Rundschau: Erstes Opfer in der österr. Medienbranche

Das Internet bringt die Medienbranche gewaltig in Schwierigkeiten und nur langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass man sich nicht im Zeitungs- sondern im Nachrichten-Geschäft befindet. Die USA sind natürlich wieder schneller, hier werden Medienkonzerne von zwei Seiten in Bedrängnis gebracht: Craigslist reißt Löcher in die Kleinanzeigen-Umsätze und professionelle Blogs (Perez Hilton, TechCrunch, Cnet, Huffington Post) ins Nachrichtengeschäft selbst. Die Huffington Post hat gerade 25 Millionen Dollar für den Aufbau von lokalen Büros wie in Chicago gesammelt.

In Österreich gibt’s vor allem den Standard, der schon sehr früh den Wert des Internets erkannt hat, die Presse ist auch recht gut gerüstet. Jetzt erwischt’s aber erstmal eine Zeitung richtig hart: Die Rundschau, eine Regionalzeitung aus Oberösterreich (eigene Ausgabe für jeden Bezirk). Die entlässt viele Mitarbeiter/innen, vertreibt nur noch gratis Zeitungen (bisher nur Sonntags) und verteilt nur noch in den Ballungsgebieten.

Bei all diesen Plänen vermisse ich einen wichtigen Punkt: www.rundschau.co.at

Was passiert mit dieser Seite? Wie wird sie weiter entwickelt?

Regionaljournalismus ist prädestiniert für “Citizen Journalism”, also einen Journalismusmodell, in dem Leser/innen Informationen beitragen können. Die Rundschau wird mit weniger Personal große Schwierigkeiten haben, gleich viele (oder mehr) Informationen zu finden und betreibt bereits einen Service, der diese Arbeit vereinfachen kann. Mit iRegional (gibts nicht mehr) können Vereine und Gemeinden ihre Nachrichten auf die Rundschau-Seite bringen. Die Redaktion müsste hier nur noch die interessanten Beiträge herauspflücken und in abdrucken.

Ich bin gespannt, wie sich die Online-Zeitung der Rundschau weiterentwickelt.

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5 Kommentare »

David Reisner
6. Januar 2009 @ 12:50 Uhr

Ich denke, dass noch viel zu wenige Zeitungen die Möglichkeit nützen, die “kleine Gemeinden” anbieten. Hier war zum Beispiel die Kleine Zeitung vor kurzem aktiv, die den Gemeinden die Möglichkeit eigener Webseiten gab; bzw. mit den “Online-Blogs” der User auch recht gut aufgestellt ist.

Natürlich stellt sich dann die Frage der Koordination; bzw. die Motivation der User, die jedoch mit Reichweite (ich werde von vielen gelesen, und auch “wertlose” News in Blogs verbreiten sich) bzw. anderen Anreizen (Werbemöglichkeit für Gemeinden bzw. aktuelel Veranstaltungen) sicher erreichen lässt.

Sebastian Moser
7. Januar 2009 @ 13:14 Uhr

Was die Kleine Zeitung hier macht, ist auf jeden Fall kreativ und ein guter Anfang. Die Zeitungen profitieren ja davon – alleine dadurch, dass Nachrichten plötzlich im RSS-Format verfügbar sind und so von Journalist/innen viel leichter gelesen (und gefunden) werden können.

Für die Gemeinden ist der Anreiz vermutlich leider relativ gering, weil denen eher egal ist, ob sie in den Regionalzeitungen erscheinen. Die andere, größere Gruppe, die vermutlich auch die interessanteren Nachrichten produziert, sind aber die Vereine. Bei denen ist die Chance, so einfacher Nachrichten verbreiten zu können, auf jeden Fall eine Motivation.

Wer auch immer das als erstes macht, kann die konventionellen Regionalzeitungen gehörig unter Druck bringen!

David Reisner
7. Januar 2009 @ 14:26 Uhr

Richtig -> hier ist die Frage, wie es möglich wäre, die Vereine zu kontaktieren -> und das erfolgt eben (außer bei überregionalen Sportgruppierungen oder so) wohl über die Gemeinden.

Sebastian Moser
7. Januar 2009 @ 14:29 Uhr

Ich halte das für viel einfacher: Die Zeitungen haben den Start-Vorteil ihrer Print-Ausgaben. Die könnten mehrmals einen großen Artikel zu dem eigenen Angebot schreiben und es anpreisen, und ein Großteil ihrer Zielgruppe kennt das Produkt – ganz einfach.

David Reisner
7. Januar 2009 @ 14:32 Uhr

Richtig -> die Werbeflächen in den Zeitungen sind hier weit effektiver -> hatte die Kleine Zeitung ja auch bei Produkt-Einführung so gemacht. Ich bin gespannt, was hier in Zukunft noch an Produkten bzw. Opfern der Medienbranche kommt.

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