Google spielt mit den Muskeln

Personen-Suchmaschinen. Ein Thema, das angeblich bis zu 30% aller Suchanfragen ausmacht. Ein Geschäft, das mit Spock, Yasni, 123people und anderen viele Start-Ups und viel Risikokapital angezogen hat. Diese Suchmaschinen machen alle in etwa folgendes: Sie durchsuchen verschiedene Quellen nach Personen und präsentieren die Ergebnisse unterschiedlich gut.

Facebook und MySpace, beide jenseits der 100 Millionen Mitglieder, haben’s da einfacher. Die brauchen nur ihre Profile durchsuchen lassen – und fertig ist eine höchst effiziente Personen-Suchmaschine.

Jetzt steigt auch noch Google in den Ring und zeigt allen, wo der Bartl den Most herholt. Mit einer technisch dermaßen unspektakulären Lösung, dass sie aber wirklich nur mit Google erfolgreich werden könnte. Und zwar gibt’s Google Profile, die kaum auffindbar sind, aber doch irgendwie erstellt werden können.

Und hier kann man die dann durchsuchen: http://www.google.com/s2/profiles

Erfolgreich wird das aber trotzdem nicht. Es gibt keinen guten Grund, ein Profil bei Google zu erstellen – und bisher hat Google nicht gezeigt, dass es überhaupt etwas vom “sozialen Web” versteht.

Persönliche Daten im Internet

Ich bin ein Web-Freak, habe Profile bei einem ganzen Haufen Websites, habe einen Blog, den ich unter meinem echten Namen schreibe, und so weiter. Ich bin aber auch ein Freund meiner Privatsphäre. Mir ist klar, dass Google mittlerweile viel über mich wissen muss. Aber bekomme ich diese Informationen auch wieder raus?

Ich hab das Experiment gemacht, und versucht, möglichst viele (unnötige bzw. unerwünschte) Informationen über mich aus der Google-Suchmaschine rauszubekommen.

Meine konkreten Ziele waren:

  1. Weg mit unnötigen Informationen (Profile, die ich nur zu Testzwecken angelegt habe, die keine Informationen beinhalten, außer, dass sie existieren)
  2. Weg mit unerwünschten Informationen (zB Aussagen, die mir im Berufsleben schaden könnten bzw. mir im Nachhinein peinlich sind)
  3. Prominentere Platzierung der erwünschten Profile (mein Blog, Twitter, Presentify – die sollen sich nicht hinter anderen Seiten verstecken)
  4. Vermischen mit anderen, gleichnamigen Personen (damit können Suchergebnisse ohne Foto nicht mehr eindeutig zugeordnet werden)

Schritt 1

Ich hab auf www.google.com und www.google.at nach meinem Namen und meinen häufig gewählten Synonymen gesucht und geschaut, was angezeigt wird. Flickr-Profil, alter Blog, ehemaliger Projekt-Blog, neuer Blog, viele verschiedene Website-Profile – alles mögliche ist aufgetaucht.

Diese Websites habe ich in eine Liste eingetragen und ihnen eine “Lösch-Priorität” zugewiesen. Leere, wertlose Seiten hatten eine niedrige Priorität, “problematische” Seiten eine hohe.

Schritt 2

Die Websites auf dieser Liste bin ich dann eine nach der anderen durchgegangen. Ich hab mich eingeloggt, versucht, die Accounts zu löschen oder wenigstens die einzeln angebenen Daten zu löschen oder so weit zu ändern, dass sie nichts mehr mit meiner Person zu tun haben. (Geburtsdatum auf 01.01.1970 geändert, Geschlecht auf “Bitte auswählen…” zurück gesetzt, etc.)

Wo das Löschen direkt auf der Website nicht möglich war, hab ich mir eine Support-E-Mail-Adresse gesucht und per E-Mail gebeten, meinen Account zu löschen. (Das funktioniert fast überall innerhalb weniger Tage.)

Die Profile, die ich löschen konnte, hab ich in der Liste entsprechend markiert. Die, wo ein “einfaches” Löschen (direkt auf der Website) nicht möglich war, ebenfalls.

Schritt 3

Jede Woche habe ich wieder in Google gesucht und geschaut, welche Profile noch vorhanden sind und welche schon gelöscht wurden. Auch diese Änderungen habe ich wieder in die Liste eingetragen.

Meine Erfahrung

Google löscht Suchergebnisse, die als Websites nicht mehr existieren (logisch) und indexiert regelmäßig alle Websites neu, dadurch war ich relativ schnell relativ erfolgreich beim Löschen meiner Daten. Es lohnt sich aber auch, mit Windows Live Search, Yahoo! und Ask zu suchen. Nicht, weil diese Suchmaschinen mehr Ergebnisse anzeigen (ganz im Gegenteil), sondern weil sie durch andere Ranking-Algoritmen auch andere Websites anzeigen.

