Persönliche Daten im Internet

Inhaltsverzeichnis

Ich bin ein Web-Freak, habe Profile bei einem ganzen Haufen Websites, habe einen Blog, den ich unter meinem echten Namen schreibe, und so weiter. Ich bin aber auch ein Freund meiner Privatsphäre. Mir ist klar, dass Google mittlerweile viel über mich wissen muss. Aber bekomme ich diese Informationen auch wieder raus?

Ich hab das Experiment gemacht, und versucht, möglichst viele (unnötige bzw. unerwünschte) Informationen über mich aus der Google-Suchmaschine rauszubekommen.

Meine konkreten Ziele waren:

  1. Weg mit unnötigen Informationen (Profile, die ich nur zu Testzwecken angelegt habe, die keine Informationen beinhalten, außer, dass sie existieren)
  2. Weg mit unerwünschten Informationen (zB Aussagen, die mir im Berufsleben schaden könnten bzw. mir im Nachhinein peinlich sind)
  3. Prominentere Platzierung der erwünschten Profile (mein Blog, Twitter, Presentify – die sollen sich nicht hinter anderen Seiten verstecken)
  4. Vermischen mit anderen, gleichnamigen Personen (damit können Suchergebnisse ohne Foto nicht mehr eindeutig zugeordnet werden)

Schritt 1

Ich hab auf www.google.com und www.google.at nach meinem Namen und meinen häufig gewählten Synonymen gesucht und geschaut, was angezeigt wird. Flickr-Profil, alter Blog, ehemaliger Projekt-Blog, neuer Blog, viele verschiedene Website-Profile – alles mögliche ist aufgetaucht.

Diese Websites habe ich in eine Liste eingetragen und ihnen eine “Lösch-Priorität” zugewiesen. Leere, wertlose Seiten hatten eine niedrige Priorität, “problematische” Seiten eine hohe.

Schritt 2

Die Websites auf dieser Liste bin ich dann eine nach der anderen durchgegangen. Ich hab mich eingeloggt, versucht, die Accounts zu löschen oder wenigstens die einzeln angebenen Daten zu löschen oder so weit zu ändern, dass sie nichts mehr mit meiner Person zu tun haben. (Geburtsdatum auf 01.01.1970 geändert, Geschlecht auf “Bitte auswählen…” zurück gesetzt, etc.)

Wo das Löschen direkt auf der Website nicht möglich war, hab ich mir eine Support-E-Mail-Adresse gesucht und per E-Mail gebeten, meinen Account zu löschen. (Das funktioniert fast überall innerhalb weniger Tage.)

Die Profile, die ich löschen konnte, hab ich in der Liste entsprechend markiert. Die, wo ein “einfaches” Löschen (direkt auf der Website) nicht möglich war, ebenfalls.

Schritt 3

Jede Woche habe ich wieder in Google gesucht und geschaut, welche Profile noch vorhanden sind und welche schon gelöscht wurden. Auch diese Änderungen habe ich wieder in die Liste eingetragen.

Meine Erfahrung

Google löscht Suchergebnisse, die als Websites nicht mehr existieren (logisch) und indexiert regelmäßig alle Websites neu, dadurch war ich relativ schnell relativ erfolgreich beim Löschen meiner Daten. Es lohnt sich aber auch, mit Windows Live Search, Yahoo! und Ask zu suchen. Nicht, weil diese Suchmaschinen mehr Ergebnisse anzeigen (ganz im Gegenteil), sondern weil sie durch andere Ranking-Algoritmen auch andere Websites anzeigen.

Ausnahmen & Probleme

Benutzernamen

Die Benutzernamen sind Probleme. Ich habe bei einigen Websites meinen vollen Namen als Benutzernamen verwendet. Das war beim Versuch, die Profile zu löschen, bei manchen Websites ein Problem, da ich den Account nicht löschen konnte!

Profil-Bilder

Viele Websites, bei denen ich zwar mein Profil nicht löschen konnte, aber wenigstens die Daten “zerstörte”, hatten keine Funktion, um das Profil-Bild zu löschen. Das lässt sich leicht umgehen: Nehmt ein leeres Bild (Ich hab eine transparente 1×1 Pixel große GIF-Grafik genommen.) und ladet es hinauf – Problem gelöst.

Unlöschbare Accounts

Ein Grundsatzproblem, das ich oft entdeckt habe ist, dass man Accounts ganz einfach nicht löschen kann. Ich habe selbst mehrere Community-Websites entwickelt und weiß, dass man schwer einfach alle Daten einer Person aus einer Website entfernen kann. Ich weiß aber auch, dass es trotzdem möglich ist, persönliche Daten unerkennbar zu machen. Es lohnt sich, im Zweifelsfall nachzufragen und um eine Account-Löschung zu bitten.

Langzeit-Speicher

Während ich von den Suchmaschinen meine Daten runter bekommen habe, gibt es einen zweiten Typ an Websites, die sich davon nicht beeindrucken lassen, weil sie diese Suchresultate längst gespeichert haben: Profil-Aggregatoren wie Spock (aber nicht wie 123people und Yasni) und Langzeit-Suchmaschinen wie das Web Archive. Letzteres ist zwar unbekannt, langsam und schwer zu durchsuchen, bietet aber trotzden Potential zur missbräuchlichen Verwendung.

