Mit YEurope gibt es in Österreich eine Kopie des amerikanischen YCombinator Start-Up-Inkubators. Ich wollte ursprünglich selbst an dem Programm teilnehmen, habe aber darauf verzichtet (und bereue es nicht).
Jedenfalls hat YEurope vor kurzem das erste Start-Up in die freie Wildbahn entlassen, genannt Soup.

Soup.io ist ein Tumblelog, also ein Weblog, bei dem’s keine Kommentare gibt, der verschiedene Formen von Mini-Posts unterstützt, aber nicht auf längere Blog-Posts ausgelegt ist. Außerdem lädt ein Tumblelog aus verschiedenen Quellen Inhalte zusammen, die dann gemeinsam aufbereitet werden.
Im Prinzip als Twitter mit mehr Post-Möglichkeiten und einer Aggregation-Funktion.
Das Konzept finde ich sehr interessant. Im Moment ist es aber zu wenig von allem. Es ist zu wenig mobil und einfach im Vergleich zu Twitter, es ist zu eindimensional (keine Kommentare?!) im Vergleich zu FriendFeed (Das ich zur Zeit als den besten Life Aggregator sehe – ein Post dazu eventuell ein anderes Mal.)
Ich würde mir wünschen, Soup würde vom starren Tumblelog-Konzept ein bisschen weg gehen, und Dinge wie Permalinks und Kommentare zulassen. Kurze Kommentare (am besten mit einer 160-Zeichen-Beschränkung, oder so) würden das ganze viel lebendiger machen. Zur Zeit ist es eine eher langweilige, eben eindimensionale Angelegenheit, wo die Kommunikation mit Freunden kaum im Vordergrund steht.
Und: Soup.io wurde in Posts bei TechCrunch, Read/WriteWeb und Mashable als weiterer “Life Aggregator” präsentiert und dementsprechend wenig in den Himmel gelobt. Den Gründern gefällt das nicht, wie im Firmen-”Soup” auf kitchen.soup.io zu lesen ist. Zuzuschreiben ist ihnen das aber selbst, oder vermutlich Paul Böhm, dem Gründer von YEurope.
Er verfolgt eine “Zero Information”-Philosophie. Die Start-Ups wurden vor ihrem Start nie vorgestellt, während YCombinator schon früh wenigstens die Namen und die grundsätzlichen Konzepte präsentiert und damit für Marketing von Anfang an sorgt.
YEurope hingegeben scheint von jeglicher Kommunikation mit der Außenwelt abzuraten. Und das finde ich in mehrerlei Hinsicht schlecht.
YEurope könnte als bekannte “Marke” mehr erreichen, was wiederum den nächsten Start-Ups helfen würde, da YEurope leichter einen wohlwollenden Eintrag in den großen Blogs “bekommt”. (Wie das ja bei YCombinator der Fall ist!)
Aber auch die Start-Ups selbst könnten davon profitieren. Es schadet nie, seinen Namen unter die Leute zu bekommen. Das sorgt für brand awareness und hilft dem Start-Up, beim tatsächlichen Start viel mehr Gewicht zu bekommen.
Gibt es bei YEurope-Projekten eine Marketing-Strategie? Falls ja, was ich sehr stark bezweifle, dann sollte sie ein paar Dinge beachten:
- Ihr seid etwas anderes als die üblichen Life Aggregator-Projekte? Dann sagt uns, was anders ist!
- Ihr wollt, dass TechCrunch, Mashable! und Read/WriteWeb wohlwollend berichten? Dann startet euren Service offiziell, NACHDEM euer neuer Standard-Skin online gestellt wurde und erklärt ihnen, was ihr anders macht als Tumblr, FriendFeed, etc.
- Ihr wollt den Standort-Faktor nützen? Dann veranstaltet eine Launch Party im Metalab und ladet die österreichische Blogosphere ein!
- Und: Nützt Blogs. Kommentiert überall, egal wie klein der Blog ist. Antwortet auf Kritik und Fragen, etc.
Eine Liste an Ideen wäre auch nicht schlecht. Es sieht immer gut aus, eine Liste zu haben, in der immer mehr durchgestrichene Sachen stehen. Das sieht nach aktiver Weiterentwicklung aus.
Und: Wenn ihr schon keine Kommentare zulasst, dann macht doch wenigstens einen Firmenblog auf!
So, und wer’s bis hier durchgehalten hat: Ich habe meine eigene Suppe hier: sebmos.soup.io – ich find das Projekt gut, aber nicht hervorragend. Ich werde vorerst weiter damit herumspielen und hoffe auf eine schnelle Weiterentwicklung.
Walter
7. November 2007 @ 18:26 Uhr
FYI soup firmen”blogs”:
http://kitchen.soup.io/
http://tour.soup.io/