Ausnahmen & Probleme

Benutzernamen

Die Benutzernamen sind Probleme. Ich habe bei einigen Websites meinen vollen Namen als Benutzernamen verwendet. Das war beim Versuch, die Profile zu löschen, bei manchen Websites ein Problem, da ich den Account nicht löschen konnte!

Profil-Bilder

Viele Websites, bei denen ich zwar mein Profil nicht löschen konnte, aber wenigstens die Daten “zerstörte”, hatten keine Funktion, um das Profil-Bild zu löschen. Das lässt sich leicht umgehen: Nehmt ein leeres Bild (Ich hab eine transparente 1×1 Pixel große GIF-Grafik genommen.) und ladet es hinauf – Problem gelöst.

Unlöschbare Accounts

Ein Grundsatzproblem, das ich oft entdeckt habe ist, dass man Accounts ganz einfach nicht löschen kann. Ich habe selbst mehrere Community-Websites entwickelt und weiß, dass man schwer einfach alle Daten einer Person aus einer Website entfernen kann. Ich weiß aber auch, dass es trotzdem möglich ist, persönliche Daten unerkennbar zu machen. Es lohnt sich, im Zweifelsfall nachzufragen und um eine Account-Löschung zu bitten.

Langzeit-Speicher

Während ich von den Suchmaschinen meine Daten runter bekommen habe, gibt es einen zweiten Typ an Websites, die sich davon nicht beeindrucken lassen, weil sie diese Suchresultate längst gespeichert haben: Profil-Aggregatoren wie Spock (aber nicht wie 123people und Yasni) und Langzeit-Suchmaschinen wie das Web Archive. Letzteres ist zwar unbekannt, langsam und schwer zu durchsuchen, bietet aber trotzden Potential zur missbräuchlichen Verwendung.

Auch die Profil-Aggregatoren sind nicht zu unterschätzen. Sie durchsuchen das Web und löschen alte Ergebnisse nicht, da sie nicht nach den Websites, sondern nach den Informationen suchen. Spock (ich setze keinen Link, da ich kein großer Fan mehr bin – eine Google-Suce nach dem Namen findet die Website ohnehin) kann man zwar beeinflussen – es gibt aber das Risiko, Daten nicht mehr aus dem System zu bekommen. Am Klügsten ist es hier, das Profil für sich zu nützen und zu beeinflussen, um unerwünschte Informationen zu entfernen oder erwünschte Informationen hervorzuheben.

Presentify.at

Dieses Experiment hat mir für Presentify die Augen geöffnet, das naturgemäß ebenfalls persönliche Informationen sammelt. Wir ermöglichen es unseren Mitgliedern aber, ganz einfach ihren Account zu löschen – in diesem Fall werden bis auf den Namen alle Profil-Informationen (Alter, Geschlecht, Homepages, Profil-Bild, etc.) sowie Events (inkl. alle damit zusammenhängenden Daten) und Freundschafts-Einträge vollständig gelöscht, der Name wird zusammengestutzt (aus “Sebastian Moser” wird “Sebastian M.”). Was wir nicht löschen, sind die vom Mitglied erstellten Daten. (Nachrichten, Gästebuch-Einträge, Kommentare)

Ich denke, das ist ein vernünftiger Mittelweg.

Yasni – schlechter Spock-”Klon”

yasni, eine deutsche “Menschen-Suchmaschine”, hat vor einigen Tagen mit ein bisschen Trara gestartet. Blognation spricht davon, dass das Unternehmen in Konkurrenz zu Spock, PeekYou, etc. stehe, was sich nur um einen Witz handeln kann.

Yasni tut nichts anderes, als Wikipedia, Amazon (!?) sowie diverse Social Networks und Suchmaschinen nach einem Namen zu durchsuchen. Das ganze wird einfach nacheinander aufgelistet. Und zwar in einer unglaublich unübersichtlichen Art und Weise.

Eine Suche nach Angela Merkel, deutsche Bundeskanzlerin, bringt mir ein paar kleine Bilder, eine kurze Zusammenfassung des Wikipedia-Artikels, drei Angela Merkel-Fake-MySpace-Profile, die Amazon Bücher-Wunschliste (!?) von einer Angela Merkel aus Bayern, Links zu “StayFriends” und zu einigen Suchmaschinen. Unter anderem ist eine Seite mit dem Namen “Angela Merkel – Merkelwitze” dabei.

