Risikokapital für Social Networks

Hi5 hat eine 20-Millionen-Dollar-Runde abgeschlossen, Tagged hat 12 Millionen erhalten. Davor hat Ning, die Firma von Marc Andreessen 44 Millionen erhalten.

Egal, ob man diese Finanzierungsrunden als gerechtfertigt sieht oder nicht, sie zeigen eines: Der Erfolg von Facebook lässt die Valuierung in die Höhe schnalzen. Ich trau mir zu wetten, dass sich das Verhandlungsglück nach Facebook’s Erfolg sehr auf die Seite von Hi5, Tagged und Ning geschlagen hat.

Interessant ist, dass beide Firmen bereits profitabel sind (!) und sich nicht auf den amerikanischen Markt stützen – nichtmal auf den europäischen. Hi5 hat in Indien angefangen und ist mittlerweile nach Rumänien, in die Mongolei, nach Tunesien und in einige lateinamerikanische Länder gekommen. Bei Tagged ist die Liste der Länder ähnlich.

Nichts gegen diese Länder – sie haben es verdient, auch bedient zu werden. Nur ist der Werbemarkt dort nichts wert. Sogar in der EU ist der Unterschied noch ziemlich drastisch – zwischen Österreich und Tschechien beispielsweise besteht ein 50%-Gefälle, wenn man auf Google AdWords den Begriff “Urlaub” (in der jeweiligen Landessprache) eingibt und die Keyword-Preise anschaut.
Tschechien ist aber jenes Land, das sich von den neuen EU-Staaten mit Abstand am besten entwickelt hat. Rumänien im Gegensatz dazu… Ich glaube, das Bild ist klar.

Ich finde es nachvollziehbar, dass auch Nischenmärkte bedient werden, und dass die Firmen auch Risikokapital erhalten. Ich hoffe nur, die VCs haben entweder einen langen Atem (Die Firmen sind grundsätzlich profitabel – es besteht also keine unmittelbare Konkurs-Gefahr.), bis diese Länder einen wertvolleren Werbemarkt haben, oder sie schaffen es, sich gewinnbringend zu verkaufen.

Den Firmen ist in jedem Fall zu gratulieren – sie müssen ziemlich schlank geblieben sein, und sie haben nicht unwesentliches Risikokapital erhalten. Ich wünsche viel Glück bei der Europa- und/oder USA-Expansionen, die mit dem Geld vermutlich finanziert werden soll.

Via TechCrunch

Customized Communities

Ning, ein Start-Up vom Netscape-Gründer Marc Andreessen, hat gerade 44 Millionen Dollar an Risikokapital erhalten, bei einer Valuation von sagenhaften 214 Millionen Dollar. Irre. Facebook hat gerade mal 38,2 Millionen Dollar erhalten, aber gut.

Was ist Ning überhaupt?

Ning ist eine Art “Social Network-Hosting-Service”. Man kann dort gratis Social Networks erstellen und hosten lassen – im Gegenzug wird Werbung eingeblendet. Man hat keine Kontrolle über die Daten – die liegt bei Ning.

Eigentlich ja eine coole Idee, aber der Markt ist nicht unumkämpft. Und ist sie ein, zwei Milliarden Dollar wert? (Die Investoren dieser Runde steigen nur in Firmen ein, in denen sie im Erfolgsfall das 5- bis 10-fache verdienen können, je nach Zeitpunkt des Einstiegs.)

Die Zeit wird es zeigen – zur Zeit erinnert mich Ning aber zu sehr an MySpace, das Ning mit einer guten Gruppen-Funktion ziemlich starke Konkurrenz machen könnte. Und Facebook? Da ist die Gruppen-Funktion zwar nicht überlegen, dafür aber mit einer 20-Millionen-Mitglieder-Basis verbunden, was sie ziemlich attraktiv macht. Ning ist das bewusst – mit dem letzten Update gibt es Facebook-Integration!

Wie auch immer – dieses Investment ist, auch wenn es auf einer hohen Valuation basiert, kein Zeichen für eine Wiederholung der Spekulationsblase. Eine 1:5-Chance, dass die Firma eines Tages 1 Milliarde Dollar wert ist, ist sicher da.
Und mehr braucht es nicht. Denn Risikokapital ist immernoch RISIKOkapital. Geht es schief, dann hat’s halt nicht sein sollen.

Und die Gewinner dieses Deals? Alle Social Networking-Firmen – allen voran Mark Zuckerberg, der weiterhin mit Facebook um den ganz großen Erfolg gambelt und hoffentlich den Weg an die Börse sucht – denn dort gehört Facebook hin!