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In meinen Artikeln zum Thema Datenschutz bzw. Privatsphäre hab ich darüber geschrieben, wie böse Personensuchmaschinen wirklich sind und wie Online Tracking funktioniert. Heute möchte ich über das Sammeln von Daten im Internet ganz grundsätzlich schreiben und mit einem Beispiel anfangen:
Großbritannien
Großbritannien wird gerade zum totalen Überwachungsstaat. Milliarden und Abermilliarden an Pfund werden investiert, um überall im Land Millionen von Kameras zu installieren. Für die Überwachung und Auswertung der Bilder müssen selbstverständlich tausende zusätzliche Polizist/innen angestellt werden, was wieder viele Millionen Pfund kostet.
Um die Daten “effektiv” verwenden zu können, werden außerdem Programme entwickelt, die Gesichter und “verdächtiges Verhalten” erkennen. Ja, auch das kostet wieder Millionen von Pfund – alles bei sehr fraglichem Erfolg. Es gibt nach wie vor keine Studie, die die Effektivität dieser Überwachungs-Maßnahmen aufzeigt.
Internet
Im Internet dagegen ist das “Überwachen” von Personen einfacher. Bei jedem Seitenaufruf werden automatisch einige Daten über eine Person mitgeschickt (IP-Adresse, Browser-Kennung, Betriebssystem, Sprache, etc.), die einfach und billig gespeichert werden können. Eine Analyse dieser Daten ist einfach, es gibt dutzende kostenlose oder relativ günstige Software-Paketen dafür.
Es muss außerdem keine neue Infrastruktur (zB Kameras) errichtet werden, die Daten in halbwegs maschinenlesbarer Form vorhanden, die Analyse ist einfach und günstig.
Auch das Ziel ist ein viel einfacher: Während im Überwachungsstaat die eindeutige Identifizierung bestimmter Personen eine Grundvoraussetzung für den Erfolg der Milliardeninvestition ist, genügt den Internet-Firmen die verschiedenen Daten in einzelne Datenstränge (=Personen) unterteilen zu können. Eine persönliche Identifikation spielt keine Rolle, eine niedrige Fehlerquote spielt keine Rolle.
Was tun?
Legislative Maßnahmen stoppen die Datensammlung nicht, da Internet-Server in jedem Land der Welt stehen können. Solche Maßnahmen – und ihre effektive Exekution – müssten in jedem einzelnen Land der Welt gewährleistet werden, da Server überall stehen können und die “Bösewichte” gerne mit ihnen umziehen werden. Auch das ist im Internet besonders einfach.
Eine Abhilfe könnten auch Anonymisierungs-Dienste wie TOR schaffen. Oder auch nicht – denn auch der Anonymisierungs-Server schickt Daten mit und kann damit durchaus ein “Profiling” ermöglichen. Außerdem erfordern immer mehr Websites Cookies, die entweder die Deaktivierung des Anonymisierungs-Servers erfordern oder durch die Cookies wieder ein Profiling ermöglichen. Was, wenn nun Spammer oder andere Bösewichte diese Anonymisierungs-Server zur Verfügung stellen und damit selbst Daten sammeln?
Neue Realität
Kurz: Wir leben in einer neuen Realität der Privatsphäre. Wer im Internet surft, ist “verfolgbar”. Daran ändern Gesetze nichts und Anonymisierungs-Dienste wenig. Der Begriff “Privatsphäre” wird neu definiert werden. Wir müssen lernen, damit umzugehen. Erst, wenn wir diese Grundvoraussetzungen akzeptieren, können wir eine ernsthafte und ehrliche Diskussion über die Zukunft von Datenschutz und Privatsphäre im Internet führen.