AFPAK: Möglichkeiten für Afghanistan

Als Obama seinen Friedensnobelpreis gewonnen hat, hab ich mich wie viele andere gefragt, ob er ihn verdient hat. Er hat ihn laut offizieller Begründung für die Neuordnung der amerikanischen Diplomatie hin zu mehr Kooperation und Multilateralität bekommen. Das ist etwas, was weitgehend hinter den Kulissen abgelaufen ist, in Form von Personal-Entscheidungen, nachdem er die Präsidentschaft übernommen hat. Obama und die Öffentlichkeit haben ihn dagegen als Vorschusslorbeeren für seine Zukunfts-Pläne gesehen – und ein bisschen dafür, dass er ein starker Kontrast zu George W. Bush ist. Das ist nicht illegitim – im Gegensatz zu anderen Nobelpreisen werden beim Friedensnobelpreis nicht nur Erfolge, sondern auch das Streben nach einer friedlicheren Welt, prämiert. So fordert Nobel das in seinem Testament.

Ich denke trotzdem nicht, dass das genug für den Nobelpreis ist, denn die Umstellung der Diplomatie war politisch keine schwierige Aufgabe. Die US-Bevölkerung hat sich schon lange mehrheitlich für Verhandlungen mit “Schurkenstaaten” ausgesprochen, die Kritik der Republikaner daran war schwach und hat niemanden interessiert. Man kann ihn bestenfalls dafür loben, dass er in so kurzer Zeit die richtigen Personen gefunden hat, um seine Strategie umzusetzen. Aber von einem Präsidenten wie Obama hätte ich das ohnehin erwartet.

Afghanistan & Pakistan

Politische Risiken ist er in der Außenpolitik bisher keine eingetragen, und die wird in den ersten vier Jahren vor allem von seiner AFPAK-Strategie (Afghanistan/Pakistan) geprägt sein. Wie und ob die USA Pakistan unterstützen und wie in Afghanistan weiter geht, wird entscheiden, wie stabil die Region langfristig sein wird. Obamas Möglichkeiten möchte ich hier kommentieren:

Entweder: Truppen abziehen

Die USA und die NATO könnten über zwei, drei Jahre ihre Truppen komplett abziehen. Ein Übergangszeitraum wäre notwendig, um Afghanistan auf “die Zeit danach” so gut wie möglich vorzubereiten. In dieser Zeit würden afghanische Truppen langsam versuchen, die Kontrolle über verschiedene Landesteile übernehmen. Außerdem würden vermutlich regionalen War Lords wieder unterstützt, damit auch sie die Taliban bekämpfen können. Das Ergebnis wäre ähnlich der Situation zwischen dem Abzug der Soviets und dem Einmarsch der NATO-Truppen: Ein andauernder Bürgerkrieg, ein Zerfall des Landes in von autoritären Warlords bzw. den Taliban beherrschte Provinzen.

Ich verstehe nicht, wie das jemand ernsthaft fordern kann. Aber doch: In Europa gibt es viele Parteien (zB die SED-Nachfolgepartei “Linke” in Deutschland), die danach rufen. Für Obama steht das zum Glück nicht zur Debatte.

Oder: Truppen aufstocken

Wollen die USA die Taliban ernsthaft besiegen, muss das über mehrere Schienen parallel laufen:

