Der Unwille, Änderungen zu akzeptieren

Was haben Mozilla, MySpace und Facebook gemeinsam? Neue Versionen ihrer Produkte. Was haben sie noch gemeinsam? Laute Gruppen, die sich Änderungen deshalb beschweren, die mit Boykott drohen. Meistens zu unrecht. Wartet man nämlich diesen Sturm der Entrüstung ab, schrumpft die Gruppe langsam zusammen. Nicht, weil ihr die Änderungen egal werden, sondern weil man merkt, dass sie eigentlich gut sind.

Anderes Beispiel: Presentify

Wir haben vor ca. zwei Monaten das Design geändert, basierend auf dem Feedback unserer Mitglieder und eigenen Beobachtungen. Wir haben den Platz, den die Haupt-Navigation einnimmt, reduziert. Wir haben die Version für kleine Bildschirme optimiert. Wir haben die Farbtöne optimiert. Wir haben die Übersichtlichkeit erhöht.

Alle, die das alte Presentify flüchtig kannte und das neue Presentify gesehen haben, haben die Änderungen gelobt. Bestehende Mitglieder fanden die Änderungen mehrheitlich schlecht. Wenn mir jemand geschrieben deswegen hat, hab ich geantwortet, dass der neuen Version eine Chance geben sollen. Einfach eine Woche abwarten und schauen, ob das nicht doch alles einen Sinn macht.

Es hat einen Sinn gemacht – und mittlerweile versteht das auch fast jeder. Neue Mitglieder bleiben mit viel höherer Wahrscheinlichkeit aktiv, es kommen auch ganz einfach mehr neue Mitglieder.

Ich hab damit gerechnet. Als ich bei den 3h-Galerien vor einigen Jahren die Seite vollständig neu programmiert habe, inklusive Design-Veränderung (nicht komplett, aber unter anderem farblich), wurde ich in der Schule auf das Design angesprochen (und kritisiert). In den zwei darauffolgenden Monaten hat sich die Anzahl der Mitglieder verdreifacht – und als die 3h-Galerien vom Netz genommen wurden (und eine Weiterleitung zu Presentify aktiviert wurde), war einer der Hauptkritikpunkte das Design, das nicht wie das der 3h-Galerien sei.

Fazit

Die Leute wissen nicht, was sie wollen. Wenn man sie fragt, ob sie Funktion X, Y und Z wollen, werden sie wahrscheinlich “Ja” sagen. Wenn man die dann umsetzt, werden sie sich wahrscheinlich beschweren.

Das wichtige Feedback kommt aus anderen Quellen: Wie verwenden Mitglieder die Seite? Welche Links klicken sie an? Welche Auswirkung hat eine Layout-Änderung?

Eine Änderung am Event-Seiten-Design, die wir gestern durchgeführt haben, hat zur Folge, dass es sehr deutlich auffällt, wenn keine Event-Beschreibung angegeben wird. Niemand hat danach gefragt, das zu tun. Aber noch am selben Abend wurde zu einigen neuen Events eine ausführliche Beschreibung erstellt. Davor war das nicht üblich.

Man darf als Entwickler vor Veränderungen keine Angst haben. Es wird immer Kritik geben, egal, wie viel Sinn eine Änderung macht. Die beste Reaktion darauf ist eine offene Kommunikation. Größere Design-Änderung werden in einer Feedback-Gruppe kommentiert. Dort lassen wir negative Kommentare zu – und beantworten sie.

Google Sitelinks

Google’s Sitelinks – 8 Links zu einer Domain, die der beste Beweis dafür sind, dass man einigermaßen wichtig ist. Die bekommt nämlich nicht jede Seite.

Presentify hat sie seit kurzem, und ich muss mich ein bisschen drüber ärgern. Warum? Ich hätte da gerne andere Links! Die Events, die verlinkt sind, haben teilweise einen alten Titel oder sind grundsätzlich veraltet. Die Sitelinks werden aber nicht gerade regelmäßig upgedatet.
Von den wichtigen Haupt-Navigations-Links (Events, Lokale, Gruppen) ist nur einer da (Events).

Google Sitelinks

Wie wär’s, wenn Google den Webmastern ermöglicht, diese Links selbst zu setzen? Eine Art “Sitemap” mit maximal 8 Links, die Google wenigstens als Vorschläge zur Kenntnis nimmt, die aber auch regelmäßig geändert werden.

