Ich sehe gerade CNN’s “Around The World”, mit einem Report über die Haifa Street in Bagdad. Eine Straße, in der vor einem Jahr heftige Kämpfe zwischen der US-Armee und Aufständischen bzw. Kriminellen stattfanden. Mittlerweile ist die Straße wieder sehr lebhaft, ein großer Markt ermöglicht es den Angehörigen, in der Nähe einzukaufen.
Die Bevölkerung ist vorsichtig optimistisch, ein interviewter Iraki, befürchtet, dass sich die Situation nach einem Abzug der Amerikaner massiv verschlechtern könnte.
Was sagt uns das?
Aufstockung der Truppen
Die Aufstockung der Truppen letztes Jahr um ca. 30.000 SoldatInnen war richtig und wichtig. Ich bin froh, dass das so ist.
Tödlichstes Jahr, Sicherstes Jahr
2007 war einerseits das tödlichste Jahr für US-SoldatInnen, andererseits eines der sichersten Jahre für die irakische Bevölkerung. Die Provinz Anbar konnte durch eine riskante Zusammenarbeit mit den lokalen Stammesführern (sie wurden mit Waffen beliefert, haben im Gegenzug geholfen, die Al Kaida zu vertreiben) zu einer der sichersten Provinzen Iraks verwandelt werden. (Vorher war die Provinz Anbar eine der tödlichsten Provinzen.)
Man kann eindeutig nicht sagen, dass der Irak jetzt gerettet und geheilt ist. Aber: Es sterben weniger ZivilistInnen, dafür mehr SoldatInnen.
Aber: Insgesamt sterben trotzdem deutlich weniger Menschen.
Schwarz –> Grau –> Weiß
Bush ist kein guter Präsident. Er ist nicht der Klügste und hat sich mit schlechten BeraterInnen eingedeckt. Er ist naiv und eindeutig nicht fähig, Krisen zu managen. ABER: Nicht alles, was er gemacht hat, war völlig falsch. Die Welt ist nicht schwarz und weiß. Sie hat viele verschiedene Graustufen.
Die Entscheidung, 30.000 weitere SoldatInnen in den Irak zu schicken, war eine gute. Obwohl Bush sie getroffen hat. Die Demokratische Partei war dagegen, aber sie war im Unrecht. Egal, wie schlecht Bush als Präsident ihrer Meinung nach war – komplette Verweigerung ist keine Lösung. Es ist unverantwortlich und dumm.
Präsidentschaft 08
Die Veränderungen im Irak wird auch seine Auswirkungen auf die US Präsidentschaftswahlen haben. Der Irakkrieg könnte bis zum Herbst eine Aussicht bekommen.
Was passiert mit den KandidatInnen, falls sich die Situation tatsächlich deutlich verbessert:
- Repuplikaner John McCain würde einen massiven Auftrieb bekommen. Er war immer für den Krieg und hat George W. Bush bei seinen Entscheidungen unterstützt – obwohl das selbst bei den RepuplikanerInnen langsam unbeliebt wurde.
- Demokratin Hillary Clinton hingegen hat sich vom Krieg distanziert, gibt Bush die Schuld für ihre Entscheidung für den Irakkrieg. (Sie hat ihm bzw. den Geheimdiensten beim Kriegsgrund vertraut.) Sie würde sicher leiden, denn plötzlich wäre der Irak-Krieg nicht mehr so falsch und schlecht.
- Demokrat Barack Obama ist wieder in einer anderen Situation. Er war immer gegen den Krieg, musste aber auch nie dafür stimmen. Er müsste sich aber nicht Flip-Flopper nennen lassen – im Gegensatz zu Hillary Clinton.
- Repuplikaner Mitt Romney wäre davon ziemlich unberührt. Der Irak-Krieg ist kein wesentlicher Bestandteil seiner Kampagne – er würde sich weiterhin auf die Wirtschaft konzentrieren, bei der er als sehr erfolgreicher Ex-Manager seinen Vorteil sieht.
Ich würde mich über eure Meinung dazu freuen. :)