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	<title>sebmos.at &#187; GUT</title>
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	<description>„For every complex problem there is an answer that is clear, simple, and wrong.“ (H. L. Mencken)</description>
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		<title>Interview mit Herbert Schaumberger (GUT)</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Sep 2009 15:29:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Moser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Freistadt]]></category>
		<category><![CDATA[GUT]]></category>
		<category><![CDATA[Herbert Schaumberger]]></category>

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		<description><![CDATA[In Freistadt stehen dieses Wochenende Gemeinderatswahlen an. Eine der Parteien, die in Freistadt zur Wahl steht, ist die Bürgerliste GUT (Gruppe für Umweltschutz und Transparenz). Die Liste ist sozusagen meine wahre politische Heimat, mein Vater war für die Gruppe lange &#8230; <a href="http://sebmos.at/interview-mit-herbert-schaumberger-gut/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Freistadt stehen dieses Wochenende Gemeinderatswahlen an. Eine der Parteien, die in Freistadt zur Wahl steht, ist die Bürgerliste <a href="http://www.gutfreistadt.at/">GUT (Gruppe für Umweltschutz und Transparenz)</a>. Die Liste ist sozusagen meine wahre politische Heimat, <a href="http://standpunkte.at">mein Vater</a> war für die Gruppe lange im Gemeinderat und gestaltet ihre Zeitung.</p>
<p>Dieses Jahr geht die GUT mit einer neuen, vielfältigen Gruppe und vielen neuen Gesichtern an den Start, unter anderem <a href="http://hmoser.wordpress.com/">meiner Mutter</a> und meinem Bruder. Ich möchte versuchen, ein paar dieser Gesichter und die Personen dahinter vorzustellen und der GUT helfen, bekannter zu werden.</p>
<p>In meinem dritten Interview spreche ich mit <strong>Herbert Schaumberger</strong>, der bei der GUT am fünften Listenplatz kandidiert.</p>
<p><em>(Meine ersten beiden Interviews hab ich mit </em><a href="http://sebmos.at/interview-mit-martin-borovansky-gut/"><em>Martin Borovansky</em></a><em> und <a href="http://sebmos.at/interview-mit-hatice-demir-gut/">Hatice Demir</a> gemacht.)</em></p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" title="Herbert Schaumberger" src="http://sebmos.at/wp-content/uploads/2009/09/herbertschaumberger.jpg" alt="herbert-schaumberger" width="382" height="493" /></p>
<p><strong>Stell dich kurz vor!</strong></p>
<p>Ich bin Herbert Schaumberger und bin 36 Jahre alt. Ich komme ursprünglich aus Lasberg, lebe aber seit 15 Jahren in Freistadt.</p>
<p>Ich war bei Oskar Stöglehner in der Hauptschule, danach hab ich eine kaufmännische Lehre bei Rotschne gemacht, da bin ich noch immer. Ich bin da sozusagen Abteilungsleiter der Zweirad-Abteilung.</p>
<p><strong>Wie war Oskar als Lehrer in der Schule?</strong></p>
<p>Ich hab Oskar in zwei Fächern gehabt – in Deutsch, das war meine Stärke, da war ich ziemlich gut und in geometrisches Zeichnen. Das war überhaupt nicht meine Stärke, das war immer ein Horror für mich. Aber nein, ich muss sagen, ich hab ihn eigentlich sehr sympathisch gefunden. Ich bin gut mit ihm zurechtgekommen. Wir haben was gelernt, er war nicht zu locker und nicht zu streng.</p>