Dann wären diese Links korrekter. “Gym Tanzkränzchen 2008″ würde “Gym Tanzkränzchen in Freistadt” heißen. “Gruenbach” wäre im letzten Link längst auf “Grünbach” und das nichtssagende “Hlw Hlk” auf “Hlw/Hlk Maturaball in Freistadt” korrigiert.

Auf Presentify sind die Events nämlich längst korrigiert!

Persönliche Daten im Internet

Ich bin ein Web-Freak, habe Profile bei einem ganzen Haufen Websites, habe einen Blog, den ich unter meinem echten Namen schreibe, und so weiter. Ich bin aber auch ein Freund meiner Privatsphäre. Mir ist klar, dass Google mittlerweile viel über mich wissen muss. Aber bekomme ich diese Informationen auch wieder raus?

Ich hab das Experiment gemacht, und versucht, möglichst viele (unnötige bzw. unerwünschte) Informationen über mich aus der Google-Suchmaschine rauszubekommen.

Meine konkreten Ziele waren:

  1. Weg mit unnötigen Informationen (Profile, die ich nur zu Testzwecken angelegt habe, die keine Informationen beinhalten, außer, dass sie existieren)
  2. Weg mit unerwünschten Informationen (zB Aussagen, die mir im Berufsleben schaden könnten bzw. mir im Nachhinein peinlich sind)
  3. Prominentere Platzierung der erwünschten Profile (mein Blog, Twitter, Presentify – die sollen sich nicht hinter anderen Seiten verstecken)
  4. Vermischen mit anderen, gleichnamigen Personen (damit können Suchergebnisse ohne Foto nicht mehr eindeutig zugeordnet werden)

Schritt 1

Ich hab auf www.google.com und www.google.at nach meinem Namen und meinen häufig gewählten Synonymen gesucht und geschaut, was angezeigt wird. Flickr-Profil, alter Blog, ehemaliger Projekt-Blog, neuer Blog, viele verschiedene Website-Profile – alles mögliche ist aufgetaucht.

Diese Websites habe ich in eine Liste eingetragen und ihnen eine “Lösch-Priorität” zugewiesen. Leere, wertlose Seiten hatten eine niedrige Priorität, “problematische” Seiten eine hohe.

Schritt 2

Die Websites auf dieser Liste bin ich dann eine nach der anderen durchgegangen. Ich hab mich eingeloggt, versucht, die Accounts zu löschen oder wenigstens die einzeln angebenen Daten zu löschen oder so weit zu ändern, dass sie nichts mehr mit meiner Person zu tun haben. (Geburtsdatum auf 01.01.1970 geändert, Geschlecht auf “Bitte auswählen…” zurück gesetzt, etc.)

Wo das Löschen direkt auf der Website nicht möglich war, hab ich mir eine Support-E-Mail-Adresse gesucht und per E-Mail gebeten, meinen Account zu löschen. (Das funktioniert fast überall innerhalb weniger Tage.)

Die Profile, die ich löschen konnte, hab ich in der Liste entsprechend markiert. Die, wo ein “einfaches” Löschen (direkt auf der Website) nicht möglich war, ebenfalls.

Schritt 3

Jede Woche habe ich wieder in Google gesucht und geschaut, welche Profile noch vorhanden sind und welche schon gelöscht wurden. Auch diese Änderungen habe ich wieder in die Liste eingetragen.

Meine Erfahrung

Google löscht Suchergebnisse, die als Websites nicht mehr existieren (logisch) und indexiert regelmäßig alle Websites neu, dadurch war ich relativ schnell relativ erfolgreich beim Löschen meiner Daten. Es lohnt sich aber auch, mit Windows Live Search, Yahoo! und Ask zu suchen. Nicht, weil diese Suchmaschinen mehr Ergebnisse anzeigen (ganz im Gegenteil), sondern weil sie durch andere Ranking-Algoritmen auch andere Websites anzeigen.

Ausnahmen & Probleme

Benutzernamen

Die Benutzernamen sind Probleme. Ich habe bei einigen Websites meinen vollen Namen als Benutzernamen verwendet. Das war beim Versuch, die Profile zu löschen, bei manchen Websites ein Problem, da ich den Account nicht löschen konnte!