Auch die Profil-Aggregatoren sind nicht zu unterschätzen. Sie durchsuchen das Web und löschen alte Ergebnisse nicht, da sie nicht nach den Websites, sondern nach den Informationen suchen. Spock (ich setze keinen Link, da ich kein großer Fan mehr bin – eine Google-Suce nach dem Namen findet die Website ohnehin) kann man zwar beeinflussen – es gibt aber das Risiko, Daten nicht mehr aus dem System zu bekommen. Am Klügsten ist es hier, das Profil für sich zu nützen und zu beeinflussen, um unerwünschte Informationen zu entfernen oder erwünschte Informationen hervorzuheben.

Presentify.at

Dieses Experiment hat mir für Presentify die Augen geöffnet, das naturgemäß ebenfalls persönliche Informationen sammelt. Wir ermöglichen es unseren Mitgliedern aber, ganz einfach ihren Account zu löschen – in diesem Fall werden bis auf den Namen alle Profil-Informationen (Alter, Geschlecht, Homepages, Profil-Bild, etc.) sowie Events (inkl. alle damit zusammenhängenden Daten) und Freundschafts-Einträge vollständig gelöscht, der Name wird zusammengestutzt (aus “Sebastian Moser” wird “Sebastian M.”). Was wir nicht löschen, sind die vom Mitglied erstellten Daten. (Nachrichten, Gästebuch-Einträge, Kommentare)

Ich denke, das ist ein vernünftiger Mittelweg.


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7 Kommentare »

Hi Sebastian!

tja, es ist so, dass paar Suchmaschinen nicht immer alle Seiten neu crawlen. D.h. es wird gecachte Seiten geben mit deinen Info’s, quasi Restleichen.

Wie auch immer, ich bin Pro OpenID. 1 Account fuer X Plattformen.

ich weiss jetzt nicht, wie schwierig es ist zum umsetzen (technisch), aber ich denke, dass das die Zukunft ist.

just my 20 cents.

Sebastian Moser
17. April 2008 @ 16:12 Uhr

Die Restleichen bleiben bisher nicht in den Suchmaschinenergebnissen drinnen – aus dem einfachen Grund, dass Google (meist zurecht) davon ausgeht, dass Websites, die nicht mehr existieren, wohl zurecht nicht mehr existieren.
Der Grund, wieso vor allem Microsoft und Yahoo noch immer viele Seiten von mir im Index haben, die längst nicht mehr existieren ist eher der, dass die das Web nur selten und langsam crawlen. (Im Gegensatz zu Google, das manche Websites täglich besucht.)

OpenID hat damit aber wenig zu tun. Bei OpenID geht’s darum, dass man sich nicht auf jeder Seite separat anmelden muss – etwas, das in der Theorie gut funktioniert, aber nicht mal bei “geekigen” Websites funktioniert. (Beispiel http://www.zooomr.com: Die haben die OpenID-Login-Box auf eine Extra-Seite verbannt, da sie mehr Verwirrung gestiftet als Nutzen gebracht hat.)
Vor allem aber: Wenn man mit OpenID Accounts bei verschiedenen Websites anlegt, existieren diese Accounts trotzdem – egal, ob man diesen Account mit neuem Passwort und Benutzernamen oder mit einem OpenID-Login erstellt hat.

Ich hab über OpenID vor ca. einem Jahr mal geschrieben:
http://blog.sebmos.com/2007/02/21/openid-technischer-hintergrund/

@Suchmaschinen: Naja, auch wenn Google den Platz dominiert, gibt es die anderen eben auch noch – wo nach pers. Daten gesucht werden kann (wenns schon um das Thema geht :)) und die sind da eben ein wenig nachlaessig.

@OpenID: ja, stimmt — mein Denkfehler. Aber, der Account muss trotzdem nur einmal angelegt werden (umgehen von Registrierung usw.) ist aber dann eher Off-Topic und ein anderes thema.

c’est la vie.

Sebastian Moser
17. April 2008 @ 16:58 Uhr

Naja, bei den Suchmaschinen musst du das so sehen:

Yahoo und Microsoft sind einfach nur langsam, aber irgendwann werden auch da meine alten Profile verschwinden.

Web Archive (web.archive.org) kann nicht suchen, sondern nur nach Websites filtern. Das klingt nach etwas, das leicht geändert werden kann, ist es aber nicht. Da liegen riesige Unterschiede.

123people.com und Yasni.de sind wieder kein wirkliches Problem – beide durchsuchen im Wesentlichen verschiedene andere Quellen nach Daten (vor allem klassische Suchmaschinen, die eben wieder verfallen) und speichern die Daten nicht bzw. im Fall von Yasni nur auf Wunsch des Mitglieds.

Wenn wir schon beim Thema sind:
http://blog.sebmos.com/2007/10/31/yasni-schlechter-spock-klon/
Dieser Artikel über Yasni ist seit Monaten einer der meistaufgerufenen Artikeln.

Susel
17. August 2008 @ 20:51 Uhr

Deine Angaben sind schlicht und ergreifend falsch, nur den ersten Absatz gelesen zu haben.
tz..–

Sebastian
18. August 2008 @ 10:50 Uhr

@Susel
Danke für den Kommentar, aber kannst du das auch näher erklären? Können Tatsachenberichte eigentlich falsch sein?

[...] zu einem Aufschrei der Internet-Benutzer/innen. Die Drei haben eines gemeinsam: Sie versuchen, persönliche Daten im Internet durchsuchbar zu machen. Während die amerikanische Personen-Suchmaschine Spock versucht, [...]

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