ÖVP vs. Krone: Es bleibt peinlich

Die Krone unterstützt die SPÖ und attackiert die ÖVP – soweit nichts neues. Mit einer fingierten Leserbrief-Seite hat sich die ÖVP jetzt einmal mehr lächerlich gemacht.

Die ÖVP hat versucht, eine Werbeschaltung zu kaufen, die die Leserbrief-Seite der Kronen Zeitung kopiert – mit eigenen Leserbriefen. So weit, so gut. (Nicht wirklich – Werbung muss klar als solche erkennbar sein, in dem Fall sieht sie aber aus, wie die Leserbriefseite.) Die ÖVP hat in der Anzeige aber auch sehr Krone-kritische Beiträge drin. Wie zum Beispiel folgendes:

Ich kann diese Negativ-Berichterstattung in der Krone nicht mehr lesen. (von “Sabine Klug, Graz”)

Die ÖVP ist dämlich, wenn sie erwartet, dass die Krone so etwas abdruckt. Lächerlich aber auch die Begründung der Krone: Wir lassen uns nicht in die Wahlkampfauseinandersetzung hineinziehen!

Strategische Dummheiten von der ÖVP haben wir aber schon genug gesehen, da muss das nicht wundern. Bedenklicher ist aber, dass die ÖVP in dummen Anti-Amerikanismus verfällt, mit diesem letzten Satz:

Manchmal glaub ich fast, hinter der Krone stecken die Amis, die unbedingt Europa schwächen wollen. (ebenfalls “Sabine Klug, Graz”)

Ich habe solche Aussagen immer vom BZÖ oder der FPÖ erwartet, aber von einer staatstragenden Partei, die jahrelang eine Außenministerin gestellt hat?

Hier das Leserbrief-Inserat im Originaltext: (anklicken zum Vergrößern)

krone-inserat

via derStandard.at

Kdolsky & Geld: Die ÖVP hat Probleme

Kdolsky, eine der “herausstechenden” Persönlichkeiten der letzten Regierung, ist weg und kommt nicht wieder. Landesparteigruppen weigern sich, den Wahlkampf der Partei mitzufinanzieren. Bartenstein versucht, die ÖVP/FPÖ-Zeit schönzureden (für die die ÖVP bei der Wahl 2006 abgestraft wurde).

Die ÖVP hat Probleme, und zwar gewaltige. Den meisten Leuten, auch ÖVP-WählerInnen, ist bewusst, dass die ÖVP die SPÖ absichtlich überall blockiert hat. Der Spitzenkandidat ist so schwach (unbeliebt & uncharismatisch), dass er auf den Plakaten gar nicht drauf war. Jetzt hat Andrea Kdolsky bekannt gegeben, dass sie sich aus der Politik zurück zieht – auf langen Druck durch die ÖVP – und das, obwohl sie sich ehrlich bemüht hat, gute Politik zu machen! (Vermutlich der Grund, wieso sie rausgemobbt wurde.)

Dazu kommt, dass sich mehrere Parteiorganisationen weigern, den erwarteten Beitrag zum Wahlkampfbudget zu bezahlen, was klar zeigt, was selbst die Landeschefs von den ÖVP verursachten Neuwahlen halten.

Die ÖVP hat die letzte Wahl unter viel besseren Voraussetzungen verloren. Die ÖVP sollte sich warm anziehen, mit Pech verliert sie diese Wahl sogar noch! (Wehe, die Schuld wird dann auf die Kronen Zeitung abgeschoben!)

Kdolsky & Geld: Die ÖVP hat Probleme

Kdolsky, eine der “herausstechenden” Persönlichkeiten der letzten Regierung, ist weg und kommt nicht wieder. Landesparteigruppen weigern sich, den Wahlkampf der Partei mitzufinanzieren. Bartenstein versucht, die ÖVP/FPÖ-Zeit schönzureden (für die die ÖVP bei der Wahl 2006 abgestraft wurde).

