Warum die Linken nicht von der Wirtschaftskrise profitieren!

Viele waren überrascht, als bei der EU-Wahl dieses Jahr trotz der Wirtschaftskrise die konservativen Parteien dazu gewonnen haben, obwohl sie für die Wirtschaftskrise wesentlich mitverantwortlich sind, während die linken Parteien verloren haben. (Die Grünen haben zwar einige Mandate gewonnen, die Sozialdemokraten aber sehr viele verloren.)

Bei den meisten sozialdemokratischen Parteien gibt es Landesspezifische Probleme, im Kern sind es aber überall Probleme mit der Glaubwürdigkeit.

Obwohl die Konservativen diese Krise mitverursacht haben wird ihnen eher zugetraut, sie auch wieder zu lösen. Diese Vermutung wird noch nicht einmal durch konkrete Ideen unterstützt.

Die Grünen haben gestern ein perfektes Beispiel gebracht, warum das der Fall ist. Die Forderung nach der 35-Stunden-Woche. Bei vollem Lohnausgleich.

Ich könnte jetzt ausführlich erklären, warum das völliger Blödsinn ist, aber Christian Schreiter, Landessprecher der Grünen Wirtschaft Burgenland, tut das viel besser: Die 35-Stunden-Woche ist ein Irrtum!

Es dürfte ziemlich allen klar sein, dass diese Idee für eine breite Masse der Arbeitnehmer/innen ganz einfach weder sinnvoll noch durchführbar ist, ohne die Wirtschaft schwer zu belasten.

Die wirklichen (und behebbaren) Probleme, wie die hohen Lohnnebenkosten werden in diesem Vorschlag erst gar nicht diskutiert, was zeigt, dass sich die Grünen mit dem Thema überhaupt nicht auseinandergesetzt haben.

Nicht nur lernen die Grünen (und andere linke Parteien) nicht aus ihren Fehlern – sie beweisen auch wieder einmal, dass auf Bundesebene scheinbar sowohl für Populismus als auch ernsthafte Arbeit das richtige Personal fehlt.


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5 Kommentare »

Flo
25. August 2009 @ 08:49 Uhr

“Es dürfte ziemlich allen klar sein, dass diese Idee für eine breite Masse der Arbeitnehmer/innen ganz einfach weder sinnvoll noch durchführbar ist, ohne die Wirtschaft schwer zu belasten.”

So klar ist mir das nicht. Eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden muss ja nicht von einem Tag auf den anderen passieren, sondern kann auch sukzessive eingeführt werden, obwohl ich nicht weiß wie das von den Grünen genau angedacht ist.
Dass es für die Wirtschaft schwerer wird, das glaub ich auch, vor allem wenn die Reduzierung nur in Österreich umgesetzt wird und nicht EU oder Weltweit. Das aber ist genau die Falle in der sich die Sozial- und Arbeitspolitik auf nationaler Ebene befindet: Mit dem Hinweis auf die Wahrung der Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaft (Sachzwang) werden Sozialleistungen abgebaut und Arbeitnehmerrechte aufgelassen. Es gibt einen Wettbewerb um die wirtschaftsfreundlichsten Arbeitsbedindungen zwischen den Nationalstaaten, der den Lebensstandard der breiten Masse immer weiter nach unten niveliert, deshalb ist es wichtig genau solche Forderungen auch oder gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise zu formulieren. Eine Vollbeschäftigung, das sagen viele Wirtschaftsforscher, ist einfach nicht mehr möglich ohne Reduktion der Arbeitszeit und wieso sollten Arbeitnehmer nicht auch endlich ein Stück vom Kuchen der Produktivitätssteigerungen der letzten Jahrzehnte abbekommen ?

Eine Senkung der Lohnnebenkosten und eine Umverteilung der Steuerlast weg von Arbeit würde ich mir als Forderung aber trotzdem auch von den Grünen wünschen.

Sebastian Moser
25. August 2009 @ 19:37 Uhr

Was du sagst, klingt gut, ist aber nicht wirklich richtig. Seit mehr als hundert Jahren wird von sozialistischen Politiker/innen behauptet, die Arbeit würde immer weniger und wäre nicht mehr genug für die Menschen.
Die Realität ist eher so: Wenn Arbeitsaufwand reduziert werden kann (zB durch Automatisierung), entsteht an einer anderen Stelle neue Jobs (die Leute, die die Computer entwickeln, programmieren, zusammenbauen, vermarkten und verkaufen, die für die Automatisierung zuständig sind).