  1. Afghanische Armee aufbauen. Afghanistan muss früher oder später selbst die Kontrolle über Afghanistan übernehmen können. Der Aufbau der Armee ist schwieriger als im Irak, weil es in Afghanistan keine Strukturen gibt, auf denen aufgebaut werden kann. (Die Armeen der War Lords sind mit konventionellen Armeen nur wenig vergleichbar.)
  2. Taliban militärisch bekämpfen. Auch das wird nicht ausbleiben. So lange die Al Kaida Einfluss auf die Taliban hat, wird Appeasement, wie schon in Pakistan, nicht funktionieren. Bis die afghanische Armee das selbst tun kann, muss das das US-Militär übernehmen – dafür werden mehr Kampftruppen notwendig sein als aktuell im Land sind.
    Wichtig ist dabei auch: Egal, ob es strategisch richtig war, Taliban-Gebiete wie die Provinz Helmand einfach zu überrennen (anstatt sie zu “umschließen” und über mehrere Monate langsam unter Kontrolle zu bringen) – Gebiete, die besetzt werden, dürfen nicht aufgegeben werden. Das wäre ein Todesurteil für die Afghanis, die mit der afghanischen Armee und den Koalitionstruppen zusammenarbeiten.
    Bei diesem Kampf müssen auf jeden Fall weiterhin die neuen Einsatzregeln der US-Armee befolgt werden: Es werden nur noch selten Luftangriffe angefordert, Taliban-kontrollierte Gebiete werden nur noch in Ausnahmefällen mit Artillerie beschossen, bevor die Bodentruppen einmarschieren, bei Beschuss durch Taliban wird nicht zurück geschossen, wenn offensichtlich zivile Opfer riskiert werden. Diese Regeln erhöhen zwar das Risiko für die amerikanischen Soldaten, verursachen aber weniger tote Zivilist/innen.
  3. Verhandlungswillige Taliban von Al Kaida trennen. Taliban ist nicht gleich Taliban. Die Taliban, vor allem die Unterstützer aus Pakistan, sind aus unterschiedlichen Gruppen zusammen gesetzt, die sich erst seit zwei, drei Jahren miteinander verstehen. Manche kämpfen um Einfluss im politischen Prozess, andere dagegen, die die Al Kaida-Ideologie stärker verinnerlicht haben, wollen internationale Truppen bis zu deren Abzug bekämpfen, um ein Kalifat zu errichten (oder was auch immer deren illusorische Vorstellungen sind). Mit der ersten Gruppe können Verhandlungen möglich sein – aber nur, wenn sie von der zweiten Gruppe getrennt werden. Das geht einerseits durch den allgemeinen Kampf gegen die Taliban, da deren Zusammenhalt auch davon geprägt ist, dass sie so tatsächlich Erfolge feiern, andererseits dadurch, vereinende Figuren, naja, “unschädlich” zu machen. (Wobei Verhaftungen vorzuziehen wären, aber vermutlich nicht möglich sind.)
  4. Wiederaufbau vorantreiben. Nur, wenn die Bevölkerung einen Vorteil aus der Präsenz der Koalitionstruppen zieht, wird sie ihnen positiv gegenüber stehen, Hinweise auf versteckte IEDs (Improvised Explosive Devices) geben, etc. Die Taliban sind auch deshalb so stark, weil sie relativ gut in der Bevölkerung verankert sind. Dieser Anker muss gelöst werden.
    Das gleiche gilt für Pakistan, wobei hier bereits die Kerry-Lugar Bill verabschiedet wurde, die genau das tun soll.
  5. Zusammenarbeit mit pakistanischer Armee ausbauen. Als die Taliban aus Helmand vertrieben wurden, sind sie einfach auf nach Pakistan gegangen und verbreiten jetzt dort Chaos und Zerstörung. Wäre die Offensive in Helmand mit einer pakistanischen Armeeoffensive einhergegangen, hätte man sie an der Grenze einkesseln und “endgültig” erledigen können. Außerdem muss die nachrichtendienstliche Zusammenarbeit verstärkt und die pakistanische Armee logistisch unterstützt werden, wo immer das möglich ist.

Diese Strategie hat im Irak bereits funktioniert: Man hat sunnitische Stämme von der Al Kaida getrennt, in das Staatsgefüge eingegliedert und damit sowohl die Al Kaida vertrieben als auch den Bürgerkrieg beendet. Das kann vom Prinzip her auch in Afghanistan funktionieren.

Diese Idee ist aber auch riskant. Ein “Troop Surge” wird nicht nur die US-Armee, die durch die beiden parallelen Kriege bereits seit Jahren an der Grenze ihrer Möglichkeiten ist, weiter strapazieren. Er wird wenigstens kurzfristig mehr Soldat/innen das Leben kosten, hat also das Potential, politisch für Obama zum Problem zu werden. Außerdem kosten die Kriege unglaublich viel Geld.

Mittelweg?

