Netzneutralität

Wer vor einigen Monaten in den Technologie-Teilen der amerikanischen Zeitungen gelesen hat, der hat vermutlich von der Netzneutralität bereits gehört. Auch die Telekom Austria hat bereits öffentlich überlegt, auf die Netzneutralität zu pfeiffen, und Google & Co für die Finanzierung der Milliarden-Investitionen, die regelmäßig zu tätigen sind, heranzuziehen.

Die Argumentation der Telekom-Konzerne ist recht simpel: Wieso, liebe KundInnen, sollen wir euch zahlen lassen? Lasst doch Google bezahlen, das ist viel fairer!

Die Telekom Austria beziffert das weltweit notwendige Investitionsvolumen auf ca. 150 Milliarden Dollar, eine enorme Zahl, die sicher Eindruck schindet.

Die dahinterstehende Rechnung allerdings ist eine dumme. Was stellt sich die Telekom Austria vor, dass sie Google abknöpfen will? Sagen wir mal, sie wollen 10% des Umsatzes von Google, also 1 Milliarde Dollar für das Jahr 2006.

Diese eine Milliarde Dollar bringt also ca. 1/6% des Investitionsbetrages. Werden unsere DSL-Tarife dann um 1/6% billiger? Toll – das ist es, was ich schon immer wollte.

Und selbst wenn das fair und vertretbar wäre – was ist mit den vielen kleinen Start-Ups, die aufgrund der niedrigen Einstiegskosten schneller und innovativer den Markt verändern können? Was wäre mit YouTube? Hätte ich meine auf Hobby-Basis erstellte Community betreiben können?

Eines ist sicher: Würden die Internet-Firmen dafür bezahlen, wie stark ihre Seiten frequentiert werden, dann gäbe es kein YouTube, keine Hobby-Projekte und generell ganz einfach wenigere Seiten.

Abgesehen davon ist es ein enorm aufwändiger administrativer Aufwand, diese Gebühren einzukassieren. Und was passiert, wenn es nicht klar ist, woher der Traffic kommt? Geht man nach dem Herkunftsprinzip der Web-Angebote? Dann haben wir innerhalb kürzester Zeit Hostingparadiese (im Gegensatz zu Steuerparadiesen), wo die Preise niedrig sind. Oder nach der Herkunft der Benutzer? Ist auch schwer möglich und schwer nachweisbar.

Netzneutralität ist unbedingt notwendig, wenn wir weiterhin eine innovative Internet-Industrie haben wollen. Dieses eine Prozent höhere Interkosten sollte uns Benutzer das schon wert sein.

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