<p><strong>Wie bist du mit Politik in Berührung gekommen?</strong></p>
<p>Naja, politisch interessiert war ich immer schon, das wurde mir irgendwie in die Wiege gelegt. Zur aktiven Politik bin ich dann durch die Grünen gekommen. Bei den Grünen gibt es ja die <a href="http://www.andersrum.ooe.gruene.at/">Grünen Andersrum</a>, die sich für die Gleichstellung von Schwulen und Lesben engagiert und das ist für mich ein wichtiges Thema, weil ich selbst schwul bin. Man muss ja immer um seine Rechte kämpfen, also hab ich geschaut, wo ich mich anschließen kann.</p>
<p>Ich bin jetzt seit drei Jahren bei den Grünen Andersrum und mittlerweile auch im Vorstand. Da gibt es regelmäßige Treffen, bei denen wir überlegen, wie wir Gleichstellung erreichen können und Veranstaltungen, bei denen wir darum kämpfen. Dann bin ich auch Mitglied bei den Grünen geworden. Man kann sagen: Ich bin ein Grüner. Ich hab Rudi Anschobers Politik verfolgt, was er erreicht hat ist wirklich ein Meilenstein. Man kann nur hoffen, dass dieser Weg fortgesetzt wird.</p>
<p><strong>Wann hast du dich geoutet?</strong></p>
<p>Erst ziemlich spät, mit 29. Es war ziemlich schwierig am Land, wo darüber einfach nicht geredet wird.</p>
<p><strong>Hast du als Schwuler in Freistadt schon einmal Diskriminierung erlebt?</strong></p>
<p>Nein, bisher nicht, weil ich aber sehr vorsichtig bin. Ich wusste ja, bei wem ich wie weit gehen konnte, wem man das erzählen kann. Wenn ich nicht wusste, wie das ankommt, bin ich im geschützten Bereich geblieben und hab mich gar nicht darauf eingelassen.</p>
<p>Aber ich würde mir wünschen, dass man in Freistadt leben kann, wie man will, dass die Leute toleranter wären, dass das Klima geschaffen wird, wo man darüber reden kann, ohne, dass es weggeschoben wird.</p>
<p><strong>Was muss sich ändern, dass das passiert?</strong></p>
<p>Naja, es gibt viele Kleinigkeiten. Wir haben zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der <a href="http://www.hosilinz.at/">HOSI</a> (Anm.: Homosexuellen-Initiative) einen Regenbogenstammtisch gegründet, der jeden letzten Freitag im Monat im <a href="http://www.presentify.at/local-buehne-in-freistadt-v75">Local</a> stattfindet. Wir nennen das <a href="http://www.hosilinz.at/hosi/angebote/freistadt/">„Mühl4tel Andersrum“</a>.</p>
<p>Da trifft man sich, sieht, dass man nicht alleine ist, kann sich austauschen.</p>
<p><strong>Kann die Gemeindepolitik auch etwas tun, um Gleichstellung zu fördern?</strong></p>
<p>Ja, das finde ich schon. Die Stadt Linz hat ja das <a href="http://www.hosilinz.at/hosi/hosizentrum/">HOSI-Haus</a> errichtet, ein riesen Symbol, so etwas gibts sonst nirgends in Österreich. Das steht jetzt der HOSI zur Verfügung und ist ein tolles Zeichen, das sagt: Ihr seits willkommen, ihr könnt so leben, wie ihr wollt, und wir unterstützen euch dabei!</p>
<p>Da gibts ein Cafe drinnen, viele Veranstaltungen.</p>
<p>Klar kann Freistadt kein Haus für Homosexuelle bauen, aber es soll einfach ein Thema werden. Wenn man darüber redet und auch die Politiker/innen darüber reden, kommt das im Endeffekt allen zugute. Von einem offenen, toleranten Klima kann ja die ganze Stadt profitieren.</p>
<p>Die ÖVP-Linie kennt man eh, die lehnen das leider ab, wollen nichts davon hören. Mit den SPÖ-Leuten könnte man da schon was machen.</p>