Einen Mittelweg (keine oder sehr wenige zusätzliche Truppen, aber auch kein kurzfristiger Abzug) gibt es eigentlich nicht, der ist in den vergangenen 8 Jahren gescheitert. Einerseits, weil die Bush-Regierung den Afghanistan-Krieg nie zu Ende gekämpft hat (sobald Afghanistan besetzt war, begannen die Vorbereitungen für den Irak-Krieg), andererseits, weil sich die europäischen Allierten nie besonders um Afghanistan gekümmert haben.

Leider hat ein Mittelweg sehr reele Chancen. Es wäre politisch einfacher umzusetzen und kurzfristig kostengünstiger.

Klartext

Schaffen die internationalen Truppen es nicht, die Taliban (bzw. den Al Kaida-Einfluss auf die Taliban) zu stoppen, könnten sie sich im Land als Machtfaktor etablieren und durch Verbesserung ihrer Methoden zum unlösbaren Problem werden. Die Verluste der afghanischen und internationalen Truppen sowie die zivilen Opfer (durch Militäraktionen und Terroranschläge) würden weiterhin langsam steigen. Die Bevölkerung würde sich nach einigen Jahren in Hoffnung auf mehr Stabilität auf die Seite der Taliban schlagen. Ziehen dann die internationalen Truppen ab, bliebe das Land wieder den Taliban und den War Lords überlassen, die Bürgerkriegsmäßig einige Jahre weiter kämpfen würden.
Mit den Koalitionstruppen würden auch Investoren und die afghanische “Elite” (Gebildete, Unternehmer) das Land verlassen, was wirtschaftlich zusätzlichen Schaden anrichten würde, was es den Taliban noch leichter machen würde, die Bevölkerung zu kontrollieren.

Obama hat aber mittlerweile zwei Teilentscheidungen getroffen. Im Februar hat er 17.000 weitere Soldat/innen ins Land versetzt und vor wenigen Tagen hat er angekündigt, noch einmal 13.000 Soldat/innen nach Afghanistan zu schicken. Das ist deutlich weniger als die 60.000 Truppen, die General McCrystal, Oberkommandierender der Koalitionstruppen, gefordert hat (die 17.000 aus dem Februar sind da nicht eingerechnet).

Obama hat zwar gesagt, dass die Strategie-Überprüfung noch nicht abgeschlossen ist und weitere Truppen nach Afghanistan geschickt werden könnten – im Moment befürchte ich aber, dass er auf einen Mittelweg abzielt.

In Pakistan geht er dagegen den richtigen Weg: Die Kerry-Lugar-Bill wird während der nächsten 5 Jahre bis zu 7,5 Milliarden Dollar, hauptsächlich in den zivilen Wiederaufbau, investieren. Falls Pakistan das Geld überhaupt akzeptiert, denn der Gesetzesvorschlag ist dort sehr umstritten, weil er an Auflagen, wie eine Reduktion des Einflusses der Armee auf die Politik, gebunden ist.

In der Zwischenzeit gibt es wieder ein positives Resultat auf politischer Ebene: Hamid Karzai hat akzeptiert, dass es vor allem durch sein Lager zu massivem Wahlbetrug gekommen ist und es deshalb eine Stichwahl gegen seinen Herausforderer Dr. Abdullah Abdullah geben wird, die er ohnehin gewinnen wird.
Ich hoffe, dass beide die Chance nutzen werden, um der afghanischen Bevölkerung klar zu machen, wie gut es demokratiepolitisch ist, dass der Wahlbetrug wenigstens nachträglich erkannt wurde, es die Stichwahl gibt und das alles ohne gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den beiden Lagern abgelaufen ist. (Dr. Abdullah tut das bereits, Karzai scheint noch nicht so recht verdaut zu haben, dass eine Stichwahl notwendig ist.)

Wer wird CIA-Chef/in?

ciaDie sicherheitspolitisch wichtigste Entscheidung von Präsident Barack Obama, wichtiger als der Verlauf des Irak- und Afghanistankriegs oder des Iran-Konflikts, ist die Entscheidung, wer als nächstes die CIA leiten wird, und die Frage, wie die CIA reformiert wird.

Ich habe im Sommer das Buch “Legacy of Ashes” von Tim Weiner gelesen, ein hervorragendes Buch über die (traurige) Geschichte der CIA. Ich hoffe, dass auch Obama es gelesen hat – oder wenigstens sein Geheimdienstberater, denn es würde ihnen verständlich machen, wie schlecht die CIA wirklich läuft.

