Tripwolf, sozialer Reiseleiter

TripwolfDie Welt wächst zusammen, weite Reisen sind immer üblicher, und doch hat das noch wenig Repräsentation in der Web 2.0-Welt gefunden. Dass jetzt ausgerechnet ein teilweise Wiener Start-Up dazu ein sehr überzeugendes Angebot entwickelt hat, freut mich natürlich sehr.

Tripwolf (Blog) heißt die Firma, von meinem 30-jährigen Vornamensvetter Sebastian Heinzel (Blog, LinkedIn) im März dieses Jahres gegründet und vom Start-Up-Inkubator i5invest finanziert (Sebastian Heinzel ist dort auch SVP Marketing & PR International). Die Website ist seit knapp zwei Monaten online.

Die Features umfassen eine einfache Messaging-Infrastruktur, man kann FreundInnen eintragen, Lieblingsplätze definieren, Foto-Galerien erstellen und einen Reise-Blog schreiben. Das wichtigste ist aber meiner Ansicht nach der PDF-Generator, der für ausgewählte Orte einen eigens generierten Reiseführer zum Ausdrucken und Mitnehmen erstellt.

Interessant ist es aus drei Gründen, von denen sich viele Web-Start-Ups etwas abschauen können:

1. Neues Produkt, klare Nische

Tripwolf ist neu, nicht nur in Österreich, sondern generell. Für ein Start-Up, dessen Reichweite zwangsläufig weltweit ist, ist das sehr wichtig. Tripwolf hat seine Nische (bisher) recht genau abgesteckt und füllt sie aus.

(Ich bin keiner derer die sagen, jedes Start-Up muss völlig neu sein. Konkurrenz ist wichtig und gut, aber der erste zu sein ist dennoch hilfreich.)

2. Facebook-Applikation

Teil von Tripwolf ist eine Facebook-Applikation, die sehr gut umgesetzt ist und genau das ist, was eine Facebook-Applikation sein soll.

Tripwolf selbst ist zwar für manche ein Produkt, das sie sehr regelmäßig verwenden, für die meisten aber etwas unregelmäßiges. Man fährt halt nicht andauernd auf Urlaub, sondern nur ein paar Mal pro Jahr. Daher ist es schwierig, eine eigenständige Website zu einem Thema aufzubauen, bei der die Mitglieder einen eigenen Account haben müssen und alles seperat abläuft.

Tripwolf macht – ganz richtig – Facebook zum Teil ihrere Distributions-Strategie. Bei Facebook muss Tripwolf nur erreichen, dass ihre Applikation installiert (oder im neuen Facebook gebookmarkt) wird, und schon sind sie jederzeit für das Facebook-Mitglied leicht auffindbar – man muss sich nicht daran erinnern, in der Urlaubszeit zu www.tripwolf.com zu gehen.

Das Problem: Die Facebook-Anwendung funktioniert im neuen Facebook nicht! (Aber der Fehler, meiner Beobachtung nach ein einfacher Verlinkungsfehler, wird sicher bald behoben.)

3. Kooperation mit “Old Media”

Das interessanteste ist aber etwas anderes: Tripwolf kooperiert mit MairDumont, laut eigenen Angaben “Marktführer für touristische Informationen” in Deutschland und Europa. Die Firma stellt auf Tripwolf alle ihre Reiseinformationen kostenlos zur Verfügung. In Zeiten, in denen traditionelle Medienkonzerne mehr und mehr von flinken Web-Start-Ups verdrängt werden (siehe Craigslist, das den Medienkonzernen das Kleinanzeigengeschäft ruiniert) eine sehr kluge aber unerwartete Entscheidung.

Davon profitieren beide Firmen. Ich vermute, dass MairDumont für diese Kooperation an Tripwolf beteiligt wurde (ob auch Geld die Seiten gewechselt hat, weiß ich nicht), eine Beteiligung, die sehr viel Geld wert werden könnte und durch die hochwertigen Inhalte an sich bereits wesentlich wertvoller wurde.

Fazit

Tripwolf sollte (und ist sicher dabei) ihre Facebook-Anwendung auf andere Social Networks zu portieren (vornehmlich MySpace, am besten aber auf OpenSocial generell) und stärker hervorheben, dass sie nicht nur ein User Generated Content-Start-Up sind, sondern auch redaktionell geprüfte Inhalte von einem der größten Reiseführerhersteller haben. Dafür wärs vermutlich notwendig, das Design zu entlasten und die vielen Werbebanner für verschiedene Features weg kommen.

Tripwolf ist aber definitiv eines der Start-Ups, das durch eine exzellente Umsetzung brilliert. Davon werden wir sicher noch viel hören.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>