<p><strong>Wie bist du mit Gemeindepolitik in Freistadt in Berührung gekommen?</strong></p>
<p>Naja, wie ich Kontakt zu den Grünen gehabt hab, hab ich auch die Bezirksgrünen aus Freistadt kennen gelernt. Es gibt ja im Bezirk in einigen Gemeinden grüne Gruppen, in Hagenberg und Lasberg zum Beispiel. (Anm.: weitere grüne Gruppen gibts in Pregarten, Leopoldschlag und Wartberg/Aist)</p>
<p>Bei Bezirkstreffen hab ich die Bezirkssprecherin kennen gelernt und wir haben uns ausgetauscht, das war immer sehr interessant. Irgendwann ist dann die Frage aufgekommen, ob wir nicht auch in Freistadt eine Gruppe gründen könnten. Ich hab dann gesagt, dass es schon die GUT gibt, die ja grünnahe ist, aber warum nicht gleich eine grüne Gruppierung? Wir haben das dann probiert, aber das wurde zu knapp.</p>
<p>Über diesen Weg hab ich dann Oskar Stöglehner wieder getroffen. Ich hab ja immer verfolgt, was er gemacht hat. Bei seinen Projekten hat man immer gewusst, dass da etwas dahinter steckt, dass das gute Sachen sind. Dann hab ich ihn halt vor einem halben Jahr getroffen und er hat gemeint, dass es keinen großen Unterschied macht, ob es jetzt die GUT oder eine grüne Gruppe ist, und es schade wäre, wenn wir uns aufteilen würden.</p>
<p><strong>Da würde man sich ja gegenseitig kanibalisieren!</strong></p>
<p>Genau, das hätte ich auch sicher nicht gewollt. Dann hat er mich gefragt, ob ich nicht auf die Liste kommen will, und ich hab zugesagt. Für mich ist das total ok, dass das keine grüne Gruppe ist – die grüne Handschrift ist bei beiden dabei und ich kann mich hier genauso verwirklichen, wie bei einer grünen Gruppe.</p>
<p><strong>Was wird bei der GUT dein thematischer Schwerpunkt sein?</strong></p>
<p>Sehr wichtig ist mir der Klimaschutz, ich glaube, alle politisch Verantwortlichen müssen sich dem Thema annehmen. So wie jetzt kann es sicher nicht weiter gehen, hier muss man Aktivitäten setzen. Energiekonzepte wie beim Salzhof, das ist sehr wichtig, das propagieren ja auch die Grünen. In dem Bereich gibts auch viele Arbeitsplätze.</p>
<p>Wichtig ist mir auch das Zusammenleben in Freistadt, wo die Jugend eine Zukunft hat und es keine Ausgrenzungen gibt. Ich war ja in der Arbeitsgruppe dabei, wo das Programm entwickelt wurde, da haben wir besprochen, dass die Jugend mehr Treffpunkte in Freistadt kriegt.</p>
<p>Mir schwebt ja auch eine Art Jugendparlament für Freistadt vor. Es wird ja immer gesagt, dass sich junge Leute nicht für Politik interessieren, sie werden halt auch nicht so eingebunden. Deshalb könnte ich mir vorstellen, dass einmal im Jahr die Gemeindepolitiker/innen Jugendliche einladen, ihnen zeigen, wie Gemeindepolitik funktioniert und mit ihnen reden, Vorschläge von Jugendlichen annehmen, und die dann auch ernstnehmen und vielleicht versuchen, sie umzusetzen.</p>
<p>Außerdem sollte man, wenn für Jugendliche etwas errichtet wird, schon bei der Umsetzung mit ihnen zusammen arbeiten. Das dauert zwar vielleicht ein bisschen länger, aber die Jugendlichen können mehr ihre Wünsche einbringen und sehen auch, wie viel ein solches Projekt kostet, wie viel Aufwand es ist und werden vielleicht anders damit umgehen.</p>
<p>Einfach die Menschen mehr einbinden – daran will ich arbeiten.</p>