Die CIA stellt die vorderste Front im Krieg gegen den Terror, nicht das Militär. George Bush hat die Reform der CIA vernachlässigt, weil die Neocons ihr ohnehin nie vertraut haben. (Nicht ganz zu unrecht.) Die Auslagerung von Geheimdienstarbeit war eine sicherheitspolitische Katastrophe, die der CIA die wenigen guten Mitarbeiter gekostet hat, die sie hatte, aber keine Verbesserungen brachte. Die CIA muss wieder die vorderste Front im Kampf gegen den Terror werden – indem sie Bankkonten von Terroristen findet und sperrt, Terrorismus finanzierende Organisationen aufdeckt (und deren Heimatländern dabei hilft, sie zu schließen), Terroristen identifiziert, gefangen nimmt und den Prozess macht – und das Wichtigste: Indem sie Terroranschläge verhindert, bevor sie überhaupt passieren.

Der/die neue Chef/in muss kompetent sein und die CIA kennen, muss den Respekt der leitenden Mitarbeiter/innen haben oder schnell bekommen können und darf nicht ideologisch verblendet sein. Es gibt sicher nicht viele Personen, die diesen Anforderungen entsprechen, wenn es sie überhaupt gibt. Schafft Obama es nicht, die richtige Führungskraft für die CIA zu finden, kann Obama sich den Krieg gegen den Terror abschminken.

Ewiger, österreichischer Pessimismus

Barack ObamaDieser Artikel ist für mich etwas ganz besonderes. Ich freue mich schon gut ein Jahr darauf, ihn schreiben zu können, hab schon vor Monaten überlegt, was ich wie schreiben werde.

Der Pessismismus in Österreich ist sagenhaft, speziell in der Politik. Nie wird etwas gutes passieren, alle Politiker/innen, sind grundsätzlich schlecht – und wenn jemand gut erscheint, ist er/sie trotzdem schlecht – selbst im Kreise derer, denen es besser geht. Ich werde das am Beispiel der amerikanischen Präsidentschafts-(Vor-)Wahlen und der Stimmung im Forum von derStandard.at erklären. Menschen, die derStandard.at lesen, sind tendenziell im Mittelstand zu finden, gehören nicht zu den Wenigverdiener/innen.

Situation 1: Vor den ersten Vorwahlen

Obama hat hinter sich bereits eine beachtliche Wahlkampfmaschinerie aufgebaut und begeistert die Massen. In den Umfragen sind er und Clinton nahe beieinander. Ein Großteil der Postings zu den Vorwahlkampf-Artikeln hat folgenden Grundtenor:

Obama wäre toll, die demokratische Partei ist aber zu rassistisch, um ihn auch nur eine einzige Vorwahl gewinnen zu lassen.

Situation 2: Erste Vorwahlen gewonnen

Obama hat die ersten Erfolge hinter sich, die Umfragen schauen immer besser aus, Clinton kommt immer mehr unter Druck. Er schlägt einen Wahlkampf-Spenden-Rekord nach dem anderen. Grundtenor der Postings:

Obama wäre toll, die demokratische Partei ist aber zu rassistisch, um ihn tatsächlich als Kandidaten für die Präsidentschaft aufzustellen.

Situation 3: Vorwahlkampf gewonnen

Obama hat die Vorwahl gewonnen, Clinton gesteht seinen Sieg ein und stellt sich hinter Obama. Ein Spendenrekord nach dem anderen. Grundtenor der Postings:

Obama wäre ganz nett, die Amerikaner/innen sind aber zu rassistisch, um ihn tatsächlich zum Präsidenten zu wählen.

Situation 4: Obama in Umfragen vorne

Obama sammelt mehr Spenden, als jemals ein Präsidentschaftskandidat zuvor, seine Kampagne läuft wie geschmiert, die Umfragen in den Swing States schauen gut aus. Grundtenor der Postings:

Obama ist nicht besser als Bush, er ist ein “verlogener Politiker”, wie alle anderen auch. Unter ihm wird sich nichts ändern.

