Opera hat eine neue Version seines Desktop-Browsers herausgebracht, was leider in der Tech-Blogosphere ein bisschen unter geht (die Top-Story auf Techmeme ist, dass Firefox 3 am 17. Juni veröffentlicht wird – Opera 9.5 wird bisher nirgends gewürdigt), obwohl er gar nicht schlecht ist.
Ich verwende gerade Opera 9.5, um diesen Beitrag zu schreiben, und mein Feedback ist kurz und schmerzlos: Ich werde nicht zum Opera konvertieren.
Nerviges “Feature”
Immer, wenn ich ein Wort oder einen Text doppelt anklicke, markiert es den Satz (bzw. vom ersten bis zum letzten Punkt) und öffnet ein Kontextmenü, das mir einige Optionen für die Weiterverwendung des Textes anbietet. Ich hasse das. Nicht nur ist die Satzerkennung sehr dürftig (sie scheitert schon an formatierten Zahlen, á là 1.299,00 Euro), das Menü kommt auch zu öft (zum Beispiel in diesem Online-Blog-Editor, wenn ich Text markiere – das Problem ist hier, dass ich den Text nicht sofort ersetzen kann, weil der Fokus dem Menü gegeben wird) und stört meinen allgemeinen Lesefluss (ich markiere oft den zuletzt gelesenen Absatz in einem Text als visuelle Stütze mit einem Doppelklick).
Neuer Skin
Ich war nie ein großer Fan vom alten Opera-Skin, ich finde den neuen noch schlimmer. Er sieht halbfertig aus, als hätte jemand schlampig eine frühe Version erstellt, die dem Produktmanager gezeigt wird. Außerdem verhält sich das Opera User Interface allgemein nicht Standard-konform. Da sind viele Kleinigkeiten, die gesamt sehr nervig sind. Anerkennend kann man aber sagen, dass Opera wenigstens als Standard-Erscheinungsbild ein relativ Windows-ähnliches nimmt und nicht wie früher die eigene Kreation.
Vielleicht eine Geschmacksache, aber ich finde auch, dass die Navigations-Leiste über die Tab-Leiste gehören. (Die geht unter, weil sie so weit oben ist, obwohl sie wichtiger wäre.)
Such-Box
Ich weiß, man kann im Opera suchen, indem man in der Addressleiste “g Suchbegriff” eingibt, es gibt auch das separate Suchfeld – im Firefox hat das separate Suchfeld aber ein paar sehr nützliche Funktionen. Es speichert bisher gesuchte Begriffe und schlägt mir vielgesuchte Begriffe, á là Google Suggest, vor. Da bietet Firefox definitiv bei minimaler User Interface-Störung viel mehr Funktionalität.
Geschwindigkeit
Opera hat aber auch vor allem eine sehr, sehr tolle Funktion: Die Geschwindigkeit. Opera 9.5 ist merkbar schneller als bisherige Versionen und fühlt sich auch etwas schneller als Firefox 3 an. Das war schon immer eine Stärke von Opera, sie haben auch diesmal fleißig daran gearbeitet.
Malware Protection
Eine weitere gute Ergänzung ist die “Malware Protection”, also eine Schutzvorrichtung gegen Websites, die Schaden anrichten können. Da ist man Firefox 3 knapp zuvor gekommen, der das auch standardmäßig dabei haben wird, allerdings setzt man auf ein unterschiedliches Back-End. Während Firefox auf die Google Safe Browsing API zurück greift, hat Opera einen Vertrag mit dem Start-Up Haute Security abgeschlossen.
Mich würde jetzt interessieren, wie das abläuft – wird da regelmäßig eine Black List heruntergeladen (im Falle von Firefox, alle 15 Minuten meines Wissens), gegen die dann lokal die aufgerufenen Seiten überprüft werden (maximale Privatsphäre, weil die angesehenen Urls nirgends hingeschickt werden), oder wird jede Url an einen zentralen Server geschickt (noch ein bisschen höhere Sicherheit)?
Opera Link
Opera Link ist ein Synchronisierungs-Service, der Lesezeichen, Notizen und Schnellwahl-Websites zwischen verschiedenen Opera-Versionen synchronisiert, inklusive Opera Mini. Außerdem sind alle Daten online auf http://link.opera.com/ zugänglich. Ich vermisse hier zwar die größere Vision wie bei Mozilla Weave, praktisch ist der Service aber allemal.
Meine Meinung: Opera 9.5 ist nett, ein toller Browser, viele neue Features, aber nichts, das mich wirklich vom Hocker haut. Ich liebe nach wie vor die Firefox Add-Ons, die mir Funktionen ermöglichen, die Opera trotz riesig vieler Funktionen nicht hat. Teilweise Kleinigkeiten – aber sie erleichtern mein Leben ungemein.
Ich freue mich aber, dass Opera Mini und Opera Mobile so gut laufen und die Entwicklung der Desktop-Version ermöglichen, die trotzdem für Konkurrenz sorgt und Mozilla und Microsoft unter Druck setzt, ihre Browser zu verbessern.
[...] Dezember 2007 Update: Hier befindet sich der aktuellere Beitrag zum neuen Opera [...]