Die ÖVP hat Probleme, und zwar gewaltige. Den meisten Leuten, auch ÖVP-WählerInnen, ist bewusst, dass die ÖVP die SPÖ absichtlich überall blockiert hat. Der Spitzenkandidat ist so schwach (unbeliebt & uncharismatisch), dass er auf den Plakaten gar nicht drauf war. Jetzt hat Andrea Kdolsky bekannt gegeben, dass sie sich aus der Politik zurück zieht – auf langen Druck durch die ÖVP – und das, obwohl sie sich ehrlich bemüht hat, gute Politik zu machen! (Vermutlich der Grund, wieso sie rausgemobbt wurde.)

Dazu kommt, dass sich mehrere Parteiorganisationen weigern, den erwarteten Beitrag zum Wahlkampfbudget zu bezahlen, was klar zeigt, was selbst die Landeschefs von den ÖVP verursachten Neuwahlen halten.

Die ÖVP hat die letzte Wahl unter viel besseren Voraussetzungen verloren. Die ÖVP sollte sich warm anziehen, mit Pech verliert sie diese Wahl sogar noch! (Wehe, die Schuld wird dann auf die Kronen Zeitung abgeschoben!)

ÖVP ist ein Kindergarten, Grünen und LIF springen ein

Schon gelesen? Die ÖVP fordert ein gratis Kindergarten-Jahr! Leider ist sie da aber nicht glaubwürdig – die SPÖ hat das schon lange gefordert, die ÖVP hat sich noch vor wenigen Monaten geweigert. Willi Molterer ist wohl einer der JaABERsager, die (ÖVP-Abgeordneter) Franz Morak in seinem Blog beschreibt: “Ja zum gratis Kindergarten, aber nicht, wenn die SPÖ das will!”.

Ja, Willi: Es reicht!

Zum Glück sind die Grünen und das LIF da, um den ÖVP-WählerInnen ein glaubwürdiges zu Hause bieten zu können. Die Grünen für die, denen Energiepolitik wichtiger ist, das LIF für die, denen die übrige Wirtschaftspolitik wichtiger ist.

Die neue Mittelschule

Die Koalition SPÖ/ÖVP hat sich geeinigt und eine “neue Mittelschule” vorgestellt. Auch Frau Gehrer hat irgendwann eine “neue Schule” angekündigt – mal schauen, ob Frau Schmidt und Herr Hahn diesmal etwas gescheites zusammen gebracht haben.

Im Prinzip ist das Modell ein Kompromiss aus der Pro-Gesamtschule-Haltung der SPÖ und der Anti-Gesamtschule-Haltung der ÖVP. Es wird Schulversuche geben, wenn zwei Drittel der Eltern und Lehrer/innen zustimmen. Diesen Schulversuchen werden dann auch durchgezogen – etwas, wo sich die SPÖ “durchsetzen” konnte.

Hier ein paar Meinungen, und mein Kommentar dazu

Grüner Bildungssprecher Dieter Brosz: “Das ‘Herzstück’ von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, die große Bildungsreform, wurde heute endgültig abgesagt. Was heute die Minister Schmied und Hahn verkündet haben, verdient den Namen Bildungsreform nicht.”.

Tja, er hat Recht. Eine große Bildungsreform ist das eindeutig nicht, sondern ein Test, der vielleicht irgendwann evaluiert wird, und dann vielleicht tatsächlich in etwas dauerhaftes umgesetzt wird. Vielleicht. Das ist der Schlüssel. Es ist ein kleiner Schritt in Richtung Gesamtschule, aber nicht mehr.

ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon: “Die sozialistische Zwangsverordnung von oben bei der Schulreform-Einigung ist vom Tisch. Die ÖVP sichert Mitbestimmung die Freiheit zu Wählen für die Eltern.”

Völliger Blödsinn. Der Sinn von Gesetzen ist es, etwas vorzuschreiben. Darf ich mir in Zukunft dank der ÖVP auch die Höhe meiner Steuern aussuchen? Darf ich mir aussuchen, ob ich die 130-km/h-Limits auf der Autobahn einhalte oder nicht? Nein. Eben. Herr Missethon ist ein trauriges Beispiel der ultra-konservativen Anti-SPÖ-Gruppe innerhalb der ÖVP, die jetzt schon viel zu lange an der Macht ist.