Profil-Bilder

Viele Websites, bei denen ich zwar mein Profil nicht löschen konnte, aber wenigstens die Daten “zerstörte”, hatten keine Funktion, um das Profil-Bild zu löschen. Das lässt sich leicht umgehen: Nehmt ein leeres Bild (Ich hab eine transparente 1×1 Pixel große GIF-Grafik genommen.) und ladet es hinauf – Problem gelöst.

Unlöschbare Accounts

Ein Grundsatzproblem, das ich oft entdeckt habe ist, dass man Accounts ganz einfach nicht löschen kann. Ich habe selbst mehrere Community-Websites entwickelt und weiß, dass man schwer einfach alle Daten einer Person aus einer Website entfernen kann. Ich weiß aber auch, dass es trotzdem möglich ist, persönliche Daten unerkennbar zu machen. Es lohnt sich, im Zweifelsfall nachzufragen und um eine Account-Löschung zu bitten.

Langzeit-Speicher

Während ich von den Suchmaschinen meine Daten runter bekommen habe, gibt es einen zweiten Typ an Websites, die sich davon nicht beeindrucken lassen, weil sie diese Suchresultate längst gespeichert haben: Profil-Aggregatoren wie Spock (aber nicht wie 123people und Yasni) und Langzeit-Suchmaschinen wie das Web Archive. Letzteres ist zwar unbekannt, langsam und schwer zu durchsuchen, bietet aber trotzden Potential zur missbräuchlichen Verwendung.

Auch die Profil-Aggregatoren sind nicht zu unterschätzen. Sie durchsuchen das Web und löschen alte Ergebnisse nicht, da sie nicht nach den Websites, sondern nach den Informationen suchen. Spock (ich setze keinen Link, da ich kein großer Fan mehr bin – eine Google-Suce nach dem Namen findet die Website ohnehin) kann man zwar beeinflussen – es gibt aber das Risiko, Daten nicht mehr aus dem System zu bekommen. Am Klügsten ist es hier, das Profil für sich zu nützen und zu beeinflussen, um unerwünschte Informationen zu entfernen oder erwünschte Informationen hervorzuheben.

Presentify.at

Dieses Experiment hat mir für Presentify die Augen geöffnet, das naturgemäß ebenfalls persönliche Informationen sammelt. Wir ermöglichen es unseren Mitgliedern aber, ganz einfach ihren Account zu löschen – in diesem Fall werden bis auf den Namen alle Profil-Informationen (Alter, Geschlecht, Homepages, Profil-Bild, etc.) sowie Events (inkl. alle damit zusammenhängenden Daten) und Freundschafts-Einträge vollständig gelöscht, der Name wird zusammengestutzt (aus “Sebastian Moser” wird “Sebastian M.”). Was wir nicht löschen, sind die vom Mitglied erstellten Daten. (Nachrichten, Gästebuch-Einträge, Kommentare)

Ich denke, das ist ein vernünftiger Mittelweg.

Neuigkeiten der letzten Tage

Eine Kurz-Übersicht an Neuigkeiten:

  1. “Mein” Projekt Presentify hat einen Blog. Das wird eine interessante Sache – die meisten unserer Mitglieder sind keine Google Reader-süchtigen Nerds. Wie wird das als Kommunikationsmittel angenommen? Unter anderem bitten wir um Feedback für Presentify 2.0.
  2. WordPress 2.5 ist toll. Der neue Administrations-Bereich ist viel übersichtlicher als früher. Die Jungs von WordPress haben eine tolle Arbeit geleistet. Ich bin übrigens froh, dass mein Blog bei WordPress.com gehostet ist. Da muss ich mich um nichts selbst kümmern!
  3. FriendFeed wird immer mehr zum fixen Bestandteil meines Web-Alltags. Es ersetzt für mich Techmeme und ist insofern besser, da ich bei FriendFeed den Teil der “A-List-Blogger” abonniert habe, der mich tatsächlich interessiert und ich zusätzlich meine Freunde dabei hab.
  4. Alexander Marktl‘s ReadBurner (zur Zeit offline) wurde von einigen Leuten rund um Mashable gekauft und wird zur Zeit einer Generalüberholung unterzogen, bevor der Service wieder online geht. (Interview mit Austrianstartups.com)
  5. Mein Blog hat wieder einmal ein neues Design. Das ist eindeutig besser als das alte.