Fazit: Europa-Partei gründen

Ich sehe das Ergebnis der EU-Wahl mit gemischten Gefühlen. Es war zwar für die Grünen ein furchtbar schlechtes Ergebnis, aber doch viel besser, als viele (auch ich) es erwartet hätten. Außerdem ist die FPÖ deutlich unter den Erwartungen geblieben, der im Vergleich wesentlich angenehmere Hans-Peter Martin hat ihr die Proteststimmen genommen. Das BZÖ ist gleich gar nicht im Parlament und hat selbst in Kärnten nur 20% erreicht. (Mit dem ach so undemokratischen Vertrag von Lissabon wird das BZÖ doch noch rein kommen.) Die SPÖ wurde (wie die Grünen) für den EU-Flip-Flop-Kurs bestraft, was ich grundsätzlich für gut halte. (Wie sonst würden die Parteien lernen, dass man die EU nicht den populistischen Flaschen schenken darf?)

Was sind die Konsequenzen?

Aber trotzdem: Welche Konsequenzen müssen die Grünen aus diesem Wahlverlust ziehen? Dass es unklug war, eine unbekannte Kandidatin an den ersten Listenplatz zu setzen und die erfahrenen Mandatar/innen (Voggenhuber, Lichtenegger) zu übergehen, wissen wir mittlerweile. Dass es klug gewesen wäre, eine Listen-interne Rivalität (siehe ÖVP: Strasser vs. Karas) entstehen zu lassen, auch.

Soll jetzt der/die Wahlkampfleiter/in zurücktreten? Die (erfolglose) Spitzenkandidatin? Die (für sie kämpfende) Parteichefin?

Nein, die Konsequenzen müssen anders und weitreichender sein. Dazu eine kurze Analyse: Die Entscheidung, die bei SPÖ und Grünen zu den schlechten Ergebnissen geführt haben, waren innenpolitische Entscheidungen. Der Anti-EU-Kurs der SPÖ, der Flip-Flop-Kurs der Grünen. Gewonnen hat ein Kandidat, der nicht auf innenpolitische Situationen Rücksicht nehmen muss, der einzige reine Europakandidat.

Europa-Partei

EU-Flagge

Die Konsequenz muss die Gründung einer Europa-Partei sein. Einer Partei, die nicht als Vorfeldorganisation der Bundespartei geführt wird, sondern einen eigenständigen Kurs (sei er nun positiv oder kritisch) führen darf. Eine Partei, die nicht bei der Öffentlichkeitsabteilung der Bundespartei um Unterstützung betteln muss, sondern ihre eigene Öffentlichkeitsarbeit mit ihrem eigenen Budget zu ihren eigenen Bedingungen organisiert.

Die Idee macht Sinn: Das Europaparlament wird zur Zeit im Land nicht wahrgenommen, außer es wird für innenpolitische Probleme verantwortlich gemacht, da die Innenpolitik wichtiger ist. (Sie bringt mehr Budget als die EU.) Die Kandidat/innen sind daher allesamt relativ unbekannt oder wenigstens unbeliebt, weil sie selten in den Medien vorkommen – und dann oft in negativem Kontext.

Ich wünsche mir eine Europagrüne Partei. Mit eigenem Personal, eigenen Strukturen, eigenen Mitgliedern, eigener Öffentlichkeitsarbeit. Eine eigene Partei. Die könnte die nächste EU-Wahl gewinnen.

EU-Wahl: Vorzugsstimme für Eva Lichtenberger

Eva Lichtenberger

Am Sonntag ist die EU-Wahl, genauer gesagt die Wahl des EU-Parlaments. Damit geht der wohl grauslichste und thematisch langweiligste Wahlkampf, den ich je miterleben musste, zu Ende. Um so wichtiger ist es, am Sonntag wählen zu gehen!

Ich werd, welche Überraschung, die Grünen wählen. Nicht, weil sie so toll sind (sind sie im Moment nicht), sondern weil sie weiterhin mit Abstand die beste Europa-Partei bleiben. (Mit der Wahl von Ernst Strasser hat sich ja auch die ÖVP ins populistische “Europa ist an allem Schuld”-Eck begeben.) Sie sind im Moment das geringste Übel, wenn man so will.

Ich werd aber vor allem Eva Lichtenberger meine Vorzugsstimme geben. Damit kann ich den Grünen zeigen, dass ich die Wahl von Ulrike Lunacek ungeschicht finde, ohne nicht wählen zu gehen. Außerdem ist sie eine wirkliche Internet- und Copyright-Expertin. Sie braucht keine Industrielobbies, um sich eine Meinung zu Softwarepatenten bilden zu können!

Ich bin übrigens nicht der einzige, der diese Idee für gut findet. Meine Blogger-Kollegen Helge(.at), Gerald Bäck und Christoph Chorherr haben ihre Unterstützung für Eva Lichtenberger ebenfalls öffentlich kundgetan. Mittlerweile gibts sogar eine Facebook-Gruppe, die sich dem Anliegen widmet.

Diese EU-Wahl ist echt wichtig. Die EU entscheidet ca. 50% aller österreichischen Gesetze, mit der neuen Verfassung bekommt das EU-Parlament noch mehr Macht (die undemokratischen Gremien können viel stärker durch das EU-Parlament kontrolliert werden), Österreich wird noch dazu verhältnismäßig einflussreicher (das EU-Parlament wird kleiner, Österreich bekommt aber einen zusätzlichen Sitz).

In diesem Sinne: Spread the Word!