Was zeigt das jetzt allgemein?

Johannes Hahn wurde Wissenschaftsminister, um die Gesamtschule zu verhindern. Einen wirklichen Sinn hatte die Aufteilung des Bildungs-Ressorts ja nie.

Die ÖVP ist zufrieden, hat ihre Ziele aber nicht wirklich erreicht. Die ÖVP will unter keinen Umständen eine Gesamtschule, hat aber die Tür dafür öffnen müssen, da die ÖVP in der öffentlichen Meinung immer mehr als Blockierer-Partei da stand. (Demokratie funktioniert ja doch. ;))

Die öffentliche Meinung steht zunehmend auf der Seite der Gesamtschule. Offensichtlich setzt sich langsam die Meinung durch, dass es nicht klug ist, 10-jährige bzw. deren Eltern Entscheidungen treffen zu lassen, die ihr ganzes Leben negativ beeinflussen können (Hauptschule!), aber zu dem Zeitpunkt mit den völlig falschen Gründen getroffen werden (Wo gehen nach der Volkschule meine Freund/innen hin?).

Die ÖVP hat große Probleme mit ihrer Konservativität. Der Wirtschaftsflügel gerät mehr und mehr in den Konflikt mit der “alten Garde”. Der Wirtschaftsflügel sagt nämlich, dass die Gesamtschule Sinn macht und eine neue Einwanderungspolitik wichtig ist! (Es macht wirtschaftlich Sinn, potentionelle Arbeitskräfte länger gemeinsam zu unterrichten und sie erst später Berufsentscheidungen treffen zu lassen. Viele Hauptschulabgänger, die als Akademiker vielleicht besser dran wären und Gymnasiasten, die in einer Lehre besser aufgehoben wären, würden eher die richtige Entscheidung treffen. Motivierte und glückliche Arbeitskräfte sind besser für die Wirtschaft als Leute, die vielleicht ihr Leben lang bereuen, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben.)

Mehrheitswahlrecht für Österreich?!

Allen Ernstes führen die beiden Großparteien, SPÖ und ÖVP, eine Diskussion über ein Mehrheitswahlrecht. Kurz für die LeserInnen, die den Begriff nicht kennen: Ein Mehrheitswahlrecht gibt der Partei, die eine Wahl gewinnt, die absolute Regierungsmacht. Zur Zeit würde also die SPÖ alleine regieren.

Die USA ist das größte Land, das auf ein Mehrheitswahlrecht setzt, aber auch in Großbritannien gibt es ein Recht auf die Mehrheit für die gewinnende Partei.

Was bedeutet das?

In einem Land mit Mehrheitswahlrecht haben es neue Parteien unglaublich schwer, bzw. haben überhaupt keine Chance. In den USA gibt es neben der Demokratischen und der Repuplikanischen Partei keine andere auf nationaler Ebene relevante Partei.

Ergo: Weniger Meinungs-Pluralismus, weniger Mitsprache, weniger Demokratie.

In der Realität sieht man die Auswirkungen daran, dass in Österreich nicht nur Groß-Parteien (SPÖ, ÖVP) sondern auch Klein-Parteien (Grüne, FPÖ, BZÖ) im Parlament sitzen. Die Kleinparteien, die die USA (als Beispiel) auf nationaler Ebene nicht kennen, bringen Kontroversität, aber auch neue Ideen, Ansatzpunkte und Probleme ins Spiel.

Gäbe es die Grünen nicht, hätten wir noch immer eine Umweltpolitik ähnlich der USA. (So, wie sie zum Zeitpunkt der Gründung der Grünen Partei in Österreich auch war: Nicht.)

Gäbe es die FPÖ nicht, würde heute noch immer nicht über Probleme in der Integration diskutiert werden. (Ich stimme nicht im Geringsten mit den Themen der FPÖ überein, aber ihre Stärke zeigt uns die Schwächen der österreichischen Politik in Integrations-Fragen.)

