werden können, obwohl Österreich mit nur der Hälfte der Beamt/innen besser auskommen würde, weil die Bürokratie stark abgebaut werden könnte. Es hat viel zu lange gedauert, dieses System abzuschaffen und wir werden noch lange daran zu knabbern haben. Die vorgeschlagene “Leih-Agentur” für Beamt/innen gibt’s schon auch in Deutschland – und sie funktioniert nicht. Wer sich fragt, stellt sich einfach folgende Frage: Du bist Unternehmer/in, willst jemanden einstellen, und hast die Wahl zwischen einer normalen Arbeitskraft oder jemanden, der für den Staat gearbeitet hat und dort vielleicht mehr Zeit in Kaffeepausen verbracht hat als in der tatsächlichen Arbeit. (Die Guten behalten sich die Post und die Telekom!)

Das zweite Problem sind Konkurrenz bzw. Kollektivvertrag. In Deutschland stand lange in Diskussion, ob Mitarbeiter privater Postunternehmen die gleichen Kollektivverträge haben müssen (ergo: höheres Gehalt) oder als Hilfsarbeiter angestellt werden dürfen (ergo: mieses Gehalt). Wenn man sich anschaut, wie in Österreich das Austragen von Zeitungen bezahlt wird weiß, dass es sich da um keine Briefträger handelt.
Das ist aber eine wichtige Frage. Wenn private Postdienstleister in Österreich nicht die gleichen Gehälter bezahlen müssen wie die Post AG, wäre das eine Schweinerei. Die Post AG hat’s schon schwierig genug mit der verpflichtenden Abdeckung ganz Österreichs.

Das dritte Problem ist die Frage der Infrastruktur. Die Post ist eine Infrastruktur, auch wenn sie immer mehr an Wichtigkeit verliert. Noch geschieht ein großer Teil der Geschäftskorrespondenz außerhalb des Technologie-Sektors in schriftlicher Form, und damit wird die Post zu einem Bestandteil der Basisinfrastruktur Österreichs, wie Straßen, Schienen oder Strom-, Telefon- und Internet-Kabeln (von denen nur noch ein Teil, nämlich die Straßen, rein von der öffentlichen Hand finanziert wird). Eine Gemeinde, die diese Infrastruktur nicht hat, hat bald keine Unternehmen mehr.

Die Frage ist: Was erwarten wir von der Post? Das Mindest-Ziel sollte sein, dass man in jeder Gemeinde Briefe abgeben kann, dass überall Post ausgeliefert wird und die Auslieferung in ganz Österreich maximal 3 Tage dauert. Die Post hat begonnen, mit lokalen Geschäften zusammen zu arbeiten, wo sie Postfilialen geschlossen hat. Die haben eine zusätzliche Arbeitskraft eingestellt (oder von der Post übernommen), die als Briefträger/in arbeitet und es möglich macht, Briefe aufzugeben. Ich halte dieses Modell, falls es funktioniert, für gut.
Aber machen wir uns nichts vor: Die flächendeckende Bedienung Österreichs ist ein Luxus, den sich die Post AG vermutlich nicht leisten kann, wenn sie im direkten Wettbewerb steht. Daher sollte sich der Staat überlegen, den flächendeckenden Betrieb zu subventionieren. Gemeinden ab einer bestimmten Einwohnergröße sind bestimmtes Geld wert. Das bekommt die Post – oder noch besser: Darum kann man sich bewerben. Wer den Betrieb am billigsten durchführen kann, bekommt den Zuschlag (und die Subvention).

Ein abschließendes Wort: Jede Kündigung sollte vermieden werden, wenn das irgendwie geht. Ich möchte nicht in der Haut der bedrohten Postler/innen stecken. Aber: Das ist Teil unserer Wirtschaftsordnung. Erinnert sich noch jemand an Knechte und Mägde? Vermutlich nicht – aber die wurden auch reihenweise gekündigt. Das war kurzfristig schwierig, langfristig haben sich diese Leute aber ganz einfach neue Jobs gesucht. Das wird in den nächsten Jahren schwierig, aber längst nicht unmöglich. Wer sich weiter bildet, hat meistens eine Chance. Die Grenze ist nur die eigene Fantasie!

Lufthansa-Angebot: 360.000 Euro

Es ist mir zynisch erschienen, als Michael Fleischhacker, Chefredakteur der Presse letzte Woche gefordert hat, die AUA möge doch verschenkt werden. Gestern hab ich selbst meinen Senf zum Thema AUA-Privatisierung bzw. Lufthansa-Übernahme abgegeben.
Heute gelang das Angebot der Lufthansa an die Öffentlichkeit: 360.000 Euro, also ca. 1 Cent pro Aktie, ohne Standort- oder Bestandsgarantie, vielleicht sogar ohne Übernahme der Schulden. (Quelle: Neue Züricher Zeitung)

