Yasni, 123people und die Privatsphäre

Start-Ups wie Yasni, 123people, Spock und andere führen zunehmend zu einem Aufschrei der Internet-Benutzer/innen. Die Drei haben eines gemeinsam: Sie versuchen, persönliche Daten im Internet durchsuchbar zu machen. Während die amerikanische Personen-Suchmaschine Spock versucht, verfügbare Daten zu konkreten Profilen zu gruppieren (also ein eigenes Profil für jeden “Hans Maier”), gehen die europäischen Pendants Yasni und 123people den einfacheren Weg und fassen für jeden Namen die Suchergebnisse verschiedener Services (Google, Facebook, Herold, etc.) zusammen (also eine Seite für alle “Hans Maier”).

Viele Anwender/innen sind schockiert über die Fülle an Informationen, die oft im Internet zu finden ist. Oft lassen sich Hauptschulaufsätze, peinliche Fotos oder Kommentare finden, von denen man längst vergessen hat, dass man sie jemals geschrieben hat.

Kraken

Mangelnde Sensibilisierung

Das Problem dabei ist offensichtlich: Weder die Entwickler/innen von Webprojekten noch deren Anwender/innen waren auf Privatsphäre sensibilisiert, dadurch wurden Web-Projekte entwickelt, die auf Datenschutz wenig Wert legten und von den Anwender/innen ungefragt mit Informationen gefüllt.

Die Entwickler/innen haben den Anwender/innen keine geeigneten Werkzeuge in die Hand gegeben, um ihre Privatsphäre zu kontrollieren, die haben aber auch nie danach gefragt.
Heute sind wir in einer Situation, in der den Anwender/innen die Sensibilität eingeprügelt wird, weil sie plötzlich bemerken, wie viele Daten eigentlich bereits verfügbar sind. Aber auch die Entwickler/innen werden sensibilisiert: Facebook hat vorgezeigt, dass es möglich ist, die Privatsphäre der Mitglieder zu schützen, wenn das ihr Wunsch ist.

Don’t shoot the Messenger

Wir dürfen jetzt nicht anfangen, die falschen Leute kritisieren. Angebote wie Yasni und 123people haben eine breite Masse an Menschen erst auf das Problem der Privatsphäre sensibilisiert, veröffentlichen selbst aber keine neuen Daten. Amazons Wunschlisten (als Beispiel) sind nunmal öffentlich (und können “privat” gemacht werden).

Die positive Seite ist auch klar: Die Anwender/innen fangen langsam an, ihre Online-Präsenz zu kontrollieren und Beschränkungen in der Datenverarbeitung zu fordern (siehe StudiVZ, wo man seit heftigen Protesten personalisierte Werbung deaktivieren kann).

Vor allem aber sind alle Daten, die heute auf Yasni oder 123people zu finden sind, auch anderorts zu finden. Die “Bösen” wussten schon immer, wie man sie findet. Die haben im Browser 10 Tabs geöffnet und verschiedene Services (Google, Herold, Facebook, MySpace, Google Images, etc.) durchsucht und hatten die gleichen Informationen am Bildschirm.

Wir sollten froh sein, dass einer immer größeren Anzahl an Menschen bewusst wird, wie viele Informationen über sie im Internet vorhanden sind!

Presentify

Diese Diskussion hat für mich als Mitgründer von Presentify auch eine persönliche Dimension. So hab ich bemerkt, dass in den letzten Monaten zunehmend die Privatsphäre-Einstellungen angepasst wurden, einige Mitglieder sogar ihre Accounts gelöscht haben, um damit nicht mehr bei Google gefunden werden zu können.

Wir ermöglichen unseren Mitgliedern selbstverständlich, den Grad der Veröffentlichung ihrer Daten zu kontrollieren und in Suchergebnisseiten aller Art (Mitglieder-Suche auf Presentify, Google, 123people) nicht vorzukommen.

Google spielt mit den Muskeln

Personen-Suchmaschinen. Ein Thema, das angeblich bis zu 30% aller Suchanfragen ausmacht. Ein Geschäft, das mit Spock, Yasni, 123people und anderen viele Start-Ups und viel Risikokapital angezogen hat. Diese Suchmaschinen machen alle in etwa folgendes: Sie durchsuchen verschiedene Quellen nach Personen und präsentieren die Ergebnisse unterschiedlich gut.

Facebook und MySpace, beide jenseits der 100 Millionen Mitglieder, haben’s da einfacher. Die brauchen nur ihre Profile durchsuchen lassen – und fertig ist eine höchst effiziente Personen-Suchmaschine.

Jetzt steigt auch noch Google in den Ring und zeigt allen, wo der Bartl den Most herholt. Mit einer technisch dermaßen unspektakulären Lösung, dass sie aber wirklich nur mit Google erfolgreich werden könnte. Und zwar gibt’s Google Profile, die kaum auffindbar sind, aber doch irgendwie erstellt werden können.

Und hier kann man die dann durchsuchen: http://www.google.com/s2/profiles

Erfolgreich wird das aber trotzdem nicht. Es gibt keinen guten Grund, ein Profil bei Google zu erstellen – und bisher hat Google nicht gezeigt, dass es überhaupt etwas vom “sozialen Web” versteht.