<p>Außerdem hoffe ich als aktiver Radfahrer in Freistadt, dass das Radwegsystem weiter verbessert wird. Es gibt eh immer wieder Fortschritte, aber an vielen Stellen ist es manchmal sehr gefährlich und ich verstehe Menschen, die deshalb nicht mit dem Rad fahren wollen.</p>
<p><strong>Welche Projekte hat die GUT in der Vergangenheit auf die Füße gestellt?</strong></p>
<p>Der <a href="http://www.gutfreistadt.at/index.php/erinnerung-an-den-citybus-freistadt">Citybus</a> ist sicher das größte Projekt der GUT, das mir jetzt einfällt, da hat die GUT sogar einige Wochen lang den Probebetrieb finanziert, um die Leute davon zu überzeugen.</p>
<p>Oder die Querungshilfen in der Linzer Straße, die es Gott sei Dank endlich gibt. Das muss ja ein schwieriger Weg gewesen sein.</p>
<p>Und natürlich die Energieprojekte von Oskar, wo er zum Beispiel gegen Widerstände dafür gesorgt hat, dass der Salzhof mit erneuerbaren Energien geheizt wird.</p>
<p><strong>Was ist das Wahlziel für die GUT?</strong></p>
<p>Ich bin realistisch: Mindestens vier Mandate und den Stadtrat, das müssen wir schaffen. Aber 6 bis 7 Mandate sind möglich.</p>
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		<title>Interview mit Hatice Demir (GUT)</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Sep 2009 10:19:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Moser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Freistadt]]></category>
		<category><![CDATA[GUT]]></category>
		<category><![CDATA[Hatice Demir]]></category>

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		<description><![CDATA[In Freistadt stehen Ende September Gemeinderatswahlen an. Eine der Parteien, die in Freistadt zur Wahl steht, ist die Bürgerliste GUT (Gruppe für Umweltschutz und Transparenz). Die Liste ist sozusagen meine wahre politische Heimat, mein Vater war für die Gruppe lange &#8230; <a href="http://sebmos.at/interview-mit-hatice-demir-gut/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Freistadt stehen Ende September Gemeinderatswahlen an. Eine der Parteien, die in Freistadt zur Wahl steht, ist die Bürgerliste <a href="http://www.gutfreistadt.at/">GUT (Gruppe für Umweltschutz und Transparenz)</a>. Die Liste ist sozusagen meine wahre politische Heimat, <a href="http://standpunkte.at">mein Vater</a> war für die Gruppe lange im Gemeinderat und gestaltet ihre Zeitung.</p>
<p>Dieses Jahr geht die GUT mit einer neuen, vielfältigen Gruppe und vielen neuen Gesichtern an den Start, unter anderem <a href="http://hmoser.wordpress.com/">meiner Mutter</a> und meinem Bruder. Ich möchte versuchen, ein paar dieser Gesichter und die Personen dahinter vorzustellen und der GUT helfen, bekannter zu werden.</p>
<p>In meinem zweiten Interview spreche ich mit <strong>Hatice Demir</strong>, die zwar nicht auf dem Wahlvorschlag der GUT steht, sich aber trotzdem mit der GUT in Freistadt engagiert.</p>
<p><em>(Das erste Interview habe ich mit </em><a href="http://sebmos.at/interview-mit-martin-borovansky-gut/"><em>Martin Borovansky</em></a><em> gemacht, das dritte mit <a href="http://sebmos.at/interview-mit-herbert-schaumberger-gut/">Herbert Schaumberger</a>.)</em></p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" title="Hatice Demir" src="http://sebmos.at/wp-content/uploads/2009/09/hatice_demir_thumb.jpg" alt="Hatice Demir" width="493" height="370" /></p>
<p><strong>Wer bist du und woher kommst du?</strong></p>
