Kalter, herzloser Republikaner

Ein politisch interessierter Freund hat mir heute erklärt, warum er im November auf den Wahlsieg von John McCain hofft:

“Als Amerikaner wär ich natürlich für Obama, als Europäer aber hoffe ich auf einen kalten, herzlosen Republikaner, der den Krieg im Irak und in Afghanistan fortführt, als das Steuergeld in ein besseres Gesundheitssystem und eine Bildungsreform zu investieren. Anstatt dafür zu sorgen, dass möglichst viele Amerikaner das College abschließen, sorgen die Republikaner dafür, dass möglichst viele die Uniform tragen werden – um die Kriege zu führen, die für die westliche, demokratische Welt wichtig sind, für die Europa aber zu feige ist.”

Ich bin zwar ein (Mainstream-)Obama-Fan, Recht hat er trotzdem: Europa ist feige. Der Afghanistan-Krieg kann gewonnen werden, und Europa sollte daran ein großes Interesse haben. Wird der Krieg verloren, wird uns das sicher beeinflussen – ob wir wollen, oder nicht.

(Beim Irak-Krieg sieht die Situation ein bisschen anders aus. Wird der verloren, werden wir auch darunter leiden, hier sind wir aber niemandem Hilfe schuldig – hoffen wir, dass wir bei dieser Ausrede auch bleiben können und die Amerikaner die verschiedenen Bevölkerungsgruppen unter Kontrolle bekommen.)

Politik-Blogs

Man braucht nur die Kampagne von Barack Obama zur Präsidentschaftswahl 2008 anschauen um zu sehen, wie wichtig das Internet in den USA mittlerweile für die Mobilisierung der Massen ist. Hier ein Ausschnitt aus der Online-Kampagne von Barack Obama:

Vieles sind hier sicher Experimente, die Twitter-Seite beispielsweise wird nicht aktiv genutzt, aber es wird viel experimentiert. Während es auch gratis ist, ein MySpace-Profil einzurichten, ist es beispielsweise nicht gratis, einen eigenen Subreddit zu haben. Es wird in diese Experimente also auch Geld investiert.

Wie schaut’s in Österreich aus?

Probieren wir die Homepages der Parteien gereiht nach dem letzten Wahlergebnis durch, und schauen wir, auf welche Blogs verlinkt wird, oder welche sonstige “Social Media”-Projekte.

SPÖ

Direkt auf der Startseite gibt’s einerseits einen RSS-Feed für die SPÖ-Nachrichten. Weiters wird zum “Europa-Blog” von Hannes Swoboda verlinkt, der aber keinen RSS-Feed hat, und dadurch für Nicht-Parteimitglieder oder Nicht-Hannes-Swoboda-Fans keine Relevanz hat.

Weiters ein Link zu einem Blogähnlichen Ding von Laura Rudas. Ebenfalls kein RSS-Feed. Ebenfalls irrelevant.

ÖVP

Die ÖVP-Homepage sieht eher wie ein Portal aus und beinhaltet viel mehr Inhalte, zumindest hat es den Anschein. Abgesehen davon? Nicht viel. Ein RSS-Feed für die Inhalte der Startseite existiert, er ist aber nur als Link am Boden sichtbar. Die zentrale Firefox- und Internet Explorer 7-RSS-Integration ist hiermit hinfällig. Aber immerhin.

Womit die ÖVP brilliert ist, dass man zum Bundesparteitag einige Österreichische Blogger eingeladen hat. Diese durften ohne Maulkorb berichten und wurden wie die anderen PressevertreterInnen behandelt. Gute Aktion.

Grüne

Ein großer Link zum “Blog Portal” und eine Twitter-ähnliche Anwendung, genannt “Grüner SMS Kommentar” zieren die Startseite. Der “Grüne SMS Kommentar” ist älter als Twitter, übrigens.

Die News sind in die verschiedenen Programmpunkte aufgeteilt, die aber leider nicht seperat abonniert werden können. Aber immerhin.

Das Blog Portal aggregiert die Blogs von fünf Grün-PolitikerInnen (Ulrike Lunacek, Johannes Rauch, Peter Pilz, Christoph Chorherr, Marie Ringler) sowie den Pressefeed. Das Blog-Portal an sich ist ebenfalls Teil des allgemeinen Grünen Newsfeeds. Schade. Auch das würd ich gerne seperat abonnieren können.

FPÖ

Die mittlerweile nur noch vierstärkste Partei Österreichs (vor zwei Wahlgängen noch zweistärkste Partei) präsentiert sich betont bunt und ehrlich gesagt ein bisschen unübersichtlich.

Es gibt auf der Homepage keinen RSS-Feed für die an sich recht vielen News, die hier präsentiert werden. Erst die Homepage von Heinz-Christian Strache hat ganz unten rechts einen Link zum Strache-Blog. Bei seinem Blog ist erwähnenswert, dass der letzte Eintrag vom 1. Dezember ist, und davor der letzte Eintrag Ende September geschrieben wurde, außerdem enthält er keinen RSS-Feed, was ihn abermals irrelevant macht.

BZÖ

Die BZÖ-Homepage ist mittlerweile wieder ganz in Orange gehalten, nachdem sich das BZÖ rechtzeitig zur Wahl in Blau umgefärbt hat.

Es gibt, wie bei der FPÖ, keinen RSS-Feed, allerdings hat der Spitzenkandidat, Peter Westenthaler einen eigenen Blog, wie auch bei der FPÖ ohne RSS-Feed.

Fazit

Die Grünen sind zur Zeit wohl die Partei, die Blogs den meisten Raum gibt, und vor allem mit Christoph Chorherr einen wirklich exzellenten Blogger in den eigenen Reihen hat.

Die ÖVP versucht, diesen Rückstand aufzuholen, und die Linkslastigkeit des IT-Sektors ein bisschen auszugleichen, allerdings bisher offensichtlich als Einzel-Projekt, denn auf der Startseite wird noch nichts prominent beworben.

Die Rechts-Außen-Parteien halten offensichtlich nichts von Blogs und RSS-Feeds, oder erwarten sich nicht viel davon.

Die Frage ist jetzt: Welche politischen Blogger in Österreich gibt es sonst noch, und welche verwenden ihre Blogs für mehr als eine hippere Neuformulierung der Partei-Presseaussendungen?