Auch, wenn das ein Schnäppchen ist, und sich der Preis verzehnfacht, zeigt das, dass in der aktuellen wirtschaftlichen Lage die AUA nicht gewinnbringend (also ohne Schuldenübernahme durch Österreich) verkauft werden kann, und dass die ÖIAG versuchen soll, in diesem Deal möglichst wenig Geld zu verlieren.
Die Verlängerung des Privatisierungsauftrages war durchaus vernünftig, andere Fluggesellschaften können sehen, wie wenig Österreich für die AUA verlangt und steigen vielleicht doch ein – ich befürchte aber, dass die ÖIAG auf deutlich bessere Angebote. Das wird’s aber nicht geben.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie viel Geld die AUA in Zuikunft noch verlieren wird. Hoffentlich nicht zu viel, denn es gibt wichtigere Firmen, denen der Staat helfen muss, ohne die unsere Wirtschaft noch mieser dastehen würde, und schlussendlich müssen das wir Steuerzahler/innen bezahlen.

“Unsere” Airline?! “Österreichische Lösung”?!

Die Zeiten, in der jeder Staat seine eigene Fluggesellschaft besaß, sind endgültig vorbei, seit Billigfluggesellschaften für mehr Wettbewerb sorgen und die Kosten dank steigender Ausgaben für (teilweise schwachsinnige) Sicherheitssysteme und Kerosin stark gestiegen sind.

Logisch, dass in diesen schwierigen Zeiten staatlich gesteuertes Management völlig versagt. Ötsch & Co, die aus politischen Gründen ins AUA-Management kamen (Ötsch hat keine Fluggesellschafts-Management-Erfahrung), haben ziemlich viel falsch gemacht, den Rest wurde (und wird) der AUA von den regierenden Parteien (SPÖ, ÖVP, FPÖ und BZÖ) gegeben.

Die AUA mit ihrer problematischen Kostenstruktur darf keine Kollektivverträge neu verhandeln, keine Kündigungen aussprechen, der seit Jahren andauernde Kampf darum demoralisiert die Mitarbeiter/innen.

Eigentlich ist seit Jahren klar, dass die AUA nicht selbstständig bleiben kann. Die politischen Parteien bemühen sich indes verzweifelt, das zu erschweren, indem sie eine Sperrminorität halten wollen (die drückt den Preis der AUA erheblich, bringt aber gar nichts) oder bestimmte Bieterkonsortien bevorzugen oder ablehnen (SPÖ ist für Al Jaber, die ÖVP dagegen; alle sind für die Lufthansa, niemand für die russische S7) und damit andere potentielle Bieter abschrecken.

Dann gibt es auch immer wieder die “österreichische Lösung” – diese furchtbare Aussage, die impliziert, dass österreichische Anleger von der AUA im Unterschied zu ausländischen Anlegern weniger Gewinne oder steigende Börsenkurse verlangen würden – und wieder eine Abschreckung für potentielle Bieter.

Das Problem ist: Österreich ist in einer Lose-Lose-Situation. Gute Zeitpunkte für einen Verkauf gab es nie wirklich – jetzt ist die AUA aber ganz am Boden. Das Problem: Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die AUA aus ihrer Krise nicht herauskommen wird.

Aber sehen wir die Frage von einer anderen Seite (von der man alle Privatisierungen sehen sollte): Was spricht für ein Beibehalten der AUA in Staatsbesitz?

  • Abzug von Flugrouten aus Österreich
    Das ist nicht zu erwarten. Österreich ist ein lukrativer Flugmarkt – viele Leute fliegen hier her, viele Leute fliegen von hier weg.
    Das schlimmste wäre eine Bewegung von Flügen von Wien nach Bratislava – aber nicht ohne eine wesentlich verbesserte Infrastruktur. (Selbst wenn: Die österr. Fluggäste werden sich nicht über günstigere Flüge beschweren, vermut ich mal.)
  • AUA ist österr. Basis-Infrastruktur, die nicht private Interessen unterliegen soll
    Das war sie vor 30 Jahren – deshalb hat damals auch jeder Staat seine Fluggesellschaften gegründet. Heute ist die Situation anders. Es gibt mehr als genug private Fluggesellschaften, der österreichische Flugmarkt ist groß genug, dass er nicht einfach “außen vorgelassen” wird. (Gegensatz dazu: Post AG, Telekom, ÖBB – die stellen eine Basisinfrastruktur zur Verfügung, die wirtschaftlich und gesellschaftlich sehr wichtig ist. Hier sollte man sehr aufpassen, bevor man unnötig privatisiert.)
  • Qualität der AUA könnte nachlassen
    Ja, die AUA ist eine der besten Fluggesellschaften der Welt und vielfach ausgezeichnet. Aber: Auszeichnungen bezahlen keine Rechnungen – und davon hat die AUA mehr als genug.
  • Arbeitsplätze gehen verloren
    No na ned – natürlich werden Arbeitsplätze verloren gehen. Ob man das mag oder nicht: Fast alle Fluggesellschaften haben sich neu strukturiert und dabei Mitarbeiter entlassen. Wenn die AUA irgendwann nicht mehr staatliche Subventionen brauchen soll, wird sie das sowieso machen müssen.