<p>Ich bin Hatice Demir, bin 1985 in Freistadt geboren und lebe seit 11 Jahren in Freistadt, wir haben aber immer im Bezirk Freistadt gelebt. Meine Eltern kommen aus <a href="http://maps.google.de/maps?hl=de&amp;q=sinop,+t%C3%BCrkei">Sinop/Ayancik</a>, an der türkischen Schwarzmeerküste. Sie sind vor 39 Jahren nach Österreich gekommen, meine vier Geschwister sind auch im Bezirk Freistadt geboren und aufgewachsen.</p>
<p><strong>Wie bist du zum ersten Mal in Freistadt mit Politik in Berührung gekommen?</strong></p>
<p>Durch das <a href="http://www.frf.at/"><strong>Freie Radio Freistadt</strong></a>, wo verschiedene Integrationsprojekte gemacht wurden. Dort haben wir, fünf türkische Mädels, unser eigenes Radio gegründet, <a href="http://frf.at/article.php?ordner_id=253&amp;id=292"><strong>Türkiye FM</strong></a>, mit dem wir versucht haben, die türkischen Migrant/innen in Freistadt zu integrieren und ihnen durch die türkische Musik ein Stück Heimat zu schenken.</p>
<p><strong>Wann wird eure Sendung gespielt?</strong></p>
<p>Türkiye FM wurde jeden 1. und 3. Samstag des Monats live gesendet. Weil aber einige aus der Gruppe geheiratet bzw. Babys bekommen haben, stehe ich im Moment alleine da, jetzt gibt es zur Zeit keine neuen Sendungen, es werden nur Wiederholungen gespielt.</p>
<p><strong>Du suchst also neue Kolleginnen?</strong></p>
<p>Ja, es wäre super, wenn sich jemand melden würde. Alleine ist das wirklich nicht zu schaffen.</p>
<p><strong>Jetzt zur Gemeindepolitik: Wie bist du zur GUT gekommen?</strong></p>
<p><a href="http://hmoser.wordpress.com/">Hermine Moser</a>, eine ganz liebe Person, die in Freistadt sehr viel macht, was Integration anbelangt, hat mich angesprochen und gefragt, ob ich Lust hätte, da mitzumachen. Am Anfang habe ich gezögert, weil ich bisher nicht direkt zur konkreten Gemeindepolitik beigetragen habe. Ich war da immer zwiegespalten zwischen der türkischen und der österreichischen Gesellschaft. Ich kann nicht sagen, ob ich mehr Österreicherin oder Türkin bin. Als sie mir dann aber erklärt hat, worum es da wirklich geht und wie ich helfen könnte, war ich gleich dabei, weil ich einen großen Wert darauf lege, mich politisch zu engagieren, weil hier viel für Migrant/innen getan werden kann.</p>
<p><strong>Aber du stehst gar nicht auf der Gemeinderatsliste!</strong></p>
<p>Ja, weil ich keinen Wohnsitz in Freistadt habe, sondern in Manzenreith, das zu Lasberg gehört. Ich wohne einfach auf der falschen Straßenseite, sonst würde ich auch auf der Liste stehen.</p>
<p><strong>Wie siehst du die Gemeindepolitik im Moment?</strong></p>
<p>Ich habe das Gefühl, dass sie in letzter Zeit aktiver geworden ist und viele neue Initiativen unterstützt.</p>
<p>Ich find es toll, dass versucht wird, unsere wunderschöne Altstadt mit den vielen kleinen Geschäften wiederzubeleben. Früher konnte man durch die Stadt von Geschäft zu Geschäft bummeln, aber heute sieht man immer öfter leerstehende Geschäfte. Durch die <strong><a href="http://www.schaufensterfreistadt.at/">Schaufensteraktion</a></strong> sieht man wieder mehr Leben, die Altstadt kommt wieder viel angenehmer und wärmer rüber.</p>
<p>Auch was die Jugend anbelangt, wird sehr viel gemacht. Mein Cousin hat ja die Breakdancer-Gruppe &#8220;B-Boy&#8221; gegründet, die immer wieder bei Veranstaltungen aktiv ist. Es wird versucht, die Jugend aktiv miteinzubeziehen und mitmachen zu lassen.</p>