So, und jetzt zu dem, was nicht hier ist:

  • Eine Übersicht über verschiedene Frauen mit dem Namen Andrea Merkel. Vermutlich ist die Frau Merkel aus Bayern nicht die Angela Merkel, oder?
  • Ihr Alter, ihr voller Name und vielleicht ihre Tätigkeit.

Spock, die angebliche Konkurrenz von Yasni, zeigt mir dagegen folgendes:

  • Eine Liste von 10 Angela Merkels – 23 werden insgesamt gefunden. Von den ersten 10 sind drei aus Deutschland.
  • Für die Bundeskanzlerin Merkel wird ein Foto angezeigt.
  • In ihrem Namen ist erkennbar, dass sie den Doktor-Titel trägt.
  • Neben ihrem Namen steht ihr Geschlecht und ihr Alter.
  • An den Tags ist zu erkennen, dass sie Lutheranisch ist, dem deutschen Parlament angehört, Bundeskanzlerin ist, und von Forbes zu einer der mächtigsten Frauen ernannt wurde.

Und all das war nur die SERP (Search Engine Result Page). Die Detail-Seite zeigt mir einige Tags über sie, sowie 4 von 17 mit ihr zusammenhängende Personen (Kabinetts-Mitglieder und einige Kanzler-Vorgänger). Dazu noch 6 Fotos, die allesamt seriös sind.

Zusammenfassung

Klar, Spock hat eine größere Benutzer-Basis und schon einige Monate Vorsprung. Spock gibt sich aber Mühe, die gefundenen Daten zu gruppieren und in Profilen zusammenfassen. Bei Yasni muss man das selbst tun. Yasni lebt also davon, dass die Mitglieder die Informationen, die sie als richtig erachten, selbst gruppieren. Das wird unweigerlich dazu führen, dass es weniger Profile geben wird.

Spock im Gegensatz dazu sucht alles an Informationen, was es finden kann, gruppiert es bereits in Profilen, und lässt die Benutzer diese Informationen korrigieren und erweitern.

Yasni macht es sich zu leicht. Vielleicht kommt manches davon noch, man sieht aber an der Umsetzung der Seite – am Layout, am Design – UND am Konzept, dass das nicht wahrscheinlich ist. Und damit reiht sich Yasni in eine Reihe an peinlichen deutschen Web 2.0-Fehlschlag. Leider.

Zur Veranschaulichung:
Angela Merkel @ Spock
Angela Merkel @ Yasni

Yasni – schlechter Spock-"Klon"

yasni, eine deutsche “Menschen-Suchmaschine”, hat vor einigen Tagen mit ein bisschen Trara gestartet. Blognation spricht davon, dass das Unternehmen in Konkurrenz zu Spock, PeekYou, etc. stehe, was sich nur um einen Witz handeln kann.

Yasni tut nichts anderes, als Wikipedia, Amazon (!?) sowie diverse Social Networks und Suchmaschinen nach einem Namen zu durchsuchen. Das ganze wird einfach nacheinander aufgelistet. Und zwar in einer unglaublich unübersichtlichen Art und Weise.

Eine Suche nach Angela Merkel, deutsche Bundeskanzlerin, bringt mir ein paar kleine Bilder, eine kurze Zusammenfassung des Wikipedia-Artikels, drei Angela Merkel-Fake-MySpace-Profile, die Amazon Bücher-Wunschliste (!?) von einer Angela Merkel aus Bayern, Links zu “StayFriends” und zu einigen Suchmaschinen. Unter anderem ist eine Seite mit dem Namen “Angela Merkel – Merkelwitze” dabei.

So, und jetzt zu dem, was nicht hier ist:

  • Eine Übersicht über verschiedene Frauen mit dem Namen Andrea Merkel. Vermutlich ist die Frau Merkel aus Bayern nicht die Angela Merkel, oder?
  • Ihr Alter, ihr voller Name und vielleicht ihre Tätigkeit.

Spock, die angebliche Konkurrenz von Yasni, zeigt mir dagegen folgendes:

  • Eine Liste von 10 Angela Merkels – 23 werden insgesamt gefunden. Von den ersten 10 sind drei aus Deutschland.
  • Für die Bundeskanzlerin Merkel wird ein Foto angezeigt.
  • In ihrem Namen ist erkennbar, dass sie den Doktor-Titel trägt.
  • Neben ihrem Namen steht ihr Geschlecht und ihr Alter.
  • An den Tags ist zu erkennen, dass sie Lutheranisch ist, dem deutschen Parlament angehört, Bundeskanzlerin ist, und von Forbes zu einer der mächtigsten Frauen ernannt wurde.

