Web 2.0 vs. AJAX vs. Google

Google verwendet kaum AJAX, wo es nicht notwendig ist. Im Gegensatz zu Meebo oder Yahoo! TV, das nach seinem Relaunch deutlich langsamer und komplizierter war als vorher, dafür aber haufenweise “AJAX” einsetzte oder Buxfer, bei dem alle Inhalte auf einer Seite sind, obwohl sich alles so anfühlen, als würde sich eine neue Seite laden – was natürlich nicht funktioniert!

Das ist alles lächerlich.

Google hat “AJAX” verstanden. AJAX wird hier kaum eingesetzt, nur wo’s halt wirklich Sinn macht. Die “Web 2.0-Konkurrenz” will das irgendwie nicht verstehen. Meebo setzt AJAX ein, wo eigentlich Flash sein sollte. (Google hat seinen Web-Chat-Client klugerweise in Flash umgesetzt.) Live.com setzt AJAX ein, wo wenigstens teilweise statische Links sein sollten. (Wie bei iGoogle.) Im Prinzip muss hier auch Netvibes und Pageflakes kritisiert werden: Zu viel AJAX, Leute!

Wenn Erik Schmidt also sagt, Web 2.0 ist AJAX, dann ist das ein Scherz! AJAX ist eine Sammlung an Technologien, die durch gezielten Einsatz die Entwicklung von effizienteren Web-Projekten ermöglichen soll. Aber doch bitte nicht Firmenpolitik!

Keine Bubble 2.0

Kaum wird das Risikokapital mehr, glaubt jeder wieder, wir würden von einer “Bubble 2.0″ reden. Das ist absoluter Blödsinn, sag ich euch!

Klar, es werden zweifelhafte Geschäftsmodelle finanziert, aber das war schon immer so. Klar, es gibt Firmen, die Probleme haben. Und das wird auch so bleiben. Es werden noch viele Firmen in Konkurs gehen. Wir reden hier ja auch von Risikokapital, und nicht etwa von Blue Chips.

Aber noch wichtiger – nach dem Platzen der “dotcom-Blase” im Jahr 2001 wurde die ganze Internet-Industrie nieder gerissen, obwohl viele vernünftige Firmen dabei waren, die ohne weiteres den Weg in die Profitabilität schaffen hätten können oder trotz Schwierigkeiten auch geschafft haben. Das Problem war damals, dass der Werbemarkt, der auch heute noch ein wesentlicher Bestandteil der meisten Geschäftsmodelle im Internet ist, sehr stark von Start-Ups getragen war. Dank der riesigen Finanzierungsrunden konnte massiv Werbung geschalten werden – in einem Ausmaß, wie das heute längst nicht mehr der Fall ist. Wie viele Start-Ups werben mit Google AdWords für ihr Unternehmen? Wieviele Banner für digg sind auf Yahoo!-Seiten zu sehen?

Richtig: keine!

Heute machen neben großen Unternehmen auch viele kleine Unternehmen Werbung im Internet. Der Werbemarkt ist jetzt zwar trotzdem noch zyklisch, aber auf wesentlich mehr Branchen aufgeteilt.

Wenn die Bubble 2.0 tatsächlich eines Tages kommt, wird sie weit weniger dramatische Auswirkungen haben. Einige Firmen werden in Konkurs gehen, einige werden Übernahme-Ziele werden, einige werden an die Börse gehen, und wieder andere werden unabhängig bleiben.

Spekulations-Blase im Web 2.0

Jens Kunath, ein deutscher Business Angel, unter anderem Investor der Social-Commerce-Plattform shoppero, fragt, ob es eine “Bubble2.0″ gibt.