<p>Aber auch im Bereich der Integration wird viel getan, nicht nur für türkische Migrant/innen, sondern für wirklich alle aus der ganzen Welt, die in Freistadt gibt &#8211; da gibt es ja große Unterschiede.</p>
<p><strong>In welchen Themen willst du dich engagieren?</strong></p>
<p>Ich will vor allem im Bereich &#8220;Miteinander Leben&#8221;, soweit es geht mithelfen. Wichtig ist mir, dass die gesamte Gesellschaft in Freistadt nicht mehr geteilt werden in &#8220;Migrant/innen&#8221; und &#8220;Österreicher/innen&#8221;, sondern dass wir alle &#8220;Freistädter/innen&#8221; sind. Diese Trennung zwischen &#8220;wir&#8221; und &#8220;die Anderen&#8221;, die leider immer wieder passiert, möchte ich stoppen. Dazu muss man sehr viel Geduld miteinander haben und ich hoffe, dass ich in dem Fall als Migrantin eine wichtige „Brücke“ bin um auch die türkischen Migrant/innen hereinzuholen, bei denen die Neugierde zu wecken, aktiv zu werden und aus den geschlossenen Gruppen heraus zu gehen.</p>
<p>Hier werde ich versuchen, gemeinsam mit den anderen viel beizutragen.</p>
<p><strong>Was ist dein Wahlziel für die GUT?</strong></p>
<p>So viele Stimmen wie möglich natürlich! Meine Hoffnung ist es aber vor allem, dass die Leute lernen, nicht einfach ohne nachzudenken den großen Parteien ihre Stimmen zu geben.</p>
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		<title>Interview mit Martin Borovansky (GUT)</title>
		<link>http://sebmos.at/interview-mit-martin-borovansky-gut/</link>
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		<pubDate>Thu, 03 Sep 2009 20:02:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Moser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Freistadt]]></category>
		<category><![CDATA[GUT]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Borovansky]]></category>

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		<description><![CDATA[In Freistadt stehen Ende September, wie in ganz Oberösterreich, Gemeinderatswahlen an. Eine der Parteien, die in Freistadt zur Wahl steht, ist die Bürgerliste GUT (Gruppe für Umweltschutz und Transparenz). Die Liste ist sozusagen meine wahre politische Heimat, mein Vater war &#8230; <a href="http://sebmos.at/interview-mit-martin-borovansky-gut/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In <a href="http://lokales.at/freistadt">Freistadt</a> stehen Ende September, wie in ganz Oberösterreich, Gemeinderatswahlen an. Eine der Parteien, die in Freistadt zur Wahl steht, ist die Bürgerliste <a href="http://www.gutfreistadt.at/">GUT (Gruppe für Umweltschutz und Transparenz)</a>. Die Liste ist sozusagen meine wahre politische Heimat, <a title="Johann Moser" href="http://standpunkte.at">mein Vater</a> war für die Gruppe lange im Gemeinderat und hat ihre Zeitung gemacht.</p>
<p>Dieses Jahr geht die GUT mit einer stark veränderten Mannschaft an den Start, mit sehr vielen neuen Gesichtern, unter anderem <a title="Hermine Moser" href="http://hmoser.wordpress.com/">meiner Mutter</a> und meinem Bruder. Ich möchte versuchen, ein kleines bisschen hinter die Gesichter zu blicken und der GUT helfen, bekannter zu werden.</p>
