Ewiger, österreichischer Pessimismus

Barack ObamaDieser Artikel ist für mich etwas ganz besonderes. Ich freue mich schon gut ein Jahr darauf, ihn schreiben zu können, hab schon vor Monaten überlegt, was ich wie schreiben werde.

Der Pessismismus in Österreich ist sagenhaft, speziell in der Politik. Nie wird etwas gutes passieren, alle Politiker/innen, sind grundsätzlich schlecht – und wenn jemand gut erscheint, ist er/sie trotzdem schlecht – selbst im Kreise derer, denen es besser geht. Ich werde das am Beispiel der amerikanischen Präsidentschafts-(Vor-)Wahlen und der Stimmung im Forum von derStandard.at erklären. Menschen, die derStandard.at lesen, sind tendenziell im Mittelstand zu finden, gehören nicht zu den Wenigverdiener/innen.

Situation 1: Vor den ersten Vorwahlen

Obama hat hinter sich bereits eine beachtliche Wahlkampfmaschinerie aufgebaut und begeistert die Massen. In den Umfragen sind er und Clinton nahe beieinander. Ein Großteil der Postings zu den Vorwahlkampf-Artikeln hat folgenden Grundtenor:

Obama wäre toll, die demokratische Partei ist aber zu rassistisch, um ihn auch nur eine einzige Vorwahl gewinnen zu lassen.

Situation 2: Erste Vorwahlen gewonnen

Obama hat die ersten Erfolge hinter sich, die Umfragen schauen immer besser aus, Clinton kommt immer mehr unter Druck. Er schlägt einen Wahlkampf-Spenden-Rekord nach dem anderen. Grundtenor der Postings:

Obama wäre toll, die demokratische Partei ist aber zu rassistisch, um ihn tatsächlich als Kandidaten für die Präsidentschaft aufzustellen.

Situation 3: Vorwahlkampf gewonnen

Obama hat die Vorwahl gewonnen, Clinton gesteht seinen Sieg ein und stellt sich hinter Obama. Ein Spendenrekord nach dem anderen. Grundtenor der Postings:

Obama wäre ganz nett, die Amerikaner/innen sind aber zu rassistisch, um ihn tatsächlich zum Präsidenten zu wählen.

Situation 4: Obama in Umfragen vorne

Obama sammelt mehr Spenden, als jemals ein Präsidentschaftskandidat zuvor, seine Kampagne läuft wie geschmiert, die Umfragen in den Swing States schauen gut aus. Grundtenor der Postings:

Obama ist nicht besser als Bush, er ist ein “verlogener Politiker”, wie alle anderen auch. Unter ihm wird sich nichts ändern.

Situation 5: Obama ist gewählt

Einer seiner Mitarbeiter gibt bekannt, dass man bereits 200 Verordnungen identifiziert hat, die sofort nach Amtsantritt zurückgenommen werden, auch im Umweltbereich. Grundtenor der Postings:

Maßnahmen bringen nichts, sind viel zu wenig, Obama ist nicht besser als Bush. Blah, Blah, Blah.

Vertrauen

Robert Misik hat in seinem Video-Blog im Standard einmal gefordert, einfach daran zu glauben, dass sich etwas zum Positiven verändern kann, dass Obama eine Verbesserung herbeiführen kann. Es gab und gibt genügend Gründe, an Obama zu glauben. Er ist in einem internationalen Umfeld aufgewachsen, versteht daher die Welt ziemlich sicher besser als McCain. Er ist Sozialarbeiter geworden, obwohl er als Anwalt Millionen verdienen hätte können. Er hat seine Kampagne perfekt gemanaged. Er hat auf die Finanzkrise überlegt und vernünftig reagiert, sich mit den richtigen Leuten umgeben. Sein politisches Programm im Allgemeinen scheint sehr durchdacht und realistisch zu sein.

Obama ist noch gar nicht Präsident. Die Verordnungen, die er rückgängig nehmen will, wird er an seinen ersten Tagen zurücknehmen – seine gesamte Amtszeit ist lange genug, um auch konkrete legislative Projekte durchzusetzen. Man muss ihm schon ein Jahr Zeit geben, bevor man ihn wirlklich beurteilen kann. Dann kann es tatsächlich passieren, dass er sich als falsche Wahl herausstellt – wer weiß? Es ist aber nicht zu erwarten.