Man kann bei der AUA weder gewinnen noch verlieren – man kann nur die Verluste begrenzen. Jedes weitere Quartal kostet dem Staat Millionen. Verkauft den Sauhaufen endlich – und zwar ohne Auflagen, die sowieso nicht eingehalten werden können oder dem Staat nur bares Geld kosten!

Microsoft + Yahoo: Bitte nicht!

Die Yahoo!-Microsoft-Übernahme-Streitereien der letzten Monate sind wohl niemandem entgangen, gerade am Samstag ist wieder eine Deadline abgelaufen. Hoffentlich veranlasst sie Microsoft, seine Avancen gegenüber Yahoo zu stoppen. Yahoo ist für Microsoft keine 45 Milliarden Dollar wert, Yahoo ist das ohnehin zur Zeit nicht wert.

Das Management scheint Jerry Yang, den alten neuen Yahoo-Chef zwar zur Übernahme drängen (weil sie ihre Aktien verschachern wollen und von Microsoft weitere Optionen erwarten, damit sie bleiben), die übrigen Mitarbeiter sind dagegen, primär aus ideologischen Gründen.

Yahoo macht aber weder wirtschaftlich noch produktpolitisch Sinn für Microsoft. Das einzige, was Microsoft nützliches von Yahoo erhalten würde, wäre das Werbe-Inventar und der Suchmaschinen-Marktanteil. 45 Milliarden sind diese Dinge aber nicht wert.

Microsoft sollte stattdessen 20 Milliarden Dollar (darüber würden sich die eigenen AktionärInnen sehr freuen) einsetzen, um massenhaft Start-Ups aufzukaufen, diese aber eigenständig weiterarbeiten lassen. Keine Zwangs-Integration mit Windows Live, kein Re-Branding, kein Einsetzen von eigenen Managern. Das einzige sollte sein, dass sie die Vermarktung übernehmen, wo das sinnvoll ist.

Unter anderem sollten sie dabei versuchen, Infrastruktur-Unternehmen zu kaufen. Nicht in Form von Hardware-Infrastruktur, sondern in Form von populären APIs. Das ist etwas, was Microsoft mit Live Mesh ohnehin bereits versucht.

Mögliche Übernahmekandidaten wären:

  • Twitter: Als Infrastruktur-Unternehmen (Twitter wird immer mehr als Kommunikationsplattform für Anwendungen verwendet, die mit Chatten nichts mehr zu tun haben.) würde es gut ins Portfolio passen. Microsoft kann es sich leisten, kein Geschäftsmodell zu suchen und könnte ohne weiteres die notwendigen 200+ Millionen Dollar aufwenden.
  • Zooomr/Smugmug: Eine Foto-Sharing-Community würde Microsoft gut tun. Microsoft könnte Smugmug öffnen (zzt ist Smugmug kostenpflichtig) und hätte damit auf einen Schlag eine würdige Flickr-Konkurrenz. Zooomr geht noch mehr in Richtung Flickr und hat sich geschäftlich Japan zugewandt – aber wer weiß, das kann genau so gut ins Schema passen.
  • Digg: Digg ist groß genug, dass der Hass gegen Microsoft nur eine laute Kern-Schicht betreffen würde. Die kann man halten, da sehe ich kein Problem. Im Notfall müssten sie die Kern-Contributors bezahlen, oder so. Damit könnten sie vor allem das Image aufbessern.
  • Plaxo: Plaxo passt zu Microsoft wie der Topf auf den Deckel. Wichtig wäre allerdings, dass sie auch Third-Party-Connector-Software weiterhin zulassen, im Sinne einer offenen Plattform, wie Plaxo das jetzt schon ist. Zusätzlich könnten sie die Software kostenlos machen. Damit würden sie sich bei den GeschäftskundInnen “einkaufen”.
  • Automattic (WordPress.com): Ein No-Brainer, meiner Ansicht nach, wenn Microsoft sich dazu durchringen kann, WordPress als Open Source-Projekt zu unterstützen.
  • imeem: Mit imeem, ein amerikanisches Multimedia-Social-Network und ebenfalls relativ günstig, könnte Microsoft einen weiteren Fuß ins Social Networking-Business setzen. Möglicher Interessenskonflikt mit Facebook, andererseits vermarktet Microsoft Facebook nur, hat dort aber nichts zu sagen. Niemand ist also wirklich gefährdet.

Diese Übernahmen würden Microsoft ca. 3 Milliarden Dollar kosten. Man stelle sich vor, was Microsoft mit weiteren 17 Milliarden Dollar alles aufkaufen könnte.

Ich muss zugeben, dass einige der Vorschläge Microsoft teilweise eine radikale Änderung der bisherigen Firmenkultur abverlangen. Unter Ray Ozzie denke ich aber, dass das durchaus möglich ist. So lange sich Steve Ballmer raus hält…