<p>Deshalb hab ich <strong>Martin Borovansky</strong>, Professoren-Kollege meines Vaters und Vierter auf der Gemeinderatsliste der GUT, zu einem Interview gebeten.</p>
<p><em>(Das zweite und das dritte Interview habe ich mit </em><a href="http://sebmos.at/interview-mit-hatice-demir-gut/"><em>Hatice Demir</em></a><em> und <a href="http://sebmos.at/interview-mit-herbert-schaumberger-gut/">Herbert Schaumberger</a> gemacht.)</em></p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" title="DSCN0446 edited" src="http://sebmos.at/wp-content/uploads/2009/09/DSCN0446edited_thumb.jpg" alt="DSCN0446 edited" width="493" height="382" /></p>
<p><strong>Wer bist du und woher kommst du?</strong></p>
<p>Ich bin in Wien geboren, in der Schweiz aufgewachsen. Ich bin in Steyr in das Gymnasium gegangen und habe dort die Matura gemacht, danach hab ich in Salzburg und Innsbruck Biologie und Erdwissenschaften studiert. Ich bin ausgebildeter Gymnasiallehrer, aber mangels Arbeitsmöglichkeit an die HAK nach Freistadt gekommen.</p>
<p><strong>Wie war Freistadt für dich am Anfang?</strong></p>
<p>Ich hätte mir nie vorgestellt, hier zu landen. Das Mühlviertel war mir nur aus Mühlviertlerwitzen bekannt, als Region, wo man nicht unbedingt hin will. An der HAK in Freistadt bin ich dann aber so gut aufgenommen worden, dass es mir sofort gefallen hat. Auch die Schüler/innen sind hier ganz anders als in Steyr, die grüßen sogar auf der Straße! Auch die Landschaft hat es mir ziemlich angetan.</p>
<p>Weil es meiner Frau ähnlich gegangen ist, haben wir uns nach zwei Jahren gedacht: Der Arbeitsplatz ist ziemlich sicher, ziehen wir doch einfach nach Freistadt! Das ist jetzt drei Jahre aus.</p>
<p><strong>Hast du vorher in Steyr gewohnt?</strong></p>
<p>Nein, in Enns. Das hatte strategische Gründe: Ich wusste, dass ich als Lehrer überall hingeschickt werden könnte, wo eben einer frei würde. Enns war zentral, damit könnte ich überall relativ leicht hinpendeln.</p>
<p><strong>Wie bist du mit der Gemeindepolitik in Berührung gekommen?</strong></p>
<p>Eigentlich überhaupt nicht. Ich hatte über Politik das durch die Medien transportierte Bild: Das ist keine angenehme Tätigkeit, das willst du nicht.</p>
<p>In näheren Kontakt mit der Gemeindepolitik bin ich dann über deinen Vater und über Oskar Stöglehner gekommen. Die haben mir viel über die Gemeindepolitik und die Arbeit der GUT erzählt. Nicht nur die positiven, sondern auch die negativen Sachen.</p>
<p>Mit Hans hab ich dann darüber geredet, dass ich mich dort, wo ich wohne, einbringen will, etwas bewirken will. Nur konsumieren und nichts dazu beitragen – das bin ich nicht. Außerdem möchte ich natürlich meine Umgebung so gestalten, wie sie mir gefällt. (lacht)</p>
<p>Für Hans war die Schwierigkeit, neue Personen für die Gruppe zu finden, sicherlich ein Anlass, mich zur Mitarbeit einzuladen. Ich hab ja schon vorher meine Fühler ausgestreckt, mich im sozialen Bereich zu engagieren, zum Beispiel beim Weltladen. (Anmerkung: Der Weltladen ist ein Geschäft, in dem fair gehandelte Produkte verkauft werden. Alle Mitarbeiter/innen arbeiten ehrenamtlich im Geschäft.)</p>
<p>Da hab ich dann zum ersten Mal überlegt: Warum nicht gleich in die Gemeindepolitik? Warum nicht mithelfen, dass meine Umgebung ein besserer Ort wird?</p>