Es gibt keine Bubble2.0.
Gute Ideen mit tragfähigen Businessmodellen werden sich durchsetzen. Aber die vielen Klone werden nicht überleben. Es gibt keine Notwendigkeit für zum Beispiel 10 Familiennetzwerke. Es werden 2-3 Anbieter den Markt unter sich aufteilen, der Rest wird in der Bedeutungslosigkeit versinken. Das haben wir aus der ersten Welle gelernt. Es gibt in den meisten Segmenten nur noch 2-3 große Anbieter. 2 Autobörsen, 2 Immobilienbörsen, 1 Auktionshaus, 1 Suchmaschine. Ausnahme ist der Markt der Singlebörsen, wo noch 5-6 relevante Player am Markt sind. Aber auch dort wird es eine Konzentration geben.

Ich stimme zu. Es wird keine weitere Spekulations-Blase geben. Natürlich ist der Markt zyklisch, es wird Firmenkonkurse geben, es wird eine Phase folgen, in der weniger Geld vorhanden ist, aber das ich doch ganz normal!

Wo ich nicht zustimme, ist die Frage, ob es 10 Familiennetzwerke braucht, und die Aussage, die vielen Klone würden nicht überleben.

Das schöne im Online-Markt heute ist, dass es möglich ist, mit wesentlich weniger Ressourcen und Aufwand ein erfolgreiches Unternehmen zu führen.

Nicht jedes Social Network braucht die Größe von MySpace oder Facebook, die hunderte von Mitarbeitern haben. Szene1 beispielsweise kommt mit weniger als 30 Mitarbeitern aus, und hat nichtmal eine halbe Million aktive Mitglieder! Trotzdem arbeitet das Unternehmen erfolgreich, schreibt Gewinne und läuft.

Es ist noch viel Platz für weitere Social Networks, für weitere Social-Commerce-Plattformen, für Blog-Netzwerke, und so weiter. Und die meisten davon werden nie besonders stark in der Öffentlichkeit stehen, weil es gar nicht notwendig ist. Sie besetzen ihre regionale oder thematische Nische, bewegen sich in dieser und sind glücklich.

Das einzige, das sich ändern wird ist, dass Business Angels mit relativ kleinen Investitionen (< 500.000 Euro) immer mehr gefragt sein werden, während viele Firmen es vermeiden werden, große Risikokapitalgeber einsteigen zu lassen.

Millionen Euros müssen erst zurückverdient werden. Wer 10 Millionen Euro aufnimmt, muss vielleicht einer 50 Millionen Euro-Valuation gerecht werden. Wer 500.000 Euro einnimmt, muss viel weniger erreichen, und hat höhere Erfolgschancen.

Web 2.0 als Management-Projekt

Was unterscheidet Facebook und Bebo von UndDu.de oder Joga?

Die ersten beiden wurden von kleinen Start-Ups gestartet (die mittlerweile auch ziemlich groß geworden sind), die letzten beiden von großen Internet-Konzernen: Joga = Google, UndDu.de = Web.de)

Das Internet ist ein sich schnell bewegender Markt. Social Networks sind schnell zu entwickeln (zumindest in einfacher Form), man muss dabei aber enorm Flexibel sein. Wusstet ihr zum Beispiel, dass YouTube anfangs gar nicht als Video-Sharing-Plattform gedacht war, sondern als Video-Version von HotOrNot?

Wenn nun eine Firma wie Web.de hergeht, um ein Social Network zu entwickeln, dann ist das Endergebnis technisch sicher prima, aber besonders erfolgreich wird man damit eher nicht.

Es fehlt das Charisma, es fehlen die Innovationen. Hätte YouTube seine Geschäftsidee so schnell um 180° drehen können, bevor jemand anders damit erfolgreich wurde, wenn es von Anfang an ein Google-Projekt gewesen wäre? Sicher nicht!

Im Internet zählt ganz oft die Bewegungsfreiheit, die Geschwindigkeit, mit der man sich wandeln kann, das mangelnde Management. Große, starre Unternehmen können da einfach nicht mithalten, selbst im Falle von Google nicht.

Im Gegensatz dazu ist die Web-Suche ein Bereich, der nicht mehr von Start-Ups besetzt werden wird. Zu groß ist der Vorsprung von Google, zu stark die Marke. Dieser Bereich ist technologisch so anspruchsvoll, hier wird sich im Gesamten nichts mehr tun.