Und all das war nur die SERP (Search Engine Result Page). Die Detail-Seite zeigt mir einige Tags über sie, sowie 4 von 17 mit ihr zusammenhängende Personen (Kabinetts-Mitglieder und einige Kanzler-Vorgänger). Dazu noch 6 Fotos, die allesamt seriös sind.

Zusammenfassung

Klar, Spock hat eine größere Benutzer-Basis und schon einige Monate Vorsprung. Spock gibt sich aber Mühe, die gefundenen Daten zu gruppieren und in Profilen zusammenfassen. Bei Yasni muss man das selbst tun. Yasni lebt also davon, dass die Mitglieder die Informationen, die sie als richtig erachten, selbst gruppieren. Das wird unweigerlich dazu führen, dass es weniger Profile geben wird.

Spock im Gegensatz dazu sucht alles an Informationen, was es finden kann, gruppiert es bereits in Profilen, und lässt die Benutzer diese Informationen korrigieren und erweitern.

Yasni macht es sich zu leicht. Vielleicht kommt manches davon noch, man sieht aber an der Umsetzung der Seite – am Layout, am Design – UND am Konzept, dass das nicht wahrscheinlich ist. Und damit reiht sich Yasni in eine Reihe an peinlichen deutschen Web 2.0-Fehlschlag. Leider.

Zur Veranschaulichung:
Angela Merkel @ Spock
Angela Merkel @ Yasni

Spock-Einladungen zu verschenken

Über Spock hab ich schon geschrieben. Spock ist eine Menschen-Suchmaschine. Gute Sache, in der Tat recht interessant. Und nachdem ich Dieter Rappold eine Einladung zukommen hab lassen, kriege ich plötzlich 100 weitere Einladungen.

Also: Wer will eine Einladung für Spock?

Einfach hier ein Kommentar hinterlassen, mit eurer E-Mail-Adresse und eurem vollen Namen.

Spock: Menschen-Suchmaschine

Hinweis: Hier gibts auch Artikel zu den Suchmaschinen 123people und Yasni und zur Datenschutz-Problematik, die diese Angebote betrifft.

Eine stark gehypte Alternativ-Suchmaschine ist “Spock”. Sie sucht nach Menschen. Man gibt einen Namen ein, und erfährt alles, was es im Web über sie zu wissen gibt. Zumindest in der Theorie. In der Praxis sieht das schon anders aus. Das weiß ich, seit ich heute eine Einladung für die Suchmaschine erhalten hab.

Als erstes: Ich musste mich registrieren, hatte die Möglichkeit, ein MySpace-Profil für mich zu vereinnahmen, und E-Mail-Adressen einzugeben.

Eine Suche nach meinem Namen (Ich kann keinen Link posten – die Suchmaschine ist zur Zeit noch invite-only!) liefert mir einige Ergebnisse, basierend auf Profilen in Social Networks, und anscheinend auch nur basierend darauf.

Bei mir wird als Web-Link nur das MySpace-Profil angezeigt, das ich vorher als das meine angegeben hab.

Keine Blogs, die ich schreibe und keine Domains, die ich besitze, werden angezeigt. Schade. Denn nur MySpace, LinkedIn und solche Seiten zu durchsuchen ist ein bisschen wenig.

Aber: Die Seite ist ja auch nach wie vor im privaten Beta-Test. Insofern kann sich noch viel tun.

Meine Wünsche:

  • Domains, die ich registriert habe, sollten meinem Profil zugeordnet werden.
  • Blogs, die ich schreibe, sollten meinem Profil zugeordnet werden.
  • Facebook sollte unterstützt werden.
  • Und überhaupt sollten mehr allgemeine Verweise auf meine Person gefunden werden.

Ich werde morgen noch einmal schauen, ob meinem Profil in der Zwischenzeit ein Foto zugeordnet wurde. Vorhanden wäre es ja, dank der Verlinkung zu MySpace…

Übrigens: Google hat übrigens bei den deutschen Suchergebnissen ein völlig anderes Ranking. Mein Name wird erst auf der zweiten Seite ganz unten angezeigt – in der englischen Version handeln die ersten sechs Suchergebnisse von mir. Ich stimme dem auch teilweise zu. Wenn ein Vize-Weltmeister oder ein Mitglied einer Band mit Plattenvertrag vor mir steht, brauchen wir gar nicht diskutieren. Aber ein Gymnasium-Schüler, der in einer Freundes-Suchmaschine steht, sollte nicht auf der ersten Seite vorkommen, deutlich vor einer Person, die im englischen Google die ersten sechs Suchergebnisse für sich beanspruchen darf.

Und wieso gibt es im deutschen Google keine Feedback-Funktion?