Situation 5: Obama ist gewählt

Einer seiner Mitarbeiter gibt bekannt, dass man bereits 200 Verordnungen identifiziert hat, die sofort nach Amtsantritt zurückgenommen werden, auch im Umweltbereich. Grundtenor der Postings:

Maßnahmen bringen nichts, sind viel zu wenig, Obama ist nicht besser als Bush. Blah, Blah, Blah.

Vertrauen

Robert Misik hat in seinem Video-Blog im Standard einmal gefordert, einfach daran zu glauben, dass sich etwas zum Positiven verändern kann, dass Obama eine Verbesserung herbeiführen kann. Es gab und gibt genügend Gründe, an Obama zu glauben. Er ist in einem internationalen Umfeld aufgewachsen, versteht daher die Welt ziemlich sicher besser als McCain. Er ist Sozialarbeiter geworden, obwohl er als Anwalt Millionen verdienen hätte können. Er hat seine Kampagne perfekt gemanaged. Er hat auf die Finanzkrise überlegt und vernünftig reagiert, sich mit den richtigen Leuten umgeben. Sein politisches Programm im Allgemeinen scheint sehr durchdacht und realistisch zu sein.

Obama ist noch gar nicht Präsident. Die Verordnungen, die er rückgängig nehmen will, wird er an seinen ersten Tagen zurücknehmen – seine gesamte Amtszeit ist lange genug, um auch konkrete legislative Projekte durchzusetzen. Man muss ihm schon ein Jahr Zeit geben, bevor man ihn wirlklich beurteilen kann. Dann kann es tatsächlich passieren, dass er sich als falsche Wahl herausstellt – wer weiß? Es ist aber nicht zu erwarten.

Obama übernimmt das Weiße Haus

Der Übernahmeprozess des Präsidenten ist ja genau vorgeschrieben, der neue Präsident hat bis zu seiner Amtsübernahme am 20. Jänner Zeit, sein Kabinett zu bestimmen und muss von der alten Regierung in die Arbeitsabläufe eingeführt werden. Die USA zu regieren ist ein ganzes Stück komplizierter als das in einer Bananenrepublik wie Österreich der Fall ist – da ist man Oberbefehlshaber/in über die Luftwaffe, die Marine und die Armee, kontrolliert 16 Geheimdienste und muss dazu noch alle Regierungsbehörden komplett neu besetzen. Insgesamt 3.000 Personen werden hier neu eingestellt (und verlieren ihren Job).

Ich hab den Eindruck, dass Präsident Barack Obama (ich schreib das so gerne aus :D) darauf vorbereitet war, er und seine Berater/innen scheint alles gut im Griff zu haben. John Podesta, Chef seines Übernahme-Teams, hat 200 Weisungen genannt, die Obama unmittelbar nach seinem Antritt revidieren will, ein wichtiger Bereich ist dabei die Umweltpolitik.

George “the mother of all lame ducks” Bush versucht indes, noch möglichst viel seiner “Ansichten” durchzuzwingen, mutiert dabei in den Medien aber immer mehr zu einem Treppenwitz. Er scheint nicht mehr die Agenda zu setzen. In außenpolitischen Konflikten wenden sich die Politiker an Obama, obwohl er eigentlich noch nichts zu sagen hat.

Es scheint nicht so, als würde irgend jemand ernsthaft Bush vermissen, weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene.

Verwendet Obama versteckt Hypnose in Reden?

Laut “Bot Psalmerna”, scheinbar religiös-konservativer Scribd-User (Scribd = Document Sharing Service), verwendet der eben gewählte Präsident Barack Obama in seinen Reden eine versteckte Hypnose-Technik, die irgendwie mit der Rede-Technik NLP zusammen hängt, die aber niemand kennt. Auf 67 Seiten erklärt Bot Psalmerna in pseudo-wissenschaftlichen Kauderwelsch das Phänomen, Massen mit Reden zu begeistern.

Das erinnert mich an den ORF-Moderator Klaus Emmerich in der Wahlnacht, der Obama’s Reden mit denen von Adolf Hitler verglichen hat (neben Aussagen, dass er sich nicht von einem Schwarzen dirigieren lassen wollen würde).

Herrgottnochmal!