<p>Als mich Oskar dann letzten Herbst gefragt hat, ob ich Teil des neuen Teams sein will, habe ich zugesagt. Es war mir wichtig, dass die GUT weiter besteht – sonst wäre ein Vakuum entstanden, wo weder Grüne noch eine Bürgerliste eine Alternative zu den alten Parteien geboten hätten. Und die GUT tut das ja ziemlich gut und spricht eine sehr breite Bevölkerungsschicht an, die weit über die übliche grüne Wählerschicht hinaus geht.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" title="DSCN0448 edited" src="http://sebmos.at/wp-content/uploads/2009/09/DSCN0448edited_thumb.jpg" alt="DSCN0448 edited" width="493" height="382" /></p>
<p><strong>Ist die GUT eine grüne Regionalgruppe mit anderem Namen?</strong></p>
<p>Nein, das ist für mich überhaupt nicht der Fall. Wir sind zwar bei vielen Themen deckungsgleich, es gibt aber auch grüne Themen, die ich überhaupt nicht vertreten kann. Wir haben mal auf <a href="http://www.presentify.at/">Presentify</a> <a href="http://www.presentify.at/die-gruenen-g2318/topics/555">diskutiert</a> und sind drauf gekommen, dass die Grünen nicht mehr das sind, was sie einmal waren. Ich könnte nicht bei einer grünen Partei mitarbeiten.</p>
<p>Das heißt nicht, dass ich die Grünen nicht mag. Es gibt einige Persönlichkeiten, die ich irrsinnig schätze. Wie Rudi Anschober zum Beispiel. Er ist für mich eine der wenigen integren Personen in der Politik. Ich schätze seinen Umgang mit seinen politischen Gegnern. Er betreibt Sachpolitik, bei ihm hab ich das Gefühl, dass er wirklich etwas für die Leute erreichen will. Das möchte ich auch.</p>
<p>Mir ist es zum Beispiel egal, von welcher Partei eine gute Idee kommt. Wenn sie gut ist, werde ich sie unterstützen. Das ist auch so toll an der GUT: Wir sind wie freie Mandatare. Wir müssen keine ideologischen Kämpfe gegen den politischen Gegner führen. Diese Wadelbeisserei der alten Parteien nervt mich ziemlich.</p>
<p>Das ist aber allgemein etwas, was mir bei Oskar und deinem Vater so gefallen hat: Sie waren für viele Projekte die Ideengeber, aber viele Ideen wurden von anderen Parteien aufgegriffen und teilweise übernommen. Warum auch nicht – es haben ja alle davon profitiert, dass sie umgesetzt wurden.</p>
<p>Das erzeugt natürlich manchmal Probleme im Wahlkampf. Es fällt der GUT manchmal schwer, eine Leistung als die eigene zu verkaufen. Aber die GUT arbeitet nicht für das Wahlergebnis, also ist das nicht so schlimm.</p>
<p><strong>In welchen Bereichen willst du dich engagieren?</strong></p>
<p>Ich hoffe, dass ich im Umgang miteinander etwas bewegen kann. Wie ich mit meinem politischen Gegner umgehe, das Gesprächsklima, die grundsätzliche Wertschätzung abseits von Meinungsverschiedenheiten – das ist mir wichtig. Ich hoffe, dass sich dann auch außerhalb der Politik die Gesprächskultur verbessert und respektvoller miteinander umgegangen wird. Das könnte eben auch im Integrationsbereich, der ein Schwerpunkt der GUT ist, sehr positiv sein.</p>
<p>Zur Verbesserung der Gesprächskultur kommen die Integration und die Energiewirtschaft. Letzteres ist mir wegen meinem biologischen/naturwissenschaftlichen Hintergrund besonders wichtig.</p>
<p><strong>Was ist dein Ziel für die Wahl?</strong></p>
<p>Das grundsätzliche Potential der GUT schätze ich auf bis zu 15% ein. Je näher wir dort hinkommen, desto besser!</p>
<p><strong>Danke für das Interview!</strong></p>
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