Die Zeiten, in der jeder Staat seine eigene Fluggesellschaft besaß, sind endgültig vorbei, seit Billigfluggesellschaften für mehr Wettbewerb sorgen und die Kosten dank steigender Ausgaben für (teilweise schwachsinnige) Sicherheitssysteme und Kerosin stark gestiegen sind.
Logisch, dass in diesen schwierigen Zeiten staatlich gesteuertes Management völlig versagt. Ötsch & Co, die aus politischen Gründen ins AUA-Management kamen (Ötsch hat keine Fluggesellschafts-Management-Erfahrung), haben ziemlich viel falsch gemacht, den Rest wurde (und wird) der AUA von den regierenden Parteien (SPÖ, ÖVP, FPÖ und BZÖ) gegeben.
Die AUA mit ihrer problematischen Kostenstruktur darf keine Kollektivverträge neu verhandeln, keine Kündigungen aussprechen, der seit Jahren andauernde Kampf darum demoralisiert die Mitarbeiter/innen.
Eigentlich ist seit Jahren klar, dass die AUA nicht selbstständig bleiben kann. Die politischen Parteien bemühen sich indes verzweifelt, das zu erschweren, indem sie eine Sperrminorität halten wollen (die drückt den Preis der AUA erheblich, bringt aber gar nichts) oder bestimmte Bieterkonsortien bevorzugen oder ablehnen (SPÖ ist für Al Jaber, die ÖVP dagegen; alle sind für die Lufthansa, niemand für die russische S7) und damit andere potentielle Bieter abschrecken.
Dann gibt es auch immer wieder die “österreichische Lösung” – diese furchtbare Aussage, die impliziert, dass österreichische Anleger von der AUA im Unterschied zu ausländischen Anlegern weniger Gewinne oder steigende Börsenkurse verlangen würden – und wieder eine Abschreckung für potentielle Bieter.
Das Problem ist: Österreich ist in einer Lose-Lose-Situation. Gute Zeitpunkte für einen Verkauf gab es nie wirklich – jetzt ist die AUA aber ganz am Boden. Das Problem: Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die AUA aus ihrer Krise nicht herauskommen wird.
Aber sehen wir die Frage von einer anderen Seite (von der man alle Privatisierungen sehen sollte): Was spricht für ein Beibehalten der AUA in Staatsbesitz?
- Abzug von Flugrouten aus Österreich
Das ist nicht zu erwarten. Österreich ist ein lukrativer Flugmarkt – viele Leute fliegen hier her, viele Leute fliegen von hier weg.
Das schlimmste wäre eine Bewegung von Flügen von Wien nach Bratislava – aber nicht ohne eine wesentlich verbesserte Infrastruktur. (Selbst wenn: Die österr. Fluggäste werden sich nicht über günstigere Flüge beschweren, vermut ich mal.) - AUA ist österr. Basis-Infrastruktur, die nicht private Interessen unterliegen soll
Das war sie vor 30 Jahren – deshalb hat damals auch jeder Staat seine Fluggesellschaften gegründet. Heute ist die Situation anders. Es gibt mehr als genug private Fluggesellschaften, der österreichische Flugmarkt ist groß genug, dass er nicht einfach “außen vorgelassen” wird. (Gegensatz dazu: Post AG, Telekom, ÖBB – die stellen eine Basisinfrastruktur zur Verfügung, die wirtschaftlich und gesellschaftlich sehr wichtig ist. Hier sollte man sehr aufpassen, bevor man unnötig privatisiert.) - Qualität der AUA könnte nachlassen
Ja, die AUA ist eine der besten Fluggesellschaften der Welt und vielfach ausgezeichnet. Aber: Auszeichnungen bezahlen keine Rechnungen – und davon hat die AUA mehr als genug. - Arbeitsplätze gehen verloren
No na ned – natürlich werden Arbeitsplätze verloren gehen. Ob man das mag oder nicht: Fast alle Fluggesellschaften haben sich neu strukturiert und dabei Mitarbeiter entlassen. Wenn die AUA irgendwann nicht mehr staatliche Subventionen brauchen soll, wird sie das sowieso machen müssen.
Man kann bei der AUA weder gewinnen noch verlieren – man kann nur die Verluste begrenzen. Jedes weitere Quartal kostet dem Staat Millionen. Verkauft den Sauhaufen endlich – und zwar ohne Auflagen, die sowieso nicht eingehalten werden können oder dem Staat nur bares Geld kosten!