Präsident Barack Obama’s Blog: Change.gov

Präsident Barack Obama weiß, dass er seine Präsidentschaft maßgeblich dem Internet zu verdanken hat. Ohne wäre er ziemlich sicher gar nicht von der Demokratischen Partei nominiert worden, geschweige denn zum Präsident gewählt worden.

Heute geht der präsidialer Blog, ganz offiziell, mit einer .gov-Regierungsdomain, online. Ok, eigentlich ist das mehr als ein Blog, der ist nur ein Teilbereich:

Change.gov

Viel ist auf der Seite noch nicht drauf – aber alleine die Tatsache, dass es ihn gibt, gibt Hoffnung für die Zukunft. Der Blog ist auf jeden Fall in meinem RSS-Reader drin!

Präsident Barack Obama's Blog: Change.gov

Präsident Barack Obama weiß, dass er seine Präsidentschaft maßgeblich dem Internet zu verdanken hat. Ohne wäre er ziemlich sicher gar nicht von der Demokratischen Partei nominiert worden, geschweige denn zum Präsident gewählt worden.

Heute geht der präsidialer Blog, ganz offiziell, mit einer .gov-Regierungsdomain, online. Ok, eigentlich ist das mehr als ein Blog, der ist nur ein Teilbereich:

Change.gov

Viel ist auf der Seite noch nicht drauf – aber alleine die Tatsache, dass es ihn gibt, gibt Hoffnung für die Zukunft. Der Blog ist auf jeden Fall in meinem RSS-Reader drin!

Warum hat John McCain verloren?

Barack Obama ist der 44. Präsident der USA – aber warum nicht John McCain? Hätte er gewinnen können? Was hat er falsch gemacht? Grundsätzlich muss man sagen: Nach George W. Bush ist es ein Wunder, dass ein republikanischer Kandidat überhaupt die Chance hatte, diese Wahl zu gewinnen – und außer McCain hätte diese Chance wohl niemand gehabt. Verloren hat John McCain die Wahl schlussendlich vor allem aus folgenden Gründen verloren:

Wirtschaftskrise

Die Wirtschaftskrise, die in den USA noch viel deutlicher zu spüren ist, ist der laut Exit Polls der Haupt-Grund gewesen, Barack Obama zu wählen. Nur ganz wenige (~5%) haben McCain aus diesem Grund gewählt. Vor der Lehman Brothers-Pleite war John McCain in den Umfragen voran, seine schlechte Reaktion darauf hat ihn innerhalb weniger Tage um bis zu 10% in den Umfragen zurückfallen lassen. Er hat es nicht geschafft, einen vernünftigen, glaubwürdigen Plan vorzulegen, hat stattdessen jeden Tag einen neuen Vorschlag gemacht, von denen viele Müll waren. Seine Aussage “The fundamentals of our economy are strong” wenige Wochen vor dem “Schwarzen Montag” hat Obama perfekten Stoff für Werbekampagnen gegen McCain geliefert. John McCain hat im Vorwahlkampf einmal gesagt, dass er nichts von Wirtschafts versteht, sich aber mit den richtigen Beratern umgeben wird. Davon hat man nichts gemerkt.

Sarah Palin

Mit Sarah Palin hat McCain hoch gepokert. Er hat eine Frau als “Running Mate” genommen, die nicht nur völlig unerfahren ist, sondern die er nicht kannte. Er hat zwei Mal mit ihr gesprochen, bevor er sie beim republikanischen Parteitag vorgestellt hat. Er ist damit spektakulär gescheitert. Sarah Palin hat sich nicht nur regelmäßig zur Witzfigur des Wahlkampfs gemacht, sie hat auch bald begonnen, die McCain-Kampagne zu ignorieren und eine Profilierungs-Kampagne zu führen. Als John McCain die Rhetorik gegen Obama weniger aggressiv gestalten wollte, hat sie weiterhin Obama die Nähe zu Terroristen unterstellt oder vorgeworfen, er wolle den Sozialismus in den USA einführen. Außerdem hat er mit der Wahl der unerfahrenen Sarah Palin seine zweitgrößte Stärke (nach Außenpolitik) verloren: Die Erfahrung. Die McCain-Kampagne hat nach der Wahl Sarah Palin’s als Vizepräsidentschaftskandidatin aufgehört, von Erfahrung zu sprechen. Sarah Palin hat McCain zwar der Basis näher gebracht, ihn gleichzeitig aber von den moderaten Wechselwähler/innen – ohne die keine Wahl zu gewinnen ist – entfernt.