Aber hier eine kleine Einteilung:

  • Innovative Projekte
    Kleine und große innovative Projekte, auch und vor allem Social Networks (das letzte Wort ist in dem Bereich noch nicht gesprochen!), werden in Zukunft immer mehr primär von Start-Ups entwickelt und von Konzernen gekauft.
  • Technisch komplexe, wenig innovative Projekte
    Die Web-Suche wird zwar immer weiter entwickelt, aber in absehbaren Projekten. Dass die verschiedenen Suchfunktionen von Google zusammengeschaltet werden, ist technisch aufwendig, aber nicht besonders innovativ. Es war absehbar. Diese Bereiche werden weiterhin von den Großkonzernen selbst entwickelt.
  • Technisch komplexe, innovative Projekte
    Sehen wir uns die Video-Suche von Google an. Sie sucht zur Zeit primär nach den Tags und dem Titel. Das wird sicher nicht so bleiben. Videos und Fotos müssen nach ihren Inhalten durchsucht werden, etwas, das technisch aufwendig ist und innovative Herangehensweisen erfordert. Ich wette, die Suchkonzerne investieren Millionen in die Entwicklung solcher Such-Algorithmen. Doch hier können auch Start-Ups einspringen. Technologie-Start-Ups, die eine eigene Suchmaschine primär zu Demonstrationszwecken entwickeln, um sie später an die Großkonzerne zu verkaufen und dort zu integrieren.

Auch, wenn es mittlerweile nicht mehr besonders beliebt ist, das zu sagen: Eine Übernahme als Exit-Strategie bleibt für sehr viele Start-Ups weiterhin interessant und lukrativ.

Nur, liebe Risikokapitalgeber und Business Angels: Hört doch auf, die ganzen mäßig innovativen, total unrealistischen Suchmaschinen-Start-Ups zu finanzieren. Google hat den Markt in der Hand und sprintet sogar seinen großen Verfolgern (die das nötige Marketingkapital hätten) davon!

Web 2.0 ist angekommen

Kritische Stimmen (und Investoren in Old-School-Plattformen, die sich nicht weiterentwickeln wollen) behaupten oft, “Web 2.0″ sei das ganz gewöhnliche Internet, aber mit größeren Schriften (“Ruby On Rails”-Style) und AJAX.

Ich hab auch für die 3h-Galerien, meine erste große Community, den Tipp bekommen, doch ein bisschen Web 2.0 Einzug halten zu lassen. Im Sinne von AJAX.

Also, Leute: Web 2.0 ist nicht AJAX!

AJAX ist eine Technologie, die die Gestaltung von Websites teilweise vereinfachen kann. TEILWEISE! Ich höre von Projekten, die JavaScript-Animationen so stark verwenden, dass die Seite ohne JavaScript gar nicht mehr aufgerufen werden kann. Und zwar ohne wirklichen Grund. Und ohne Alternativ-Interface.

Das ist Bullshit, meine Freunde.

Web 2.0 sind Web Services. Web 2.0 ist die Öffnung des Internets. Web 2.0 sind RSS-Feeds und APIs.

Google Reader ist Web 2.0. Netvibes ist Web 2.0. Twitter ist Web 2.0. iGoogle ist Web 2.0. Und während Google Reader und Netvibes massiv auf AJAX setzen, tut Twitter das nur unterschwellig. Trotzdem ist Twitter Web 2.0. Genauso wie iGoogle, das zwar Drag’n'Drop-Funktionalität besitzt, aber bei weitem nicht so exzessiv auf AJAX setzt, wie Netvibes.

Für mich ist Web 2.0, dass 95% der Inhalte, die ich im Internet konsumiere, bei Netvibes oder Google Reader aggregiert werden. Dass ich hier alle meine Blogs und konventionelle Nachrichten lese. Alles andere ist Pipifax.