Dieses System funktioniert seit Jahrzehnten, bisher gibt es keine Hinweise, dass sich das nachhaltig ändert. (Dass im Moment die Arbeitslosigkeit steigt, hängt mit der Wirtschaftskrise zusammen. Die wird vorübergehen.)

Der Kernpunkt bei der 35-Stunden-Woche ist aber weniger die 35-Stunden-Woche, sondern der Zusatz “bei gleich bleibenden Bezügen”. Wer soll diese Lohnsteigerung zahlen?

Flo
27. August 2009 @ 07:54 Uhr

Dein erstes Argument stimmt, das muss ich zugeben, auch wenn ich bezweifle dass diese Rechnung in unserer globalisierten Welt noch so stimmt. Es gibt zwar in Österreich immer mehr hochqualifierte Jobs, aber immer weniger niedrigqualifizierte, weil die ganz einfach abwandern. Aber das ist eine andere Baustelle.

Zu den gleich bleibenden Bezügen. In der Forderung der Grünen stehen dazu ein paar Dinge (zumindest im Presse-Artikel). Zum einen sollen nur Einkommen unter 4000 Euro ganz gleich bleiben und zum anderen soll eine ökosoziale Steuerreform Arbeit generell niedrieger besteuern und so die Belastung für die Arbeitgeber abfedern. Ich selbst hab mir das jetzt nicht durchgerechnet, aber ich glaub das jetzt einfach mal.

Mein Kernpunkt ist nämlich dass eine 35-Stunden Woche vor allem in sozialer und gesellschaftlicher Hinsicht einer sehr gute, für mich auf Dauer unerlässliche, Idee ist. Mehr Zeit für Kultur, gesellschaftliches Engagment und die Familie, weniger Burnouts und andere Stresserkrankungen und eine insgesamt ein klein wenig langsamere Gesellschaft (vielleicht). Für mich ist das auch dann eine gute Maßnahme, wenn es durch die Steuerreform nicht ganz abgefedert wird.

Sebastian Moser
27. August 2009 @ 08:28 Uhr

Es verdienen eh fast alle Leute weniger als 4000 Euro im Monat (brutto oder netto spielt natürlich eine Rolle). Und gerade ab bestimmten Gehältern ist es üblich, Überstunden zu machen. (Ich hab noch selten auf die Uhr geschaut, sondern schaue primär darauf, mit meiner Arbeit fertig zu werden.)

Burnout ist kein Problem der 38-Stunden-Woche, sondern ein psychisches, das einerseits Manager/innen trifft (die auch später nicht nach 35 Stunden mit der Arbeit aufhören werden), als auch bestimmte Berufsgruppen (zB Lehrer/innen), wo die Arbeitszeit eine untergeordnete Rolle spielt. Eine Reduktion auf 35 Stunden wird daran nichts ändern.

Mehr Engagement für Kultur erwarte ich auch nicht. Ich bin da realistisch: Alle Leute, die ich kenne, die sich für Kultur engagieren, sind grundsätzlich sehr aktive Menschen, die meistens schon in einem Vollzeitjob (oder mehr) stehen. Auch hier steht die 38-Stunden-Woche nicht im Weg. Kulturengagement ist eine Frage des Wollens, und wer will, schafft das jetzt schon ohne Probleme. (Vergessen wir mal nicht, dass bei einer 38-Stunden-Woche noch unzählige Stunden an Freizeit übrig bleiben!)

Die Entschleunigung des Arbeitslebens ist auch wieder so eine Sache. Einerseits ist es für viele eine gute Idee, andererseits wird das garantiert nicht “von oben verordnet” gehen. Mein Vater ist ein wirklich gemütlicher, ungestresster, sehr aktiver Mensch (als Beispiel), arbeitet aber Vollzeit als Lehrer, unterrichtet an der Kunstuniversität, betätigt sich als Künstler und engagiert sich in der Politik. (Ich hab jetzt sicher was vergessen.)
“Langsames Leben” ist eine Lebenseinstellung, keine Zeitfrage.

Hartz IVler
17. September 2009 @ 12:31 Uhr

Man kann die Sache auch aus einer ganz anderen Perspektive betrachten, wie es Dr. Scheunemann gemacht hat. Wohl etwas wissenschaftlich, aber lesenswert:

http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/bundestagswahl-wir-mitlaeufer6555.php

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