Negativ-Wahlkampf

Die Kampagne von McCain war sehr negativ geführt – nicht so negativ wie 2004 die Bush-Kampagne gegen John Kerry, aber sicherlich sehr negativ. In “Robo Calls” (automatischen Anrufen durch Telefoncomputer) hat er Obama vorgeworfen, Moslem zu sein oder privat mit Terroristen zu verkehren. Diese Art von Wahlkampf funktioniert vielleicht zur Motivation der eigenen Parteibasis, aber immer weniger als allgemeine Wahlstrategie. Durch das Internet wird es einfacher, solche Schmutzkübelkampagnen aufzudecken – was Obama mit FightTheSmears.com gemacht hat. Das alles hat ihn als grantigen, alten Mann dastehen lassen, nicht als Staatsmann.

Schlechter Wahlkampf

Bottom Line: Sein Wahlkampf war schlecht. Er hat mehrmals seine Strategie geändert, hatte keinen Slogan, kein einheitliches Thema. Das mag in manchen Kampagnen genug sein, gegen die perfekt organisierte Obama-Kampagne war das viel zu wenig.

Obama ist 44. Präsident der USA!

Barack ObamaEs ist jetzt 6 Uhr in der Früh, ich hab die ganze Nacht CNN geschaut und mit einem McCain-Anhänger diskutiert – war echt spannend. Jetzt ist dann doch das Ergebnis eingetreten, das ich vorhergesagt habe. Barack Obama hat gewonnen!

Was bedeutet das?

Obama wird kein europäischer Präsident sein! Er wird nicht das tun, was sich Europa erwartet. Er wird viel mehr auf Diplomatie setzen, wird aber auch weiterhin militärisch unterwegs sein, falls das notwendig ist. Er wird kein Gesundheitssystem nach europäischem Vorbild entwickeln, sondern das bestehende so verändern, dass möglichst alle abgedekt werden. Er wird nicht die Todesstrafe abschaffen.

Aber: Er wird Guantanamo zudrehen (auch, wenn das vermutlich noch ein Jahr dauern wird). Er wird einen Abzugsplan für die Irak-Truppen entwickeln. Er wird von Europa mehr Engagement in Afghanistan fordern und auch mehr der eigenen Ressourcen in das asiatische Land investieren.

Wie geht’s jetzt weiter?

Obama wird im Jänner angelobt, bis dahin hat er Zeit, seine Administration zusammenzustellen und sich ein bisschen einzuarbeiten. (Es ist üblich, dass die alte Administration mit der neuen Administration zusammen arbeitet und bereits in Entscheidungen miteinbezieht.)

Was passiert mit BarackObama.com?

Die Seite, die ihn erfolgreich gemacht hat. Die Seite, die seine Kampagne zur bestfinanzierten aller Zeiten gemacht hat. Ich hoffe, dass er diese Seite in seine Präsidentschaft einbinden wird, sie weiterführen wird, das Potential nützen wird. Ich erwarte, dass er das tun wird – blöd wär er, wenn nicht.

Ich habe übrigens gerade Obama’s Rede gehört. Ich werde den Link ergänzen, sobald das geht. Die Rede ist irre – vielleicht die beste Rede, die ich jemals gehört habe. Wahnsinn!

Gute Nacht allerseits. Es war eine wahnsinnige Zeit, es war ein wahnsinniger Wahlkampf, es war ein tolles Finale, mit einem tollen Ergebnis.

Yes We Can!

Palin: Obama hat die Wahl gewonnen!

Sarah PalinSarah Palin, Vizepräsidentschaftskandidatin, hat in einem Interview mit ABC News bekannt gegeben, dass Obama die Wahl gewonnen hat. Indirekt zumindest. Sie hat nämlich angedeutet, 2012 für die Präsidentschaft kandidieren zu wollen. Das geht aber nur, wenn McCain zu dem Zeitpunkt nicht mehr lebt, oder Obama Präsident wird. Und den Tod ihres Running Mates wird sie ja wohl nicht heraufbeschwören, oder?

via derStandard.at