Die FPÖ hat Zuwanderung & Integration (und ihre Schwierigkeiten) zum Thema Nummer 1 gemacht – und schafft es, so zu tun, als wäre sie Gesellschaftsbedrohend.
Tatsache ist, dass Österreich Zuwanderung braucht, vor allem wirtschaftlich, wenn es weiterhin ein Wirtschaftswachstum haben will – und das ist wiederum notwendig, um unseren Sozialstaat aufrecht zu erhalten.
Gibt es Probleme mit der Integration? Klar! Es wäre sehr hilfreich, wenn Zuwanderer (und Kinder mit Migrationshintergrund) schneller und besser Deutsch sprechen könnten, vor allem aber auch Frauen, die so noch mehr von ihren Männern abhängig sind.
Aber: Diese Probleme stehen in keiner Relation zu dem, was Zuwanderung bringt – und sind teilweise einfach irrelevant.
Beispiel: Sprache
Sprache ist wichtig, um die Bildung einer Parallelgesellschaft zu verhindern, keine Frage. Das Problem ist aber nicht die Nachfrage, sondern die Finanzierung. Asylwerber (um die geht es dabei primär) haben bei ihrer Zuwanderung meistens nicht genug Geld für einen Kurs – auch wenn sie wollen. (Die meisten wollen Deutsch lernen.)
Wichtiger ist aber: Wenn ich Zuwanderung vom wirtschaftlichen Aspekt betrachte, sollte es mir relativ wurscht sein, ob jemand Deutsch spricht, so lange die Person in Österreich eine Arbeit hat und nicht vom Staat finanziert werden muss. Ich würde mich über jeden Inder freuen, der nach Wien kommt und hier bei einer Software-Firma arbeitet. So lange er Steuern zahlt und nicht vom Staat finanziert werden muss: Bitte sehr!
Wenn dieser Inder langfristig in Österreich bleibt, wird er früher oder später eh Deutsch lernen.
Beispiel: Gleichberechtigung
Gleichberechtigung von Frauen in allen Ehren – sie ist natürlich wichtig und richtig, und wir sollten alles tun, um die Gleichberechtigung von Frauen garantieren zu können – es ist mehr als unglaubwürdig, wenn sie für FPÖ, BZÖ und ÖVP plötzlich wichtig wird. Alle drei Parteien sind nicht gerade als Unterstützer der Feminismus-Bewegung bekannt – ganz im Gegenteil.
Gleichberechtigung von Mann und Frau ist wichtig und sollte viel mehr als bisher Ziel der österreichischen Gesellschaftspolitik sein – aber sie soll kein Argument in der Debatte um Zuwanderung sein.
Beispiel: Kriminalität
Ja, es gibt einen leicht höhere Wahrscheinlichkeit, kriminell zu sein, wenn man nach Österreich zugewandert ist. Das liegt aber nicht an den bösen, ausländischen Genen, sondern an der sozialen Schicht, in der viele Zuwanderer leben. Nicht Ausländer/innen laufen Gefahr, in Schlägereien verwickelt zu werden, sondern grundsätzlich besonders Jugendliche aus unteren Gesellschaftsschichten.
Die Zuwanderungs-Diskussion muss ent-emotionalisiert werden – und vor allem den wirklich wichtigen Themen Platz machen: Wie schaffen wir es, kleine Unternehmen zu fördern (die schaffen bekanntlich die meisten Arbeitsplätze), unabhängig von Erdöl und Erdgas (und damit von verschiedensten Diktaturen) zu werden, und unser Bildungssystem so zu reformieren, dass wir auch in 10, 20 Jahren noch mit China und Indien konkurrieren können.
Die negativen Auswirkungen der Zuwanderung sind harmlos im Vergleich zu dem, was passieren wird, wenn wir die oben genannten Probleme nicht angehen.