Das BZÖ ist auch da, aber naja – vergessen wir das. (Man kann sie inhaltlich zur FPÖ zählen.)

Mythos der stabilisierenden “Großen Koalition”

Dagegen wird gehalten, dass die große Koalition die einzige ist, die große Probleme angehen kann, und dass sie stabilisierend auf das Land wirkt. Ich weiß nicht, wieso sich dieser sehr dumme Mythos in Österreich angesiedelt hat. AUFWACHEN – die große Koalition war nur deshalb in den Nachkriegsjahren stabilisierend, weil sie politisch sehr ähnliche Ideen umgesetzt hat. (Unterschiede wurden nur im Wahlkampf hervorgehoben.) Damals war das auch wichtig, damit sich eine stabile demokratische Gesellschaft entwickeln konnte.

Jetzt wachen sie auf, und die Situation ändert sich. Außerdem müssen sie mit Kleinparteien um die Stimmen kämpfen.

Ist das schlecht? Nein! Es schärft die Profile und man weiß besser, wofür die Parteien stehen.

Es ist auch nichts Schlimmes daran zu finden, Kompromisse eingehen zu müssen. So funktioniert Politik, es nimmt Gesetzen die Radikalität. Ok, manchmal auch die Durchsetzbarkeit – aber besser eine abgeschwächte Steuerreform als eine, wie sie George W. Bush in den USA umgesetzt hat. (600 Milliarden Dollar an Steuererleichterung primär für reiche Menschen.)

Kampf um Wählerstimmen

Ja, der Kampf um Wählerstimmen ist anstrengend, es wird dabei viel geschimpft und manchmal sogar persönlich beleidigt. Aber was ist daran so schlimm? Klar, es müssen Grenzen gesetzt werden. Der Wahlkampf von Erich Haider bei den letzten Landtagswahlen war unter aller Sau. Wenn die ÖVP den Grünen vorwirft, für Zwangsvegetarisierung zu stehen, platziert sie sich ebenfalls direkt neben Personen wie Peter Westenthaler auf einem sehr niedrigem Niveau.

Aber es gibt dagegen ein einfaches Mittel: Die Wählerstimmen.

Nicht nur die Politik muss lernen, Grenzen zu setzen – die Wähler müssen ihr dabei helfen, in dem sie Parteien, die solche radikalen Äußerungen treffen nicht mehr wählen.

Und “nicht mehr wählen” heißt nicht, einfach zu Hause zu bleiben (wie das sehr viele ÖVP-Wähler bei der letzten Wahl getan haben).

80/20er-Regel

Die 80/20er-Regel ist auch hier wieder anwendbar: Niemand findet eine Partei, die zu 100% überzeugt. Man muss eine Partei finden, die zum Großteil überzeugt, die in den wesentlichen, wichtigen Positionen die eigene Meinung vertritt.

Argumente wie “Aber Herr Landtagsabgeordneter X hat in der und der Zeitung an irgendeinem Tag irgend etwas gesagt, deshalb ist die Partei nicht wählbar.” sind einfach nur lächerlich. Nichts ist perfekt, auch Wahlprogramme einer Partei sind ein Kompromiss.

Der Weg aus dem Dilemma

Die aktuelle Regierung ist eindeutig ein Problem, da gibt es keine Frage. Und die Lösung ist nicht einfach. Aber es gibt sie.

  • Die Parteien müssen über ihre Führungsriege nachdenken. (Sowohl SPÖ als auch ÖVP!)
  • Die Wähler/innen müssen sich überlegen, ob sie die regierenden Parteien für ihr Verhalten bei der nächsten Wahl mit einer Wählerstimme belohnen wollen.
  • Die Wähler/innen müssen sich gut überlegen, ob sie wirklich bei der nächsten Wahl zu Hause bleiben wollen.
  • Die Wähler/innen müssen sich die Programme der Parteien genau anschauen, um zu sehen, welche Partei ihnen am meisten zusagt. (–> www.wahlkabine.at)

Was sagt ihr dazu? Ich würd mich über Kommentare freuen, nach diesem ziemlich langen Eintrag… :)